Offenbacher Berufs-Brandbekämpfer werben für mehr weibliche Kollegen / Sporttest größte Hürde

Mehr Frauen sollen durchs Feuer

Die Feuerwehr Offenbach sucht nach weiblicher Verstärkung. Mehr Frauen sollen in der Brandbekämpfung beschäftigt werden. Vor allem stellt aber der Sporttest für viele ein Hindernis dar. Von Dirk Beutel

Offenbach – Leben retten, Brände bändigen, Opfer aus Notsituationen bergen: All das sind Aufgaben, die auch eine Frau bewältigen kann und muss. Doch noch zu selten entscheiden sich weibliche Jobsucher für den Beruf der Feuerwehrfrau. Das will die Berufsfeuerwehr in Offenbach ändern. „Warum sollten wir auf weibliches Potenzial verzichten“, fragt Uwe Sauer, leitender Branddirektor der Berufsfeuerwehr Offenbach. Denn auch die Brandbekämpfer spüren bereits die Auswirkungen des demografischen Wandels. Heißt: Es bewerben sich immer weniger Männer. „Und im Kampf um die guten Bewerber wollen wir uns breiter aufstellen, um unseren Nachwuchs zu sichern“, sagt Sauer.

Noch sind Frauen, die den Beruf Feuerwehrfrau ergreifen, selten. Wenn es nach Sauer geht, sollten sich mehr Frauen für den Job interessieren. Gerade für den mittleren feuerwehrtechnischen Dienst will seine Truppe verstärkt Frauen gewinnen – gemeinsam mit dem Projekt „Frauen stärken Offenbach“. Dazu kommt: Weibliche Einsatzkräfte bringen meist schon wichtige psychologische und soziale Fähigkeiten mit. „Gerade bei Opfern ist es manchmal etwas anderes, wenn sich eine Frau um sie kümmert“, sagt Sauer. Auch die Stressfestigkeit in den Leitstellen sei ein Pluspunkt, den viele Frauen haben.

Bisher arbeiten drei weibliche Einsatzkräfte in Offenbach. Birte Heß ist eine von ihnen. Die 27-Jährige kam als Quereinsteigerin nach Offenbach. Dort ist sie seit zwei Jahren. Sie schätzt vor allem den Zusammenhalt unter den Kollegen, die Kameradschaft. Unbedingte Voraussetzung für den Job ist neben einem Schulabschluss eine abgeschlossene handwerkliche oder technische Ausbildung, sagt sie. Heß studierte nach dem Abitur Sicherheit und Gefahrenabwehr in Magdeburg. „Technisches Verständnis und handwerkliche Begabung ist in unserem Beruf von Vorteil“, sagt Sauer. Die Ausbildung dauert 24 Monate. In dieser Zeit absolviert der Nachwuchs Grundlehrgänge, dazu kommt der DLRG-Rettungsschwimmer in Bronze, das Deutsche Sportabzeichen in Bronze, eine Ausbildung zum Rettungssanitäter und einen Lkw-Führerschein müssen die Bewerber auch machen. Die wahrscheinlich größte Hürde für weibliche Bewerber wird der Sporttest sein. „Die körperlichen Anforderungen sind hoch. Die Sportprüfung ist von der Sporthochschule Köln konzipiert worden und entspricht den Anforderungen eines Brandbekämpfers“, sagt Sauer. Der Test ist geschlechtergerecht: Körperliche Unterschiede zwischen Mann und Frau sollen keine Rolle spielen. Deshalb wurde der Sprint und Klimmzüge aus dem Test genommen. Grund: Männer haben in diesen Disziplinen wegen ihrer Beinlänge, der Gewichtsverteilung und der Armlänge Vorteile. Trotzdem: Eine Frau muss sich den Kraft-Ausdauer-Aufgaben stellen. Darunter sind 200 Meter Schwimmen und ein 3000-Meter-Lauf auf dem Programm, sowie das Ziehen einer 75 Kilo schweren Puppe über 60 Meter.

Wer Interesse an dem Beruf gefunden hat, dem rät Sauer, sich so früh wie möglich vorzubereiten. Wer sich vorab testen möchte, ob der Job etwas für ihn ist, hat am 1. November bei einem Workshop in der Offenbacher Edith-Stein-Schule zwischen acht und 18 Uhr die Gelegenheit. Mehr Infos unter www.offenbach.de.

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