Mordsspaß: Verbrecher jagen in der Stadt

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Die Zoo-Erpresserin wird festgenommen.

Offenbach – Der Frankfurter Zoo wird erpresst. Ein Unbekannter fordert in einem Brief eine halbe Million Euro, sonst werden vier Besucherinnen entführt. Zum Glück warten 40 Detektive im Serengetisaal auf den Start der Verbrecherjagd, die von der Offenbacher Krimiautorin und Citygames-Chefin Sylvia Ebert inszeniert wird. Von Andreas Einbock

Die Hobby-Detektive verhören eine verwirrte Künstlerin im Vogelhaus.

40 Augenpaare kleben gebannt an den Lippen von Sylvia Ebert. Die Mehrzahl der meist zwischen 20 und 40 Jahren alten Hobby-Sherlock-Holmes können den Jagdauftakt des Krimispiels „Der Wolf im Schafspelz“ kaum erwarten. „Jedes der sieben Teams bekommt einen Beutel mit Schreibblock, Stift, Handy, Visitenkarten und einen Zooplan“, beschreibt die blonde Offenbacherin die Ausrüstung und schiebt die Losung hinterher, mit der die Detektive die Verdächtigen im Zoo ansprechen sollen: „Der rote Fuchs schickt mich.“ Nur wenn die Gruppe ein „Ich bin die grüne Fee“ als Antwort bekommt, kann das Verhör starten.

Verbrecherjagd im Zoo

„Bevor wir die Losung hatten, gab es schon die tollsten Verwechslungen“, sagt Ebert, die auch von einer echten Verhaftung eines ihrer maskierten Schauspielers berichtet.

Auf die Idee der Krimiagentur ist die 37-Jährige zufällig und durch eine Krise gekommen. „Ich fühlte mich unwohl im meinem Beruf“, sagt die damalige Vertriebsleiterin einer Telekommunikationsfirma. Nach einem Krimispiel-Ausflug auf eine schottische Burg stand fest: „So was würde ich hier auch gern anbieten.“

Als TV-Hasserin und Fan der Offenbacher Krimiautorin Almuth Heuner war das erste Drehbuch nach drei Monaten geschrieben. Seit 2003 stehen neben dem ersten Stück „Tod am Klavier“ über 20 Krimi-Schauspiele zur Auswahl. Die werden auf etwa 150 Events pro Jahr angeboten und überwiegend von Firmen für Mitarbeiterveranstaltungen gebucht. Ebert: „Selbst die Polizei war schon Kunde.“

Die Agentur steht zum Verkauf

Auf frischer Tat: Die Ermittler nehmen den Verbrecher fest.

Obwohl die Nachfrage enorm ist, will Ebert aussteigen: „Ich möchte gern als richtige Autorin arbeiten und Kurzgeschichten schreiben. Tja, und die Familienplanung kommt bei diesem Arbeitsstress auch viel zu kurz.“ An Kaufinteressenten für die Agentur mangelt es nicht.

Doch zurück zum Fall „Der Wolf im Schafspelz“: Nach drei Stunden stellen die Detektive die Ergebnisse ihrer Ermittlungen vor. Die meisten haben den Psychologen Doktor Niemeier im Visier. Nur eine Gruppe hat die Madonna-Imitatorin Gabriele Gunther als Erpresserin auf den Zettel geschrieben. „Schön, wenn es knifflig war und dennoch ein Team lösen konnte“, freut sich Ebert.

Weitere Infos: www.citygames.info

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