Mehr Platz für Hühner macht Brötchen teurer

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Qualität hat seinen Preis: Klaus Nennhubers Brötchen werden teurer.

Region Rhein-Main – Brot und Brötchen beim Bäcker werden teurer. Daran führt offensichtlich kein Weg vorbei. Grund sind Ernteausfälle, gestiegene Kosten und Börsenspekulationen. Von Norman Körtge

Wir stehen mit dem Rücken an der Wand“, sagt Klaus Nennhuber, stellvertretender Innungsmeister des Bäckerinnungsverbandes Hessen. Mit „wir“ meint er die kleinen und mittelgroßen Bäckereien, die traditionell frühmorgens in den Backstuben vor Ort produzieren. Der Grund für die Sorgenfalten sind die gestiegenen und noch weiter steigenden Produktionskosten, die an die Kunden weiter gegeben werden müssen. „Spätestens zum Herbst müssen wir die Preise für Brot und Brötchen anheben. Ich schätzte um fünf Cent“, sagt der Groß-Zimmerner (Landkreis Darmstadt-Dieburg). Verbunden damit die Sorge, dass sich die Menschen auf die Suche nach billigeren Angeboten machen.

Die Gründe für die gestiegenen Produktionskosten sind vielfältig, berichtet Stefan Körber, Geschäftsführer des Bäckerinnungsverbandes Hessen mit Sitz in Königstein. Die Rohstoff- und Energiekosten machen jeweils 25 Prozent aus. 50 Prozent sind Lohnkosten. Und die Löhne sind zum März um zwei Prozent angehoben worden. Ein regelrechter Preistreiber sind hingegen die Spekulationen mit Getreide an der Börse. „Wir setzen uns schon seit längerem dafür ein, dass mit Grundnahrungsmitteln nicht spekuliert werden darf“, so Körber.

Eier-Engpass, weil Käfighaltung verboten ist

Dass dadurch der Markt teilweise unberechenbar wird, bestätigt auch Olaf Schütz von der Bäcker- und Konditorengenossenschaft Rhein-Main-Limburg, die für rund 400 Betriebe einkauft. Unabhängig davon hätte sich aber der Einkaufspreis für Eier verdoppelt. Hintergrund sei die Gesetzgebung der Europäischen Union, die die Käfighaltung von Legehennen verbietet. Dadurch sei ein Engpass entstanden, der den Preis nach oben treibt.

Aktuell hinzu gekommen ist, dass es durch den heftigen Kahlfrost im Februar Ernteausfälle beim Wintergetreide geben wird. „Es ist noch etwas zu früh um abschließend zu urteilen. Viele Kollegen haben die Entscheidung noch nicht getroffen, ob sie alles umpflügen oder auf Regen warten sollen. In der Hoffnung, dass sich die Pflanzen noch erholen“, berichtet Kreislandwirt Norbert Zöller aus dem Kreis Offenbach. Für Seligenstadt, wo er seinen Hof hat, schätzt er bislang, dass zehn Prozent der Ackerfläche betroffen ist. Wie sich das auf den Mehlpreis auswirken wird, wagt er nicht zu beurteilen.

Bäckermeister Klaus Nennhuber hofft indes, dass seine Kunden den Preis für echte Qualität zahlen. „Viele verwechseln Frische mit Qualität“, sagt er. Bei ihm in der Backstube werde mit Naturzutaten wirklich noch gebacken – bei den Discountern hingegen nur gebräunt. Nicht zuletzt schaffen die lokalen Bäcker Arbeits- und Ausbildungsplätze: Nennhuber arbeiten mit vier weiteren Bäckern in der Backstube, darunter ein Auszubildender. Im Laden selbst sind weitere fünf Angestellte.

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