Wo aus Heu Milch wird und sich das Schnitzel sauwohl fühlt

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Die Milchkühe auf dem Bad Homburger Lernbauernhof haben schon auf ihr Heu gewartet und wollen gefüttert werden.

Bad Homburg – Tiere anfassen und füttern – auf dem Lernbauernhof von Gerhard Maurer in Ober-Eschbach ist das erlaubt. Dort lernen Kinder, woher ihr Essen eigentlich kommt. Vormittags bietet der Landwirt Gruppenführungen an, nachmittags kümmert er sich um die Landwirtschaft. Von Ingrid Zöllner

Je nach Alter der Kinder fragt Gerhard Maurer das Wissen ab, bevor es in den Stall geht. Wo kommt die Milch her, wer legt die Eier und woher stammt das Schnitzel? An diesem Tag sind Jungen und Mädchen des Montessori-Kinderhauses der Anna-Schmidt-Schule in Frankfurt zu Gast. Die Drei- bis Sechsjährigen sind nicht auf den Kopf gefallen, sie wissen meist die Antworten auf seine Fragen. „Wozu brauchen wir Schafe?“, will Maurer wissen. „Für Wolle“, ertönt es prompt. Doch die Zeiten sind vorbei, in denen man Schafe wegen der Wolle gezüchtet hat. „Auch die Schafe werden heutzutage in erster Linie wegen ihres Fleisches gezüchtet“, klärt der 64-Jährige auf.

Bauer Gerhard Maurer erklärt den Kindern des Montessori-Kinderhauses aus Frankfurt, wie das Leben auf einem Bauernhof verläuft.

Dann geht es in den Stall, wo acht Kühe auf Stroh stehen. „Ihr dürft einen Heuballen nehmen und an die Kühe verteilen“, erlaubt er den Kleinen, die eifrig mit anpacken. Gloria, Annabell, Eva, Paula und die anderen warten schon aufs Heu und fressen es den Kindern auch aus der Hand. Auf Tafeln an der Wand steht neben dem Namen der Geburtstag der Kühe. In zwei Boxen daneben sind je drei Schweine untergebracht, die sich sichtlich sauwohl fühlen.

1998 kam die Idee des Lernbauernhofes auf. „Es gab eine zeitlang in Deutschland Milchseen, Butterberge und keiner wollte die Erzeugnisse. Da haben wir uns eine Alternative überlegt“, berichtet der Landwirt. Nach dem Umbau ging dieser im Jahr 2000 an den Start, unterstützt von einem Trägerverein, der dem Bauern die Grundsicherung bietet. Ein Aspekt für den Lernbauernhof war, dass immer weniger Kinder wissen, woher die Lebensmittel stammen. „Es gibt tatsächlich welche, die sagen mir, dass die Pommes von einem Fastfood-Restaurant kommen. Sie wissen nicht, dass der Ursprung eine Kartoffel ist“, erzählt Maurer.

Es gibt mehr als nur Kühe auf dem Hof

Während es früher mehr Kühe auf dem Hof gab, leben dort nun auch Pferde, Schafe, Hühner, Kaninchen und Bienen. Auf einem Demonstrationsfeld kann jeder sehen, was alles gesät wird und wie es aussieht. Je nach Alter werden auch die Landwirtschaftsmaschinen erklärt. Um einen kleinen Bauerngarten auf dem Gelände mit Kräuter-, Gemüse- und Blumenbeet kümmert sich der Naturschutzbund Ober-Eschbach.

Maurer zeigt den Kindern, wie man melkt, bevor er die Maschine ans Euter setzt. Rund 150 Liter Milch kommen am Tag zusammen, die eine Molkerei abnimmt. Mit staunenden Augen schauen die Kinder zu, wie die weiße Flüssigkeit durch Rohre direkt in einen Kessel fließt. Weiter geht es nach draußen. Die Schafe blöken den Kindern schon entgegen, die Hühner gackern laut. Drei frisch gelegte Eier kann der Bauer präsentieren und auch noch in drei Farben: Grün, weiß und braun. Anfassen ist natürlich erlaubt, ein Huhn lässt sich von den Kinderhänden streicheln. Zwischendurch erzählt der Bauer, wieso die drei Eier unterschiedliche Farben haben. Es hängt mit der Rasse zusammen. Und so streut er immer wieder Wissenswertes in die Erkundung des Bauernhofs.

Der Hof mit 32 Hektar Ackerbau und elf Hektar Grünland wurde erstmals 1648 erwähnt, seit 1958 liegt er am Ortsrand und direkt an der Regionalparkroute Rhein-Main. Infos: http://www.lernbauernhof-rhein-main.de.

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