Mediziner verdienen mehr

Psychotherapeuten klagen über schlechte Bezahlung

+

Region Rhein-Main – Depressionen, Burnout, Panikattacken – Psychotherapeuten werden gebraucht wie nie zuvor. Trotzdem bekommen sie viel weniger Geld als Mediziner. Eine Frankfurter Therapeutin packt nun aus, wie an der Seele gespart wird, während Ärzte gutes Geld verdienen. Von Christian Reinartz

Es ist Ariadne Sartorius’ Job, Verständnis zu haben. Die Frankfurter Psychotherapeutin hat sich auf Kinder und Jugendliche spezialisiert und ist im Vorstand des Bundesverbands der Vertragspychotherapeuten. Der Frau ist wenig fremd. Doch wenn es um die Honorare für Therapeuten geht, kommt sogar sie an ihre Grenze. „Kein Mensch kann verstehen, warum Mediziner viel besser bezahlt werden, als wir Psychotherapeuten.“Mediziner verdienen viel mehr

Ein Beispiel macht den Ärger von Sartorius und ihren Kollegen deutlich. Während ein Psychotherapeut als Selbstständiger mit eigener Praxis am Ende des Monats trotz Vollauslastung mit unter 2500 Euro netto nach Hause geht, bekämen niedergelassene Mediziner mit durchschnittlich gehender Praxis, so Sartorius, immer noch mehr Geld raus. „Das ist einfach ungerecht“, sagt Sartorius. „Als ob es weniger wert wäre, die Seele zu heilen, als einen gebrochen Fuß zu richten.“ Doch warum ist das Honorar für Psychotherapeuten überhaupt so niedrig angesetzt? Sartorius erklärt: Beim herkömmlichen Mediziner sei das anders. „Da werden je nach Erkrankung mitunter fünf bis sechs Patienten in der Stunde behandelt“, sagt Sartorius. „Wir können das nicht. Beim Psychotherapeuten dauert eine Sitzung immer 50 Minuten. Egal, welche Erkrankung jemand hat.“ Das hieße auch, sie könne nicht mal eben schneller arbeiten, um mehr Geld zu verdienen.

7500 Euro im Monat verdienen Psychotherapeuten

Um auf diesen Missstand hinzuweisen, veranstalten die Verbände der Psychotherapeuthen am Montag, 11. Mai, von 8.30 bis 9.55 Uhr im Kongresszentrum „Kap Europa“, Osloer Straße 5 in Frankfurt eine Demonstration.

Für eine Sitzung erhalten Therapeuten etwa 80 Euro von der Krankenkasse. Im Monat ein Umsatz von etwa 7500 Euro. „Davon geht aber die komplette Praxis inklusive Miete, Material und Versicherungen ab“, zählt Sartorius auf. Viele Kollegen haben am Ende des Monats nicht viel mehr als 2000 Euro zur Verfügung. „Nach einer zehnjährigen Ausbildung, die bis zu 25.000 Euro kostet, ist das zu wenig.“ Für den Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen aber offenbar nicht, denn der rechnet mit ganz anderen Stundenzahlen. „Die gehen immer davon aus, dass man hier pro Woche 35 Patienten durchschleifen“, sagt die Psychotherapeutin. Doch das ginge gar nicht. „Jede Sitzung braucht Vor- und Nachbereitung.“ Dazu komme die Abrechnung und die Führung der Praxis. „Eine Bürokraft kann sich doch fast keiner von uns leisten“, sagt Sartorius.

Krankenkassen seien schuld

Mehr als 25 Therapiesitzungen seien deshalb pro Woche von den meisten gar nicht zu schaffen. Bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) versucht man den Schwarzen Peter den Krankenkassen zuzuschieben. Sprecher Roland Stahl: „Grundsätzlich würden wir als KBV gerne die Finanzierung verstärken. Jedoch können wir das nicht alleine entscheiden. Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung reagiert hier jedoch leider sehr hartleibig. Die Krankenkassen machen ihren Versicherten ein unendliches Leistungsversprechen, stellen aber nur eine sehr begrenzte Menge an Geldmitteln zur Verfügung.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare