Im Interview:

Martin Fedler-Raupp ist der neue Dekan des Dekanats Kronberg

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Martin Fedler-Raupp in der evangelischen Kirche in Hochheim.

Taunus – Martin Fedler-Raupp ist der neue Dekan des Evangelischen Dekanats Kronberg . Seit vergangenem Freitag ist der 50-Jährige im Amt. Zuvor war er als Gemeindepfarrer elf Jahre in Kelsterbach und fünfeinhalb Jahre in Hochheim tätig. Von Norman Körtge

Die feierliche Amtseinführung durch Propst Sigurd Rink findet am Sonntag, 24. Februar, um 15 Uhr in der evangelischen Kirche in Flörsheim statt. Fedler-Raupp ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Im Interview spricht er über seine Aufgaben, den Glauben und Eintracht Frankfurt.

Was macht eigentlich ein Dekan?

Ein Dekan ist der Dienstvorgesetzte der Pfarrerinnen und Pfarrer. Das sind im Dekanat Kronberg 48 Personen. Zusammen mit dem Dekanatssynodalvorstand, vertreten durch Präses Peter Ruf, leitet er das Dekanat und vertritt die Kirchenleitung in der Region.

Das hört sich nach administrativen Aufgaben an. Bis Mittwoch waren sie Gemeindepfarrer. Was werden Sie vermissen?

Ich habe mich mit 50 Jahren dafür entschieden, noch einmal ein neues Aufgabenfeld wahrzunehmen. Es sind die Möglichkeiten der Zusammenarbeit und der Leitung, die mich reizen. Was mir fehlen wird, ist die Seelsorge an den Menschen in der Gemeinde. Aber auch im Dekane-Amt werde ich als Seelsorger gefragt sein.

Sie meinen die Seelsorge für die Pfarrerinnen und Pfarrer?

Genau das. Der Pfarrberuf bietet ein unglaublich weites Feld an Möglichkeiten. Die Versuchung ist groß, sich zu verzetteln. Das kann ein Grund dafür sein, wenn Pfarrpersonen unter ihrem Beruf leiden. Ich kenne keinen anderen Beruf, der so unterschiedliche Möglichkeiten bietet, mit Menschen in Kontakt zu kommen: Taufe, Konfirmation, die Arbeit mit jungen Erwachsenen, Familien, Senioren, die Begleitung von Trauernden. Und deshalb ist es wichtig, als Dekan die Kollegen so zu stützen, zu entlasten und zu fördern, dass sie ihren Dienst vor Ort sachgemäß wahrnehmen. Für mich heißt das im Wesentlichen da zu sein, zuzuhören und zu klären. Es geht darum, ein Gefühl für die richtigen Prioritäten zu entwickeln.

Wie sieht evangelische Kirche zwischen Main und Taunus aus?

Ganz spannend. Ich finde die vielen Möglichkeiten, die wir hier eröffnen, großartig. Ein Beispiel: Das Dekanat Kronberg ist der größte Anbieter von Jugendfreizeiten in der Region. Die Evangelische Kirche ist sehr präsent und orientiert sich an dem, was die Menschen brauchen. Dazu gehören die Familienbildung oder auch die Schwalbacher Tafel und Mehrgenerationenhäuser. Wir können das natürlich auch deshalb leisten, weil wir wirtschaftlich gut dastehen. Wir haben viele Möglichkeiten und mich beeindruckt es sehr, wie Kirchengemeinden und Pfarrpersonen diese vor Ort nutzen.

Was heißt Glaube heute?

Im Glauben geht es um die Frage der eigenen Lebensgewissheit: An welchen Maßstäben richtet ein Mensch sein Leben aus? Solche Maßstäbe können zum Beispiel der materielle Wohlstand, das Ansehen bei den Leuten, der eigene Erfolg oder welche Werte auch immer sein. Der christliche Glaube macht uns hier ein Angebot. Nämlich, dass es da einen Gott gibt, der jenseits der Realitäten und Unwägbarkeiten dieser Welt steht. Gott können wir nicht beweisen oder anfassen. Das aber ist sein Vorteil. Denn alles Beweisbare, alles Greifbare ist vergänglich. Gott aber bietet uns einen bleibenden Maßstab. In meinen 21 Jahren im Pfarramt habe ich wahrgenommen, dass Menschen gerade in Krisensituationen die Lebensgewissheit suchen, die Gott schenkt. Hierzu bietet unsere evangelische Kirche Raum, Möglichkeiten der Begegnung und zum Austausch von Lebens-Erfahrungen.

Und abseits von Krisen ?

Ich denke zum Beispiel an Taufgespräche mit jungen Eltern. Es entlastet sie, wenn sie hören, dass sie in der Erziehung ihrer Kinder nicht alleine gelassen werden. Der Glaube äußert sich hier als Vertrauen, das Menschen erleben. Das Gebet kann ihnen Entlastung schenken. Im Dekanat bieten wir Begleitung und Beratung – zum Beispiel durch die Familienbildung.

Was machen Sie in ihrer Freizeit?

Mein großes Faible – neben der Musik – ist die Frankfurter Eintracht. Seit 47 Jahren bin ich Fan. Als Sechsjähriger war ich zum ersten Mal im Waldstadion. Da waren noch Hecken um das Spielfeld. Jetzt schaffe ich es meist nur, die Spiele im Fernsehen zu schauen. Wenn es die Zeit zulässt, dann gehe ich mit meiner Frau Angelika aber gerne ins Stadion: Das ist dann für uns beide etwas Besonderes. Unsere Silberne Hochzeit haben wir vor einem Jahr in der Stadionkapelle gefeiert. Mein fußballerisches Highlight war das Europapokalfinale 1980 im Waldstadion, als wir Gladbach besiegt haben. Ich stand im Block F auf der Gegentribüne. Das sind Momente, die man nie vergisst.

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