Mit Nadel und Faden zum Erfolg

Eine Frau, die selten shoppen geht

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Maßschneiderin Aliki Hatzinasios bei der Arbeit an einem neuen Kleidungsstück.

Frankfurt-Westend – Aliki Hatzinasios ist eine der zehn besten Handwerksgesellen Frankfurts des vergangenen Jahres. Jetzt strebt die 25-jährige Maßschneiderin eine große Karriere an. Von Fabienne Seibel

Schon als Kind schaute Hatzinasios ihrer Oma begeistert beim Nähen zu. Für ihre Jahresarbeit in der Waldorfschule entwarf die heute 25-Jährige eine eigene Punk-Kollektion, die sie auch selbst nähte. „In dieser Zeit hat sich der Wunsch bei mir verfestigt, Maßschneiderin zu werden“, sagt Hatzinasios. Die gebürtige Wiesbadenerin zog für ihre Ausbildung nach Frankfurt: "Das war eine gute Entscheidung, hier gibt es viele Schneidereien und das Klientel ist noch da."

Ihre dreijährige Ausbildung zur Maßschneiderin für Damenmode schloss sie schließlich mit sehr gutem Ergebnis ab, sodass sie dafür im Frankfurter Römer geehrt wurde. Die Halbgriechin bewarb sich daraufhin erfolgreich bei der „Samstagsschule für begabte Handwerker“ der Handwerkskammer Frankfurt. Das Ziel der „Samstagsschule“ besteht in der Ausbildung von Schlüsselkompetenzen und der Vermittlung wichtiger Zusatzqualifikationen für junge Handwerker. „Bei der Samstagsschule haben wir einmal im Monat Seminare zu Themen wie Rhetorik, Kommunikation und auch BWL-Grundlagen", erzählt Hatzinasios. „Wir sollen damit an die Aufgabenbereiche einer Führungskraft herangeführt werden, damit wir uns später in unserem Beruf selbstständig machen können", ergänzt sie.

Genau das hat die Halbgriechin auch vor. Ab Ende Oktober macht sie in der Mode-Metropole Paris ein Praktikum, um sich noch weiter zu verbessern. „Das Praktikum bringt mich sicher noch ein ganzes Stück weiter, denn in Paris hat man in meinem Beruf zum Teil ganz andere Herangehensweisen und Techniken. Die will ich alle lernen", sagt die 25-Jährige. Damit jedoch nicht genug. „Nach dem Praktikum will ich meinen Meister machen. Dafür möchte ich gerne an die Deutsche Meisterschule in München, damit ich mich danach in Frankfurt selbstständig machen kann. Vielleicht reicht es ja sogar irgendwann für ein Atelier in einer Mode-Metropole", so die ehrgeizige Frankfurterin.

Keine Shopping-Touren

Um genügend Übung für ihre großen Ziele zu haben, näht sich Hatzinasios ihre Kleidung selbst. „So eine typische Shopping-Tour gibt es bei mir nicht. Ich bestelle mir meistens Stoffe und nähe daraus meine eigenen Klamotten. Im Moment arbeite ich an einem Wintermantel. Das ist ziemlich viel Arbeit, aber man muss sich ja steigern", erzählt die Schneiderin. Darüber hinaus empfiehlt sie jeder Frau, sich die eigene Kleidung von einer Schneiderin anfertigen zu lassen: „Da weiß man einfach hundertprozentig, dass alles sitzt. In Einzelanfertigungen bewegt man sich ganz anders, man ist stolzer und selbstbewusster und das trägt man auch nach außen." Genau das ist es auch, was der Halbgriechin an dem Beruf gefällt: „Es ist spannend, für jeden etwas Individuelles anzufertigen und am Ende zu sehen, wie gut es der betreffenden Person steht. Vor allem das Nähen von Sommer- und Abendkleidern macht mir Spaß, denn damit kann man Frauen zum Strahlen bringen." Außerdem genießt Hatzinasios den engen Kontakt zu den Menschen. „Als Maßschneiderin kommt man den Leuten zum Beispiel beim Vermessen und Anpassen der Kleidung sehr nahe. Für so enge Arbeit an und mit den Menschen kommen mir die Seminare der Samstagsschule auch zugute", ist sich Hatzinasios sicher.

Die Frankfurter könnten sich Hatzinasios zufolge in Sachen Mode mehr trauen. „Die Leute in Frankfurt haben einen sehr gediegenen Stil. Viele tragen aus beruflichen Gründen die klassischen Business-Outfits, aber ansonsten laufen eigentlich alle recht normal rum. Beim ein oder anderen könnte man da noch einiges in Sachen Outfit verbessern", meint die Maßschneiderin und grinst.

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