Wenn kleine Seelen leiden

Mobbing-Experte: Jungs haben es schwerer

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Jungs wissen oft nicht, wie sie sich wehren sollen, wenn sie gemobbt werden.

Region Rhein-Main – Kinder können grausam sein. Mobbing auf dem Schulhof oder über digitale Medien kann kleine Seelen zerstören. Ein Experte warnt: Vor allem Jungen falle es oft schwer, sich zu wehren. Von Oliver Haas.

Wenn die Noten schlechter werden, Jungen nicht mehr schlafen können, oft krank sind oder morgens keinen Appetit haben, sollten Eltern hellhörig werden: Fieses Mobbing in Schule oder Kindergarten könnte der Grund sein. Laut Michael Bajorat, Fachtherapeut für Psychotherapie aus dem Kreis Offenbach fällt es vor allem kleinen Jungen sehr schwer, sich gegen Mobbing zur Wehr zu setzen. Denn: „Jungs ist klar, dass sie keine Gewalt anwenden dürfen, aber wissen dann oft nicht, wie sie sich verteidigen sollen.“

Den Täter laut anbrüllen

Das Dilmma: Sie würden zuviel aushalten und irgendwann explodieren sie doch. „Wenn die Faust raus geht, sehen die Lehrer das sofort und dann kriegt der Junge wieder Ärger, weil er gewalttätig geworden ist.“ Wichtig sei, das Jungen ernstgenommen werden und man ihnen HIlfe anbietet. „Es bringt nichts, dass man dem Jungen sagt: ,Wehr dich doch´. Allein kommt er aus der Situation nicht heraus. Väter oder Lehrer müssen dem Kind als Vorbild zeigen, wie das geht.“ Der Experte hielt zahlreiche Selbstbehauptungskurse für Jungen. Darin bestärkte er sie, auf ihre Gefühle zu achten und eben nicht zu lang mit einer Reaktion zu warten. „Wir haben viele defensive Haltungen geübt. Ich habe ihnen klar gemacht, dass man den Täter auch anbrüllen darf. Ein leises ,lass" das bitte" nutzt doch gar nichts!“ Wenn Jungen in einer Mobbing-Situation laut sind, dann werden auch andere in der der Umgebung darauf aufmerksam.

Mobbing kann schwere gesundheitliche Folgen haben

Eltern sollten bedenken, dass Mobbing für das Kind nachhaltige negative Wirkungen haben kann. „Dadurch können sich Depressionen und psychosomatische Krankheiten durch das gesamte Leben der Kinder ziehen“, warnt Bajorat.

Er sieht das Problem, dass die Grundschule vor allem auf die Bedürfnisse von Mädchen ausgerichtet sei. „Der Bewegungsdrang etwa kommt viel zu kurz. Still sitzen und ruhig arbeiten hingegen wird sehr stark gefördert, aber das entspricht einfach nicht dem Temperament vieler Jungs.“

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