Der Comedy-Superstar rechnet mit der CSU und Trump ab

Michael Mittermeier: „Jeder Comedian braucht Haltung“

+
Michael Mittermeiers klarer Blick auf die Dinge: Ein Comedian muss das Absurde thematisieren.

Wenn Michael Mittermeier sich erstmal in Rage redet, ist er kaum zu stoppen. So auch Anfang April, als der EXTRA TIPP ihn zum Interview traf. Dabei ging es um Lügen, seine spezielle Beziehung zu Frankfurt und warum ein bisschen Dilettantismus gut ist. Von Axel Grysczyk.

Sie gelten als aufmerksamer Beobachter des Geschehens um sich herum und in der Welt. Was haben Sie denn in dieser Woche erlebt, worüber sie sich auf der Bühne lustig machen könnten?

Die Maut. Das läuft jahrelang dahin und jeder weiß, dass es schwachsinnig ist. Und vor einer Woche hieß es: Jetzt ist sie durch! Alle Politiker – auch die in der Koalition und der CSU, soweit das überhaupt Politiker sind – sagen, das Projekt ist unsinnig. Aber wir haben es endlich mal durchgezogen.

In unserer Rubrik „Besser nicht gesagt“ haben wir Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan gesperrt, weil sie so viele dumme Sachen sagen. Davor stand Horst Seehofer auf der Kippe. Überrascht?

Ach nee, der wird doch jetzt gerade so frauenfreundlich. Er hat gesagt, nur mit Angela Merkel können wir die Wahl gewinnen. Sie ist unser Trumpf! Dass ich das noch erleben durfte. Ich hatte eher gedacht, ich bin irgendwann 80 Jahre und dann findet man ein verschollenes Dokument von Horst Seehofer, in dem er mal einen positiven Satz über Angela Merkel gesagt hat.

Schon mal geschämt, ein Bayer zu sein?

Nein, noch nie. Natürlich bekommen wir die Regierungen, die wir verdienen, weil wir sie gewählt haben. Aber Bayern ist und bleibt ein schönes Land. Ich habe iranische Freunde: Die sagen auf der einen Seite ist die iranische Regierung, auf der anderen Seite gibt es da dieses wunderschöne Land. Man darf nie alle in einen Topf werfen, es sei denn es ist der Scheuer und der Dobrindt und der Söder und der Seehofer... Als Gott Weitsicht verteilt hat, saßen die Vier geknebelt und gefesselt im Keller und, tja... Egal, jetzt müssen sie eben ohne diese Gabe ran.

Ihr aktuelles Buch heißt „Die Welt für Anfänger“. Outet man sich da eigentlich als Dilettant, wenn man es sich kauft?

Nee. Es ist eine verkappte Autobiografie in Geschichten. Die Leser können von außen dem Komiker zuschauen, wie er zum ersten Mal mit der einen oder anderen Situation umgehen muss. Es ist kein Ratgeber, sondern es sind lustige Geschichten, die autobiografisch sind und darüber handeln, dass man irgendetwas irgendwann mal angefangen hat. Ein bisschen Dilettant darf man auch sein. Wenn’s zu perfekt ist, wird’s auch langweilig.

Das Programm, mit dem Sie zu uns kommen heißt „Wild“. Müssen wir wilder werden oder hat das keine tiefere Bedeutung?

Ich wollte einfach wieder auf die Bühne und wild improvisieren. Und ich hatte große Lust eine Clubtour zu spielen, und da habe ich bei den Vorbereitungen gedacht, „Wild“ passt auch gut als Titel. Ich finde es aber generell gut, das Wilde rauszulassen...

Wird es denn gerade spießiger bei uns?

Kann man so nicht sagen. Es ist alles vielmehr verschoben. Was ist zum Beispiel noch eine Lüge? Da landen wir zwangsläufig bei Donald Trump. Der sagt nach dem Giftgasangriff in Syrien, dass Obama daran Schuld ist, weil er nicht in den Bürgerkrieg eingegriffen hat. Und 2013 hatte er nach der damaligen Giftgasattacke getweetet: „Bloß nicht Syrien angreifen!“ Und das Schlimme dabei: Das verschwimmt einfach alles, die Lüge hat überhaupt keinen Stellenwert mehr.

Wie wichtig ist es da als Comedian Haltung zu haben?

Jeder Comedian braucht eine Haltung zu dem, was er auf der Bühne macht. Was ich gar nicht haben kann, sind diese konstruierten Dinge. Da sind Leute zehn Jahre nicht mehr in der U-Bahn gefahren und erzählen, was sich da in der Bahn abspielt. Das geht nicht. Und wenn’s politisch wird, dann braucht man auf jeden Fall Haltung. Mit dieser Neutraler-Beobachter-Nummer kommt man nicht aus.

Konservative Comedians gibt es wenige, oder?

Weil wenn’s gegen die Schwachen geht, wird’s ja auch schwierig. Es gibt sehr lustige Ausländerwitze, aber wenn ich sie mache, ist die Stoßrichtung klar. Jeder kennt meine Einstellung und Richtung. Grundsätzlich sollte man nicht nur einen Witz für ein paar Ho-Ho-Ho-Lacher machen. Das ist zu billig.

Ihre Art und wie Sie Ihren Humor präsentieren haben viele Ihrer Kollegen bewundert. Hat Sie das eigentlich genervt, dass in den 90ern alle so sein wollten wie Mittermeier?

Es hat mich geehrt. Dass die Form, die ich entwickelt habe und stark an Stand-Up-Comedy aus den USA und England angelehnt ist, in deutscher Sprache funktioniert, das war neu. Viele hatten das zuvor nicht geglaubt: Bei uns gab es bis dahin entweder Kabarett oder ein bisschen Humor. Dieser Spagat zwischen gesellschaftlichen Themen, Politik und einfach mal Spaß haben, dass das in deutscher Sprache geht, das hat viele begeistert. Ich nehme es als Kompliment, dass ich anscheinend viele Kollegen inspiriert habe.

Spielt bei den vielen Tourneen, die Sie im In- und Ausland gespielt haben, Frankfurt eine besondere Rolle?

Bei meiner Musiktournee Alive and Swingin’ (Anm.: mit Xavier Naidoo, Rea Garvey und Sasha) hatten wir unseren ersten und letzten Auftritt in der Jahrhunderthalle und bei „Zapped“ und „Back to life“ hatte ich jeweils den letzten Auftritt in Frankfurt. Ich liebe die Jahrhunderthalle. Wenn ich lese, wer schon alles da aufgetreten ist – das ist schon ein sehr erlauchter Ort. Und ich mag die Hessen. Bayern und die Hessen sind Dialektiker, die beide kein so gutes Deutsch sprechen. Das verbindet.

Mitmachen und Tickets gewinnen

Michael Mittermeier tritt am 9. Mai in der Jahrhunderthalle Frankfurt auf. Karten gibt es unter www.s-promotion.de und an allen bekannten Vorverkaufsstellen. Der EXTRA TIPP verlost dreimal zwei Tickets. Dafür bis Dienstag, 25. April, 14 Uhr, www.facebook.de/rheinmainextratipp liken und mitmachen oder das Formular hier ausfüllen. Viel Glück! 

Das Gewinnspiel ist beendet.

Keine Neuigkeiten und Gewinnspiele mehr verpassen? Dann einfach EXTRA TIPP-Fan auf Facebook werden!

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare