Hildebrandmühle im Osthafen

Modernste Getreidemühle in Frankfurt: Müllermeister gewähren Einblick

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Der Vorgänger und sein Nachfolger an einem Weizenstuhl: Werksleiter Jan Gausepohl (links) hat die Modernisierung der Hildebrandmühle vorangetrieben. Jetzt übernimmt Wolfang Gruber. 

Frankfurt – Der gläserne Neubau der Europäischen Zentralbank im Frankfurter Osten ist von außen betrachtet fast fertig. Er glänzt im Sonnenlicht. Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt, strahlt der Aurora-Sonnenstern – allerdings mehr von innen als von außen.  Von Norman Körtge

Denn während sich an der gelblichen Fassaden der Hildebrandmühle in den vergangenen Jahrzehnten kaum etwas änderte, hat sich am Inventar so einiges getan

Es ist das Los der Müllermeister, dass ihr Arbeitschritt oft übersehen wird. Die Leute würden die Getreidefelder des ortsansässigen Landwirts kennen und den Bäcker um die Ecke, wo sie Brot und Brötchen, Stückchen und Kuchen kaufen, berichtet Wolfgang Gruber. Seit dem 1. August hat er das Sagen in der Hildebrandmühle im Frankfurter Osthafen. Dort, wo Getreide, vorwiegend geerntet auf den Feldern rund um Frankfurt, zu Mehl verarbeitet wird. Unter dem bekannten Markennamen Aurora wird es an Großabnehmer wie Bäckereien und die Lebensmittelindustrie geliefert. „Wir füllen nicht in Einkilo-Packungen ab“, stellt Gruber klar. Ein Großteil des Mehls verlässt den Osthafen in Silo-Lkw. Haushaltsübliche Mengen werden in der Mühle in Hamburg abgefüllt, die wie die Frankfurter Mühle zur Kampffmeyer Milling Group gehört.

130.000 Tonnen Getreide im Jahr

Auch wenn die Hildebrandmühle direkt am Main liegt – das idyllische Bild einer durch Wasserkraft angetrieben Mühle, die zwischen zwei übereinander liegenden Mühlenstein das Korn zermalmt, hat das 1914 gegründete Unternehmen nie hergegeben. Alleine schon die verarbeitete Menge von zirka 130.000 Tonnen Getreide im Jahr lässt erahnen, dass kein Müllermeister Säcke mit Getreide in eine Mühlenöffnung schüttet. Vielmehr steht nach einer ein halbes Jahr dauernden und rund zehn Millionen Euro teuren Modernisierungsphase Deutschlands derzeit modernste Mühle.

Bilder von der modernsten Getreidemühle

Die Hildebrandmühle im Frankfurter Osthafen

Schlechte Körner werden mit Luftstrahl aus Produktion geschossen

Federführend vorangetrieben hat die Sanierung der bisherige Werksleiter Jan Gausepohl , der nach dem erfolgreichen Abschluss nun für den technischen Fortschritt aller Mühlen im Konzern verantwortlich zeichnet. Er erklärt dann auch, wie Mühlen funktionieren. In die nagelneuen Weizenstühle kommt das Korn von oben zwischen zwei nebeneinander liegenden Walzen, die sich mit unterschiedlicher Geschwindkeit gegenläufig drehen. „Das Korn wird nicht zermalmt, sondern regelrecht aufgerissen“, beschreibt Gausepohl einen von vielen automatisierten Produktionsschritten, in der die verschiedenen Bestandteile über Rohrsysteme durch die Stockwerke transportiert wird.

Jedes Korn wird fotografiert

Die Aurora-Sterne im Frankfurter Osthafen.

Einer der für Laien faszinierendsten Maschinen steht allerdings gleich am Anfang des Prozesses. Der Farbsortierer. „Jedes Korn wird hier fotografiert“, erklärt Gausepohl. Wird etwa eine Verunreinigung oder ein schadhaftes Korn erkannt, wird es in Sekundenbruchteilen mit einem gezielten Luftstrahl aus der Produktion geschossen.

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Dass der Maschinenpark in der Hildebrandmühle einmal viel größer gewesen sein muss, zeigen die großen Freiflächen in den Stockwerken, die fast verschwenderisch wirken. Kein Wunder. Zuvor arbeiteten dort zwei Systeme, die durch ein modernes System ersetzt wurde. Es arbeitet nun 24 Stunden täglich an insgesamt 340 Tagen. Rund 30 Mitarbeiter sind dafür notwendig.

Nachdem die Mühlenmodernisierung abgeschlossen und der Standort gesichert ist, wird sich Gruber nun um einen Grundstückstausch an der Franziusstraße bemühen. Die Liegenschaften der Hildebandmühle hängen nämlich nicht zusammen. „Wir sind in Gesprächen mit der Stadt“, verrät Gruber. Die hat bereits durch Wirtschaftsdezernent Markus Frank entgegenkommen signalisiert. Erst kürzlich sagte er, dass er froh sei, dass Frankfurt mehr zu bieten habe als Banken.

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