Das raten Groß, Möller, Hormel & Co

Diese Sportler wissen: So wird man Weltmeister!

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Der letzte Erfolg einer deutschen Fußballmannschaft bei einer Weltmeisterschaft: Die Spieler der deutschen Mannschaft drehen nach dem 1:0-Finalsieg gegen Argentinien bei der Fußball-Weltmeisterschaft am 8. Juli 1990 im Olympiastadion von Rom jubelnd eine Ehrenrunde (von links): Rudi Völler, Andreas Brehme, Jürgen Klinsmann, Pierre Littbarski mit dem WM-Pokal, Karlheinz Riedle, Thomas Berthold (verdeckt), Lothar Matthäus, Klaus Augenthaler und Jürgen Kohler.

Rio de Janeiro – Am Sonntag gilt es. Deutschland hat nach 24 Jahren wieder die ganz große Chance auf den Fußball-Weltmeistertitel. Im EXTRA TIPP verraten die ehemalige Weltmeister Michael Groß, Jörg Roßkopf, Claus Hormel und Andreas Möller worauf es jetzt ankommt. Von Dirk Beutel 

Weltmeister über 200 Meter Freistil, Weltmeister über 200 Meter Schmetterling und dazu zahlreiche Titel als Europameister und Olympiasieger: Michael Groß  weiß ohne Zweifel, wie man erfolgreich ist: „Ein Finale bei der Weltmeisterschaft ist das Schönste, was einem Sportler passieren kann. Es ist sogar ein befreiendes Gefühl, diesen Tag endlich erreicht zu haben, auf den man hintrainiert hat. Jetzt braucht die deutsche Mannschaft eine ausgeglichene Mischung aus Anspannung und Entspannung. Man benötigt einfach dieses Lampenfieber vor dem alles entscheidenden Spiel. Was zuviel Druck anrichten kann, hat man ja gegen Brasilien gesehen. Aber die deutsche Mannschaft ist absolut reif für den Titel, jetzt oder nie!“

Die Mischung stimmt

Das sieht der aktuelle Tischtennis-Bundestrainer Jörg Roßkopf  genauso : „Wir haben 1989 bei unserem WM-Titel ja nicht so viel Zeit gehabt, uns Gedanken machen zu können. Außerdem waren wir der Außenseiter mit wenig Erfahrung, das ist bei der deutschen Elf ganz anders. Der Mix aus jüngeren und erfahrenen Spielern wie Per Mertsacker und Miro Klose passt genau. Außerdem herrscht eine gute Stimmung in der Mannschaft und auf der Bank. Auch die Wasserträger helfen mit, feuern an und geben Tipps, das ist enorm wichtig“, sagt die Tischtennis-Legende, die 1989 zusammen mit Steffen Fetzner völlig überraschend den Weltmeister-Titel. Damals waren beide die jungen Wilden – ähnlich wie 1978, als die deutsche Handball-Nationalmannschaft ebenfalls überraschend im Finale der Weltmeisterschaft in Dänemark die UdSSR mit 20:19 besiegten.

Keine Einzelkämpfer, sondern Mannschaft

Der in Dreieich geborene Claus Hormel, feste Größe des TV Großwallstadt in den achtziger Jahren und mittlerweile Jugendkoordinator und Trainer der A-Jugend der HSG Hanau erinnert sich: „Ähnlich wie bei uns 1978 wurde sehr akribisch gearbeitet, viel Wert auf die Vorbereitung gelegt. Dafür war Vlado Stenzel bekannt. Jede Kleinigkeit wurde gesteuert und genau das sieht man auch bei der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Von der Unterbringung, der Anfahrt zum Stadion – alles wird akribisch geplant. Natürlich ist der Teamgeist entscheidend, dass alle an einem Strang ziehen. Das war auch unser Vorteil 1978 gegen die Russen, denn wir waren keine Einzelkämpfer, sondern eine Mannschaft. Noch heute treffen wir uns. Deshalb sind auch die Ersatzspieler, so wichtig. Unabhängig, ob sie nur für ein paar Minuten ins Spiel genommen werden oder gar nicht – der Kontakt untereinander muss immer da sein. Da ist kein Platz für Neid oder Frust. Das ist zwar nicht ganz einfach, weil jeder für sich selbst erfolgreich sein will. Aber da hat Joachim Löw  gut daran getan, nicht die besten Einzelspieler in die Mannschaft zu holen, sondern die, die in einer Gruppe funktionieren. Vom Grundsatz besitzen wir eine hohe Ballsicherheit, was sehr wichtig ist. In den ersten Spielen, außer gegen Portugal, hat mir ein wenig der direkte Zug zum Tor gefehlt, da wurden mehr Querpässe gespielt. Aber spätestens gegen Brasilien ist das kein Thema mehr.“

Franz Beckenbauer hat gratuliert

Einer, der beim letzten WM-Titel 1990 in Italien der deutschen Fußball-Nationalmannschaft dabei war, ist der ehemalige Mittelfeld-Star Andreas Möller. Er kennt das Gefühl vor einem Finale bei einer Weltmeisterschaft: „Vor so einem Spiel ist jeder Spieler hochkonzentriert. Du fieberst diesem Höhepunkt deiner Karriere entgegen. Da ist kein Platz für Nervosität, das ist Vorfreude pur. Wir hatten 1990 im Viertelfinale die Tschechoslowakei geschlagen, im Halbfinale die Engländer rausgeworfen und damit ein unheimliches Selbstvertrauen. Vor dem Finale hat Franz Beckenbauer eine unglaubliche Ansprache gehalten. Ich erinnere mich noch genau, als er in der Kabine gesagt hat: ‘Ihr seid so stark, wer soll euch schlagen? Die Argentinier tun es bestimmt nicht.’ So war es dann ja auch. Ich werde diese Momente nach dem Finale 1990 in Rom nie vergessen. Wir waren in der Kabine, da ist Franz Beckenbauer zu mir gekommen und hat den WM-Pokal in die Hand gedrückt. Ich war damals mit 22 Jahren der jüngste Spieler im Kader, der Franz hat mir das Du angeboten und gesagt: ‘So jung und hat schon diesen Pokal in der Hand.’ Das sind Gefühle, die du nie vergisst. Weltmeister, das ist das Größte im Fußball. Du schreibst Geschichte. Weltmeister bleibt man immer.“

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