Frankfurter sorgt sich um sein Handwerk

Messerschleifer Peter Abel sorgt für den richtigen Schliff

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Er bringt Klingen wieder auf Vordermann: Auch so ein mittelalterliches Trainingsschwert landet auf dem Arbeitstisch von Messerschleifer Peter Abel.

Frankfurt - Peter Abel weiß, wie man für die nötige Schärfe sorgt und er ist einer der letzten seiner Art im Rhein-Main-Gebiet: Der Messerschleifer kritisiert, dass sein Handwerk und der richtige Umgang mit Klingen verloren geht. Von Dirk Beutel

Auf seinem Arbeitstisch in seiner Messerschmiede und Schleiferei in der Bolongarostraße in Frankfurt-Höchst, die seit 1910 existiert, landen Säbel, Äxte, Taschenmesser, Sensen, Kneipchen, Küchenmesser. Der 68-Jährige erkennt sofort, ob eine Klinge etwas taugt. „Das spürt man“, sagt Abel. „Du nimmst den Stahl in die Hand, fühlst ihn und weißt schon: Das gibt einen ordentlichen Schnitt. Der schmeckt, wenn man ihn kurz anleckt.“ Wenn dann das Funkenbild an der Schleifscheibe noch aussieht wie ein Samtkissen, ist Peter Abel vom Material überzeugt. „Daran sieht man, was die Klinge taugt“. Doch wenn er von seinem Handwerk erzählt, vermischt sich stiller Kummer mit seiner Leidenschaft. „Mein Handwerk stirbt aus. Das wird es nicht mehr geben, weil die Arbeit keiner mehr bezahlt“, sagt Abel. Will man etwa ein Schwert komplett ausarbeiten, sitze er 14 Tage dran. Bezahlt wird meist nur ein symbolischer Betrag. Und: „Das ganze Fachwissen ist über die Jahre verloren gegangen. Es wird einfach nicht weitergegeben. Keiner weiß mehr, wie man mit einem Messer richtig umzugehen hat, oder wie man eine Klinge schont.“

Fachwissen auf 16 Quadratmeter Ladenfläche

Das gelte selbst für Metzger oder Köche, für die Messer eigentlich ein professionelles Handwerkszeug sein sollten. Stattdessen überschwemmen billige Klingen den Markt, die man nach Gebrauch eben mal in die Spülmaschine legt und mit der Zeit kaputt gehen. „Ich bekomme aber auch mal ein preisgünstiges Messer um die 60 Euro, da sieht man schon am Funkenbild, dass hier hochwertiger Stahl verarbeitet wurde. Das sind dann Klingen, die man auch weitervererben kann.“ Abel ist ein Original. Wenn es um sein Handwerk geht, spricht er Tacheles. Auf den 16 Quadratmetern Ladenfläche konzentriert sich geballtes Fachwissen und das gibt er gerne weiter. Seit 50 Jahren. Die Kunden wissen das zu schätzen. „Es geht doch im Grunde um einen Gegenstand, den ich ein Leben lang benutzen möchte. Da ist es doch nicht damit getan, dass ich irgendetwas von minderer Qualität verkaufe, nur damit die Kasse stimmt.“

So lange Abel noch Spaß hat, macht er weiter

Über seine Zukunft hat Abel seine Kundschaft schon ins Bild gesetzt. Schon mit 60 Jahren war klar, dass die Schleiferei ein Ende nimmt. Wenn der Körper nicht mehr mitmacht, will er zu seiner Tochter in den Westerwald ziehen und Frankfurt verlassen. Nur für seine Kunden will er dann freitags mit einem Anhänger auf dem Höchster Markt stehen und stumpfe Klingen auf Vordermann bringen. Abel: „Meine Augen werden schlechter, die Motorik stimmt nicht mehr so. Aber solange ich Spaß habe, mache ich natürlich weiter.“

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