Geschichten aus dem Zweiten Weltkrieg

Die Soldaten nicht vergessen

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Hobby-Militärhistoriker Tobias Goetz.

Klein-Zimmern - Tobias Götz recherchiert in Zimmern und Dieburg für eine Datenbank zum Zweiten Weltkrieg und hofft dabei auf die Hilfe der Einwohner. Von Jens Dörr

Der Familienvater aus Klein-Zimmern ist gerade einmal 37. Doch in Sachen Militärhistorie macht ihm so schnell keiner etwas vor. Nun arbeitet er an einem Werk, das wächst und gedeiht und „wohl auch in zehn Jahren noch nicht beendet“ sein wird: Götz trägt die Kriegsgeschichten der Zimmerner und Dieburger zusammen, denen bis heute auf den Friedhöfen gedacht wird, an die meist nur noch Namen auf Grabsteinen – sofern hier beerdigt – oder Gedenktafeln erinnern. 360 Personen aus Groß-Zimmern, 40 aus Klein-Zimmern und 400 aus Dieburg hat Götz ausfindig gemacht. Um den Werdegang möglichst vieler von ihnen zu skizzieren, wünscht er sich die Unterstützung der Nachfahren.

Spannendes Hobby

Vor elf Jahren durch die Frage angespornt, wo und wie sein Großvater den Krieg erlebte, vertiefte sich Götz mehr und mehr in beide Weltkriege, besonders aber in den Zweiten. „Mir geht es um die Aufarbeitung des einfachen Militarismus, ich betrachte rein die militärhistorische Seite“, sagt er. Stets betont er: „Ich erkläre immer erstmal, dass mein Interesse keinen ideologischen Hintergrund hat.“ Das haben ihm längst auch die öffentlichen Stellen, etwa die Kriminalpolizei, bescheinigt. Auch von Seiten des Staates findet Götz Unterstützung für sein spannendes Hobby.

In seinen Ausstellungen wird nichts verherrlicht, nichts banalisiert. Im Gegenteil: Eindringlich und abschreckend auch mit Blick auf heutige nationalsozialistische Umtriebe präsentieren sich die Schauen und tragen damit zur Sensibilisierung rund um das Thema bei.

Briefe an die Bürger

Neben Recherchen und Sammlungen bastelt Götz in seiner Freizeit nun an einer Datenbank gewaltiger Dimension – seit 2011 zu Dieburg, seit einem halben Jahr auch zu Groß- und Klein-Zimmern. „Angefangen hat es mit dem Fotografieren der Gedenktafel auf dem Friedhof“, schildert Götz. „Die auf der Tafel genannten Namen habe ich alphabetisch geordnet. Nach der Sortierung ging es in die Stadtarchive.“ In Dieburg fiel ihm die Recherche zunächst leichter, während er sich in Groß-Zimmern auf gut Glück durch zig Regale und Kisten voller Dokumente wühlte. Einmal monatlich nimmt er sich eigens dafür einen Tag Urlaub, verbringt zwischen sechs und sieben Stunden zwischen Bergen aus Akten. „Die Daten erfasse ich dann digital und ordne sie den Namen zu.“

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Seit drei Monaten schreibt der 37-Jährige nun fast wöchentlich bis zu 30 Briefe an Bürger aus Groß- und Klein Zimmern, die den gleichen Nachnamen tragen wie die gefallenen und vermissten Soldaten auf der Gedenktafel. Von ihnen erhofft er sich Unterstützung bei seiner Arbeit, die schon in ihrem jetzigen Zustand eingesehen werden kann. Auf die bisher 350 geschriebenen Briefe erhielt Götz derweil nur wenige Antworten. Ein großes Anliegen ist es dem Klein-Zimmerner daher, das Vertrauen zu stärken: „Die Daten werden exakt so behandelt, wie es sich die Nachfahren wünschen. Wer mit Tobias Götz Kontakt aufnehmen möchte, kann das per E-Mail an tober76@web.de oder telefonisch unter  (06071) 497877 tun.

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