Hartz-IV-Empfänger liegen doch den ganzen Tag im Bett

Dreieich - "Machen Sie doch das, was alle Hartz-IV-Empfänger machen - legen Sie sich wieder ins Bett!" Diesen Ausspruch von einem Mitarbeiter im Dietzenbach er Kreishaus wird Markus Blaas nicht vergessen. "Da ist man erst einmal sprachlos", sagt der Dreieicher. Von Norman Körtge

Ihn ärgert es, wie in der heftig umstrittenen TV-Doku-Soap "Die Sozialfahnder" Hartz-IV-Empfänger dargestellt werden (der EXTRA TIPP berichtete) und wie der Kreis Offenbach mit ihnen umgeht.

"Ich hätte viel lieber einen Job, als ständig zum Amt gehen und Papierkram erledigen zu müssen", sagt Markus Blaas. Der 39-jährige Hartz-IV-Empfänger sucht seit über einem Jahr Arbeit. Zu mehr als 50 Firmen hat der Betriebsschlosser Kontakt aufgenommen - bislang ohne Erfolg. Zeitweise hatte er einen Ein-Euro-Job beim Bauhof der Stadt Dreieich. Der handwerklich geschickte Dreieicher arbeitete in der Spielplatz-Kolonne. "Das hat mir Spaß gemacht", berichtet er. Gerne würde er als Hausmeister arbeiten.

Doch meist muss Blaas schauen, wie er mit Hartz IV mehr schlecht als recht über die Runden kommt. 301 Euro hat er im Monat für Essen, Strom, Verbrauchsmittel und Kleidung zur Verfügung. "Ende des Monats wird es manchmal verdammt eng mit dem Geld", erzählt er. Im Kühlschrank herrscht dann gähnende Leere.

Markus Blaas ist aber keiner, der nur über seine Situation klagt. "Ich will ja alles im guten regeln", sagt er. Doch nach vielfältigen Erfahrungen im Dietzenbacher Kreishaus fühlt er sich als Hartz-IV-Empfänger manchmal regelrecht gemobbt.  Mittlerweile weiß er, dass die Aussage "das Geld ist angewiesen" nicht gleichbedeutend ist mit "das Geld ist überwiesen". "Zum Glück habe ich eine verständnisvolle Vermieterin", berichtet Blass über verspätete Mietzahlungen. Gewöhnt hat er sich auch daran, dass er oft vergeblich nach Ansprechpartnern im Kreishaus sucht und wochenlang auf Rückrufe wartet. Warum er nicht einfach eine E-Mail schicke, wurde er schon von Sachbearbeitern gefragt. "Ich kann mir doch gar keinen Computer leisten", sagt Blaas kopfschüttelnd. Und das er versucht seine Nebenkosten zu senken, indem er für den Kauf einer energiesparenden Waschmaschine plädiert, wird schlicht ignoriert. "Und dann muss ich mir noch blöde Sprüche anhören", beklagt er.

Zu dem ganzen nötigen Papierkram den er erledigen, den Nachweisen die er abliefern und den Absprachen die er treffen muss, kommt bei dem 39-Jährigen dann auch noch immer das Gefühl hoch, dass er irgendetwas falsch machen könnte. Plötzlich ist er ein Betrüger. Und dann stehen die Sozialfahnder mit einem TV-Team vor der Tür... (siehe Kommentar Seite zwei)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare