Der Mega-Jumbo und die Geheim-Tests

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Die neue Boeing 747-8 rollt in die Halle. 

Region Rhein-Main – Als erste Airline der Welt gehört der Lufthansa jetzt eine Boeing 747-8. Am Mittwochvormittag wurde das längste Passagierflugzeug der Welt in Frankfurt empfangen. Schon 2010 gab es streng geheime Tests mit den Sitzen des Super-Fliegers. Von Julia Renner

Zu den brachialen Klängen der Kult-Band Nirvana und begleitet von einer Gruppe Trommler rollte der Jumbo in Halle fünf der Lufthansa Technik. Unzählige Fernsehkameras und Fotografen hielten das sogenannte Roll-In fest, insgesamt rund 1300 Gäste waren gekommen, um den Jet zu bestaunen. Und zu sehen gab es viel. Besonders begehrt: Das Cockpit. Kapitän Elmar Boje gab bereitwillig Auskunft über die technischen Neuerungen des Jets.

Noch mehr Fotos von der neuen Boeing 747-8 gibt es hier.

Wesentlich mehr Platz als das Cockpit bietet die First Class in der Flugzeug-Nase: Acht breite Sitze, ausfahrbar auf mehr als zwei Meter, mit Kissen, Decken und einem 17-Zoll-Bildschirm ausgestattet. Dazu gibt‘s Geräusch-reduzierende Kabinenvorhänge und einen Trittschallschutz im Fußboden. Dieser Luxus hat allerdings auch seinen Preis: Von Frankfurt nach Washington und zurück werden 9157 Euro in der ersten Klasse fällig. Zum Vergleich: In der Economy kostet der gleiche Flug etwa 732 Euro.

Völlig neue Sitze gibt es in der Business Class, die auf zwei Etagen verteilt ist. Seit 2007 hat die Lufthansa an einem neuen Konzept gearbeitet, verrät Christian Körfgen, Leiter des Produktmanagements. Im Jahr 2010 gab es dann die ersten Praxis-Tests – allerdings streng geheim. „Acht Wochen lang haben wir die Sitze auf Flügen zwischen Frankfurt und New York getestet“, sagt Körfgen. Die Sitze waren dabei verkleidet, es wurde darauf geachtet, dass keine Fotos gemacht wurden. Eigens rekrutierte Test-Crews waren deshalb an Bord. Mehr als 1300 Passagiere wurden nach den Flügen gefragt, was sie von Komfort und Bedienung der Sitze halten. Vom Ergebnis kann sich ab 1. Juni jeder überzeugen, der sich einen der 92 Business-Class-Plätze leisten kann. Doch auch in der Economy-Class sitzt es sich durchaus bequem – inklusive kleiner Bildschirme, die jeweils in den Rückenlehnen der 262 Sitzplätze angebracht sind.

Am 1. Juni wird der neue Jumbo zum ersten Linienflug abheben. Dann geht‘s nach Washington. Noch in diesem Jahr sollen vier weitere 747-8 ausgeliefert werden. Dann kommen mit Bangalore, Los Angeles, Chicago und Delhi weitere Ziele hinzu.

Bis zum ersten Start wird der Super-Flieger nicht ungenutzt in einem Hangar rumstehen. „Es wird noch eine elektronische Feinjustierung vorgenommen“, sagt Lufthansa-Sprecher Jan Bärwalde. Dabei wird etwa das Navigationssystem an Lufthansa-Standards angepasst. Geflogen wird auch. Allerdings nur kurze Strecken, wenn weitere Piloten für den Super-Flieger geschult werden.

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