„Ich trage auch in Tansania jeden Tag einen Anzug“

Modeprofi Stephan Görner gibt Tipps, was Mann trägt

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Ein Mann des Stils und der Mode: Stephan Görner in einem seiner Anzüge mit Einstecktuch und Fliege.

Stephan Görner ist einer der Könige des Maßanzugs in Frankfurt. Doch er berät nicht nur Geschäftsleute und Privatkunden in Sachen Mode, er steckt auch anzugfremde Berufsgruppen in feinen Zwirn. Im EXTRA TIPP verrät er, was Mann auf keinen Fall tragen sollte. Von Axel Grysczyk

Vergangener Donnerstag: Ein Herbsttag, recht warm, Mann geht ins Büro und zieht was genau an?

Auf alle Fälle einen schönen Anzug! Natürlich hängt es davon ab, welchen Beruf man nachgeht. Und auch von der Temperatur sollte man sich nicht irritieren lassen. Es gibt tolle leichte Stoffe, zum Beispiel einen schönen Leinenstoff und auch Anzugssakkos, die innen gar nicht gefüttert sind. Ich war beispielsweise in Tansania und habe jeden Tag dort Anzug getragen.

Und heute Abend beim Italiener: Nettes Essen zu viert. Was tragen Sie?

Ich trage immer Anzug. Aber auch eine schicke Kombination würde zu diesem Anlass passen.

Welchen Gürtel zum Anzug?

Ich bevorzuge den Tunnelbund, sieht besser aus.

Welche Uhr?

Ich trage keine Uhr.

Welche Strümpfe?

Unbedingt Kniestrümpfe. Andere kürzere Strümpfe könnten runter rutschen und dann sieht man diese Spinnen-Beinchen mancher Männer. Das wäre nicht schön.

Warum sehen manche Männer in Anzügen so blöd aus?

Das Entscheidende ist, dass man sich wohl fühlt. Ich glaube, manche Männer wirken unsicher, weil sie gar keinen Anzug tragen wollen. Sie sehen an sich nicht blöd aus in Anzügen, sondern weil sie sich nicht wohl fühlen, wirken sie nicht in einem Anzug.

Wie stellt man sich eine gute Garderobe zusammen?

Ich glaube, das kommt mit der Zeit. Man kauft sich einen blauen Anzug, dann noch einen grauen und dann irgendwann hat man den Mut, sich auch etwas Ausgefalleneres zuzulegen. Zum Beispiel einen Anzug, wie ich ihn gerade trage (deutet auf seinen Anzug, den er auf dem Foto trägt).

Drei modische Todsünden, die Ihnen sofort einfallen?

Puh. Auf alle Fälle Socken! Als zweites würden mir bedruckte Krawatten einfallen. Und als drittes…, fällt mir nichts mehr ein.

Wen würden Sie modisch gerne mal beraten?

Politiker im Allgemeinen! Ich finde, Sie sind in der Regel langweilig angezogen. Wahrscheinlich liegt das daran, dass sie so volksnah wirken wollen. Sollte bei den Bürgern der Eindruck entstehen, dass da so ein Schnösel kommt, wäre das sicherlich nicht förderlich. Aber trotzdem: Sie sind oft eher weniger vorteilhaft angezogen.

Wie finden Sie Angela Merkels Garderobe?

Frau Merkel wiederum finde ich gar nicht schlecht angezogen. Dass was sie trägt, passt zu ihrem Job. Es ist ihrem Alter entsprechend, es sitzt perfekt, es ist seriös. Für einen Machtmenschen wie sie es ist, ist ihre Garderobe perfekt.

Was würden Sie nie anziehen?

Ich mache Sport, gehe Joggen und mache Krafttraining. Aber ich würde nie Sportklamotten tagsüber anziehen, wenn ich beispielsweise in ein Frankfurter Café gehe. Das geht gar nicht, da in Sporthose und Turnschuhen rumzuhängen.

Kann man denn Stil lernen?

Ich glaube, man lernt es mit der Zeit. Manche Menschen bekommen aufgrund ihrer Herkunft diesbezüglich schon früh etwas mit, andere müssen sich da erst reinarbeiten. Ich beispielsweise trage seit zehn Jahren nur noch Anzug. Klar, Stil ist auch eine Frage der finanziellen Mittel. Für einen Maßanzug sollte man schon mindestens 800 Euro einplanen. Ist er billiger, leidet schon die Qualität.

Machen Kleider Leute?

Ich habe mit Partnern gerade eine Aktion abgeschlossen. Wir haben zwölf Menschen an ihrem Arbeitsplatz fotografiert, die dort eigentlich keinen Anzug tragen: Einen Arbeiter bei der Müllabfuhr, einen Spargelstecher oder einen KFZ-Mechaniker. Es ging um Wertschätzung, Respekt und Würdigung dieser Berufe und der Menschen, die sie ausüben. Und das funktioniert sehr gut über diese maßgeschneiderte Kleidung, die sie auf den Fotos tragen.

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