Wenn zwei sich zanken, muss das nicht vor Gericht enden

Mediation: Wenn es nach einem Streit nur Gewinner gibt!

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Wenn Emotionen im Spiel sind, können sich die Fronten bei einem Streit schnell verhärten. Aber bevor es gleich vor Gericht geht, könnte der Gang zum Mediator lohnen.

Region Rhein-Main – Wenn zwei sich streiten, landet die Sache oft erst beim Anwalt und schließlich vor Gericht. Das kostet viel Geld und Nerven für beide Seiten. Dabei könnte der Gang zum Mediator den Zwist erträglicher für Geldbeutel und Nerven machen. Von Oliver Haas

Ob Nachbar-Zank wegen zu lauter Musik, getrennte Ehepaare, die sich nicht einigen können, wer wie lange mit den Kindern in die Ferien fahren darf, bis zum zerrütteten Verhältnis zweier Geschäftspartner: Ein Streit, bei dem erst die Anwälte und dann das Gericht eingeschaltet werden, kostet viel Geld und Nerven.

Dabei wäre der Gang zum sogenannten Mediator die Alternative. Oft seien die Anwälte auch schon eingeschaltet. Aber laut Mediationsgesetz, das vor drei Jahren in Kraft getreten ist, müssen Anwälte ihre Mandanten darauf hinweisen, dass es auch diese Möglichkeit gibt.

Die Streithähne sollen selbst eine Lösung finden

Professor Roland Fritz ist seit zehn Jahren Mediator in Frankfurt und erklärt: „Ein Mediator ist ein neutraler Dritter, der zwei Streitparteien hilft, selbst eine Lösung zu finden.“ Entscheident sei, dass ein Mediator im Gegensatz zum Schlichter keinen Vorschlag macht. Vielmehr sorge er dafür, dass die Streithähne im Gespräch fair und konstruktiv miteinander umgehen. Auch eine Rechtsberatung findet nicht statt. „Meine Aufgabe ist dafür zu sorgen, dass beide ein gutes Gespräch führen. Sie dazu zu bringen, dass sie selbst eine Lösung finden.“ Erreicht werde diese mit einem sogenannten Phasenmodell. „Darin muss der Mediator rausfinden, was das eigentliche Streitthema ist. Worüber soll eine Einigung schlossen werden?“ Der entscheidende Unterschied zum Anwalt sei, dass der Mediator die Beziehung der Streitenden auch für die Zukunft im Blick behält.

Am Ende soll eine Win-Win-Situation stehen

„Die Erben, die sich streiten, bleiben Erben. Getrennte Ehepaare, die sich über Besuchszeiten nicht einigen können, bleiben lebenslang Eltern des Kindes.“ Geschäftsleute seien oft daran interessiert auch nach Ende des Streits weiter eine gute Beziehung zu haben. Landen die Fälle vor Gericht, ist dies anschließend oft schwierig. Denn dort entstehe immer ein Nullsummenspiel. Einer bekommt dann immer weniger als er wollte. „Durch die Mediation soll eine Win-Win-Situation geschaffen werden. Das heißt, jeder soll einen Vorteil davon haben. Der Kuchen soll vergrößert werden. Andere Dinge, die den Beteiligten wichtig sind, werden in die Debatte mit aufgenommen.“

Als Beispiel nennt er einen Streit zwischen Hausbesitzern und der Stadt Frankfurt. „Vor dem Haus sollte der Bürgersteig saniert werden. Rein rechtlich gesehen war es unstreitig, dass sich die Hausbesitzer an den Kosten beteiligen müssen. Doch die Sache landete trotzdem vor dem Richter.“ Dieser hat geahnt, dass da mehr dahinter steckt und zum Gespräch mit dem Mediator geraten. Dabei stellte sich heraus: „150 Meter vom Haus entfernt ist ein Spielplatz, den die Enkelin oft besucht. Und auf der vielbefahrenen Straße davor war kein Zebrastreifen.“ Dies habe die Hausbesitzer sehr geärgert: „Nach dem Motto: ,Für einen Bürgersteig hat die Stadt Geld, aber für den Zebrastreifen zum Schutz der Kinder ist kein Geld da.‘ Als die Stadt beim Mediatorgespräch den Zebrastreifen versprach, hätten die Hausbesitzer das Geld für den Bürgersteig am liebsten sofort auf den Tisch gelegt“, so Fritz.

Einigungsquote liegt bei 80 Prozent

Mediatoren werden zumeist stundenweise bezahlt. Das Honorar bewegt sich zwischen 150 und 300 Euro. Am kostengünstigsten ist eine Kurzzeitmediation: Statt in mehreren Sitzungen werden beiden Seiten kompakt in einem zusammenhängenden Verfahren durch alle Stufen der Mediation geführt. Dies dauert dann höchstens einen Tag.

Nicht jeder Konflikt eignet sich für eine Mediation. So etwa, wenn eine Seite ausschließlich dem anderen schaden will. Auch müssen alle Parteien einer Mediation zustimmen, damit dieser Weg eingeschlagen werden kann. „Natürlich kann auch nicht immer jedes Mediationsverfahren zum Erfolg führen“, so Fritz. Allerdings spricht er erfahrungsgemäß von einer 80-prozentigen Einigungsquote. Wer einen Mediator sucht, wird fündig unter www.mediator-finden.de.

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