Annahmestellen schießen aus dem Boden

Immer mehr junge Männer sind süchtig nach Sportwetten

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Ob im Internet oder im Wettbüro: Sportwetten können leicht zur Sucht werden.

Region Rhein-Main – Sportwetten sind Glücksspiele. Und immer mehr junge Männer sind süchtig. Die zahlreichen Wettbüros tragen zu der Entwicklung bei. Von Angelika Pöppel 

Sportwettenbüros gibt es an jeder Ecke und deshalb ist die Gefahr gerade für junge Männer so hoch: Denn das Wetten auf Spielergebnisse kann zur Sucht werden. Für viele ist das schon bitterer Ernst. „Die Zahl der Sportwetten-Süchtigen steigt kontinuierlich an – und alle gesellschaftlichen Schichten sind betroffen“, weiß Daniela Senger-Hoffmann von derhessischen Landesstelle für Suchtfragen in Frankfurt. Das Wettbüros scheinbar aus dem Boden schießen, beweise, dass immer mehr Menschen das Wetten exzessiv betreiben – die Nachfrage also sehr groß sei. Die schockierenden Erkenntnisse aus dem Spielbank-Glücksspiel seien auch auf die Sportwette übertragbar: „50 Prozent der Einnahmen generieren Spielbanken mit Süchtigen.“

Junge Männer sind besonders gefährdet

Der größte Anteil der Zocker tippe auf Fußballergebnisse. „Viele junge Männer glauben sich gut auszukennen“, sagt Senger-Hoffmann. Die Suchtgefahr ist hoch, wenn sie bereit sind, immer mehr Geld einzusetzen, soziale Kontakte vernachlässigen und viel freie Zeit opfern, weiß die Expertin.

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Rund zehn Prozent aller zwölf bis 18 Jährigen in Rheinland-Pfalz wetten regelmäßig. „Es gibt keine Studie, aber in Hessen ist das sicherlich ähnlich“, sagt Daniela Senger-Hoffmann. Die Zunahme von Glücksspielern hat die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in einer Studie zum Glücksspielverhalten bereits 2013 ermittelt. Die zweithöchste Zunahme verzeichnet die Sportwettenbranche, weiß Senger-Hoffmann. „Es wetten auch immer mehr Minderjährige, obwohl sie gesetzlich erst ab 18 Jahren überhaupt an Glücksspielen teilnehmen dürfen.“

Juristisch sind Sportwetten eine Grauzone

Juristisch befindet sich die Sportwettenbranche in einer Grauzone. „Die Sportwettenbüros dürften formell gar nicht existieren“, sagt die Sucht-Expertin. Schon seit Jahren sollen bundesweit 20 Konzessionen an Sportwettenanbieter vergeben werden. Doch die Reglementierung, die nicht durch Klagen gekippt werden kann, stellt die Ministerien vor große Probleme. „Die Büros wurden und werden trotzdem eröffnet – wartend auf die Erlaubnis.“ Auch wie viele Wettbüros es in den einzelnen Bundesländern geben soll, ist bereits festgelegt, aber noch nicht per Gesetz. Die Spanne reicht von 2400 Büros in Niedersachsen bis Thüringen mit 100. Hessen hat bisher noch keine Zahl bekannt gegeben. Für die Sucht-Expertin gilt: „Umso weniger, umso besser. Wenn junge Menschen an jeder Ecke ein Wettbüro finden, fällt automatisch die Hemmschwelle auch mal hineinzugehen.“ Da die Wettbüros immer mehr werden, befürchtet Senger-Hoffmann auch einen weiteren Anstieg der krankhaften Spieler. Denn die einfachen Wetten, können auf Dauer den finanziellen Ruin bedeuten. „Bei Schulden in Höhe von mehreren zehntausend Euro, gibt es für viele keinen Ausweg mehr.“ Das zeigt auch die Statistik: Glücksspiel-Süchtige seien stärker Selbstmord gefährdet.

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