Medien-Mönch spricht über die Angst vor dem Islam

Bruder Paulus: Beten ist besser als Pegida

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Bruder Paulus auf dem Eisernen Steg in Frankfurt: Der Medien-Mönch ist überzeugt, dass ein starkes Christentum das beste Mittel gegen die Angst ist, überrollt zu werden.

Er ist Deutschlands christliches Gewissen und nimmt kein Blatt vor den Mund: Medien-Mönch Bruder Paulus lebt in Frankfurt und spricht nun im EXTRA TIPP über die Angst vor dem Islam und verrät, warum Beten gegen Pegida hilft. Von Christian Reinartz 

Ebola, der Kampf gegen IS, der nicht enden wollende Flüchtlingsstrom, Pegida und jetzt auch noch der Terror-Anschlag in Paris. Kann 2015 überhaupt ein gutes Jahr werden?

Ich gehe nicht von dem aus, was auf mich einströmt. Mir ist wichtig, dass ich im Frieden mit mir selber bin zum Beginn des Neuen Jahres. Als Christ kann ich da klar sagen: Gott hat mich geschaffen ihm zur Freude und den Nächsten zur Freude. Und diese Freude kann mir niemand auslöschen. Deswegen ist jedes Jahr für mich eine neue Herausforderung, den Frieden zu leben, der mir ins Herz gelegt wurde. Störungen von außen fordern mich heraus, auf der Grundlage meiner Religion die Welt ein bisschen mitzugestalten in Richtung Frieden und gutem Miteinander. In allem gilt, was der Engel auf den Feldern von Bethlehem gesagt hat: Fürchtet Euch nicht! Mir scheint, dass das zu Beginn eines neuen Jahres ein guter Rat ist: Geht ohne Furcht den Weg der Gerechtigkeit mit allen Menschen!

Ein neues Jahr ist auch immer mit guten Vorsätzen verknüpft. Viele Menschen suchen in einer Zeit der Hoffnungslosigkeit nach Antworten. Wird man 2015 am besten einfach gläubig?

Wenn das so einfach wäre. Im Ernst: Die großen Fragen der Menschheit tauchen umso drängender auf, je mehr das normale Leben aus dem Takt gerät. Wenn ein Mitmensch stirbt, eine Krankheit das eigene Leben bedroht, aber auch, wenn Konflikte zu Trennungen führen, Familien auseinandergerissen werden: Immer dann macht sich die Frage nach dem Warum breit. Wir können diese Frage stellen, weil wir ja nach Gestern schauen können und auch hin zum Morgen. Wir suchen einen roten Faden, suchen den Sinn. Alles scheint doch geheimnisvoll verwoben zu sein. Gläubig wird man da nicht automatisch, aber es kann schon sein, dass einem plötzlich aufgeht: Hier ist noch einer mit im Spiel, der mich mehr kennt, als ich mich selber auskenne bei mir. Ein Du, dass ich ansprechen kann, und zu dem ich sogar – oh Wunder – beten kann. Ich jedenfalls staune immer wieder, wenn zu mir Menschen kommen, die das Wunder des Gläubigwerdens am eigenen Leibe erfahren haben.

In Deutschland macht sich offenbar Angst vor dem Islam breit. Ist die berechtigt?

Sie ist völlig unberechtigt. Unter den Muslimen wie unter Christen und unter Nichtgläubigen gibt es natürlich Menschen, die radikalisiert sind. Atheisten, Christen und Muslime haben in der Geschichte schon viele Opfer produziert. Gleichzeitig gibt es natürlich auch in allen Religionen und Weltanschauungen die Weisen, die Friedensstifter und Versöhner.

Sind Pegida-Anhänger also nur Verirrte, die man nicht ernst nehmen muss?

Ich habe noch keine Pegida-Anhänger gesprochen. Manche Parolen höre ich, über die Medien verbreitet. Wenn Ängste da sind, sollte man sie ernst nehmen. Es ist ein Fehler, wenn die Politiker nur auf Pegida-Anhänger schimpfen. Befindlichkeiten in der Bevölkerung gehören ernst genommen. Die Sprechstunden unserer Bundes- und Landtagsabgeordneten sollten eifrig genutzt werden von denen, die meinen, die Politik nehme sie nicht ernst.

Ist es eine Christenpflicht den Aufmärschen der Pegida entgegen zu treten?

Christenpflicht ist es, Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen . Von der Würde eines jeden Menschen auszugehen. Und auch gegebenenfalls Nachteile für die eigene Überzeugung in Kauf zu nehmen. Damit meine ich, dass niemand Angst haben sollte, auch Widerspruch zu ernten für seine christliche Grundeinstellung. Ich hoffe sehr, dass mancher in unserem Land, der Kirche und Christentum in den vergangenen Jahren fast mitleidig belächelt hat, nun aufwacht: Ein starkes Christentum, gelebt in vollen Kirchen, ehrlichen Gebeten und wirksamer Nächstenliebe ist das beste Mittel gegen die Angst, von etwas überrollt werden zu können.

Was würden Sie den Pegida-Demonstranten gerne einmal sagen?

Schön, dass Ihr Euch zusammentut. Gemeinsames Handeln fehlt an vielen Stellen unserer Gesellschaft. Schlecht allerdings, dass Euch Angst treibt. Denn Angst schüren war immer schon ein probates Mittel, Mitmenschen zu verfolgen und zu beseitigen, die man dann als Ursache der Angst identifiziert hat.

Ist Hoffnung zu haben, also nicht hoffnungslos romantisch?

Nein, auf keinen Fall. Hoffnung ist eine göttliche Tugend. Der will ich täglich nachgehen.

Der EXTRA TIPP hilft beim Obdachlosentreff mit Bruder Paulus

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