Michaela Wasemüller ist neue Leiterin in der JVA Preungesheim

Arbeitsplatz Frauengefängnis: Chefin hinter Schloss und Riegel

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Ein gewöhnlicher Schreibtisch an einem ungewöhnlichen Arbeitsplatz: Michaela Wasemüller ist für fast 300 weibliche Gefängnisinsassen verantwortlich. 

Frankfurt – Anwaltskanzlei und Gerichtssaal waren nicht ihr Ding. Stattdessen hat die Welt hinter Gittern und Stacheldraht die Juristin Michaela Wasemüller schon immer fasziniert. Seit dem 1.Juni ist die 41-Jährige die neue Leiterin im Frankfurter Frauengefängnis in Preungesheim. Von Dirk Beutel

Düstere Zellen, hohe Mauern und überall vergitterte Türen und Fenster. Arbeitsplatz Frauengefängnis. Das ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Doch was allgemein als grauer, hoffnungs- und trostloser Ort gilt, bedeutet für Michaela Wasemüller genau das Gegenteil: „Hier zu arbeiten ist sehr anregend und bunter als sich das viele vorstellen können.“

Seit dem 1. Juni ist die 41-Jährige die Chefin der Justizvollzugsanstalt III in Frankfurt-Preungesheim, die zentrale Vollzugseinrichtung in Hessen. Dort ist Platz für 381 Frauen, von denen 299 Plätze derzeit belegt sind. Schon während ihres Studiums hat Wasemüller die Arbeit hinter Gittern regelrecht angezogen. Neben ihren Studien zu diesem Thema engagierte sie sich ehrenamtlich als Vollzugshelferin und stellte für die weiblichen Häftlinge das Bindeglied zur Außenwelt dar. „Man unternimmt etwas mit den Frauen und unterhält sich über alltägliche Dinge des Lebens, so als ob es keine Mauern gäbe.“

Besuch bei Inhaftierten

Dieses Bindeglied ist Wasemüller auch heute noch. Die Gefängnisdirektorin ist kein unnahbares Phantom, das niemand außer den Verwaltungsmitarbeitern oder den Schließern zu Gesicht bekommt. Regelmäßig besucht die Juristin die Inhaftierten während der Freistunden im Gefängnishof und hat für die, die es wünschen ein offenes Ohr.

Frauen reagieren in Haft anders als Männer. Sie gehen mit ihrer Situation anders um, zeigen ihre Gefühle ohne Scham. „Sie suchen regelrecht den Austausch. Sie wollen von ihrem Kummer und ihren Ängsten erzählen“, sagt Wasemüller. Eine der häufigsten Sorgen sind die Kinder der Gefangenen und was ohne sie aus ihnen nun wird, wer sich um sie kümmert. Wasemüller: „Viele lassen ihren Emotionen freien Lauf, das ist bei Männern eher selten der Fall.“

Dicht an Gefangenen dran

Das hat man in Frankfurt schon früh erkannt. Deshalb gab es dort auch das erste Mutter-Kind-Heim in einem deutschen Gefängnis. Mittlerweile sind es zwei geworden.

„Wir versuchen so dicht an die Gefangenen zu kommen wie es geht“, sagt Wasemüller. Das ist nötig, auch um erfolgreiche Resozialisationsarbeit zu leisten. Neben dem pädagogischen, sozialen und psychologischen Dienst setzt man in der Preungesheimer Haftanstalt auf die beiden Ausbildungsberufe der Köchin und der Restaurantfachfrau.

„Ob Drogenabhängigkeit oder psychische Probleme, jeder hier hat seine eigene Geschichte und seine eigenen Bedürfnisse. Auf die wir versuchen so gut es geht, einzugehen. Und mit einem gelernten Beruf in der Tasche fällt der Sprung ins echte Leben wesentlich leichter.“

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