Alte Mieter werden rausgeekelt

Mieter-Mobbing: Platz da, jetzt kommen die Reichen!

+
Häuserkampf mal anders: Frankfurt zieht immer mehr Menschen an. Durch die steigende Nachfrage explodieren die Mieten. Das kann sich nicht jeder leisten.

Frankfurt  – Die Nachfrage nach Wohnraum lässt Mieten in Frankfurt die Höhe schießen und lockt immer mehr Investoren an. Das Nachsehen haben Alt-Mieter, die sich nach einer Sanierung die Miete nicht mehr leisten können. Wer nicht mitzieht, wird zermürbt. Von Dirk Beutel 

Lesen Sie auch:

Mieter raus: Mieter der Wingertstraße werden rausgeekelt

Mieter in Frankfurt prangern Überbelegung an

Frankfurt verbietet Luxussanierung

Private Ferienwohnungen sind ab sofort illegal

Die Wohnungslage in Frankfurt bleibt angespannt. Und die Situation verschärft sich weiter. Alte Mietwohnungen werden zu teuren Eigentumswohnungen luxussaniert, die Mietpreise steigen in schwindelerregende Höhen oder die Wohnung wird gleich teuer als Eigentum verkauft. Das Nachsehen haben meist alteingesessene Mieter. Die, die dort seit Jahren ihren Lebensmittelpunkt haben. Aber wer Geld in die Hand nimmt und in das Betongold investiert, will am Ende nur eins, nämlich verdienen. „Luxussanierungen dürfen aber nicht missbraucht werden, denn Eigentum verpflichtet“, sagt die Bundestagsabgeordnete Ulli Nissen: „Viele Investoren, die eine Wohnung kaufen haben aber nur Augen für die Rendite. Man muss sogar schon Angst haben, wenn ein Mieter verstirbt, dass nicht schon die Geier vor der Tür lauern.“

Hier geht´s zum Kommentar:

"Nein zum Monopoly-Spiel!"

Die sogenannte Gentrifizierung  hat in Frankfurt zugenommen, das bestätigt auch Rolf Janßen, Geschäftsführer des Frankfurter Mieterschutzvereins: „Da hat die Politik lange Zeit geschlafen.“ Besonders im Fokus von Investoren: Nordend, Bornheim, Westend. Und um die Mieter loszuwerden ist den neuen Besitzern offenbar jedes Mittel zur Zermürbung recht: „Da werden Elektro- oder Telefonleitungen gekappt, Dächer abgedeckt – natürlich alles aus Versehen – oder plötzlich ziehen extrem laute Mieter in das Haus“, sagt Nissen. Ihr Rat: Entmietung öffentlich machen. „Das effektivste was Mieter machen können, die sich nicht von Investoren vertreiben lassen.“ So wie die etwa 30 Mietparteien, die sich in der Nachbarschaftsinitiative NBO (Nordend, Bornheim, Ostend) zusammengeschlossen haben und gegen Mietervertreibung ankämpfen wollen. Denn betroffen sind nicht nur Studenten und Rentner, dazu gehören auch Bürger aus der Mittelschicht. Die Politik versucht der Gentrifizierung entgegenzuwirken. Seit Donnerstag gilt die Mietpreisbremse, dazu kommt die Milieuschutzsatzung, die etwa bereits für Bockenheim beschlossen wurde. „Mit deren Hilfe möchten wir die angestammte Wohnbevölkerung vor Aufwertungs- und Verdrängungstendenzen schützen“, sagt Frankfurts Bürgermeister Olaf Cunitz.

Nikolaus Jung, Geschäftsführer von Haus und Grund Frankfurt hält dies aber für ein falsches Signal: „Wir sind auch gegen Verdrängung und für eine Durchmischung. Aber eine Milieuschutz-Satzung setzt keine Anreize für Investoren und es kommt zum Stillstand. Und in Frankfurt ist die Nachfrage nunmal sehr groß.“ Und eben diese Nachfrage sorge dafür, dass immer Menschen aus der Innenstadt an den Stadtrand ziehen, oder der Stadt sogar ganz den Rücken kehren müssten, wie Ulli Nissen befürchtet. „Es ist wichtig, dass ganz Frankfurt als angespannter Wohnungsmarkt definiert wird. Um das in den Griff zu bekommen, kann die Mietpreisbremse nur ein Schritt sein. Gefragt sind auch die Länder, denn nötig sind in erster Linie mehr Wohnungen, um die Wohnungsnot abzuschwächen.“

Mehr zum Thema

Kommentare