Kontrolliert Einhaltung des Jugendschutzes

Pfarrer schaut beruflich Erotikfilme

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Eigentlich prüft Pfarrer Markus Buss für die Freiwillige Selbstkontrolle im Deutschen Filmhaus in Wiesbaden. Und nicht wie auf dem Foto in seinem Gemeindebüro. 

Mörfelden-Walldorf –Egal welche Produktion in Deutschland neu erscheint, sie wird als erstes von den Prüfern der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK) der Filmindustrie im Sinne des Jugendschutzes kontrolliert. Einer von ihnen ist Pfarrer Markus Buss aus Mörfelden.  Von Dirk Beutel

Sein erster Film war Krieg der Sterne. Damals im Dorfkino, mit zwölf Jahren. Heute ist Markus Buss längst erwachsen und evangelischer Pfarrer in Mörfelden. Aber seine Leidenschaft für Filme ist ungebrochen. Noch heute geht der 44-Jährige mit Vorliebe ins Kino. Aber nicht um den neuesten Blockbuster bei Popcorn und Cola zu genießen, sondern um konzentriert und mit kritischem Blick zu analysieren, zu bewerten. Streng nach den Vorgaben der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmindustrie und gemeinsam mit vier weiteren Prüfern.

Kino-Marathon von morgens bis nachts

Zwei Wochen im halben Jahr werden für Buss zu einem cineastischen Marathon. Dann werden jeden Tag von morgens bis in den Nachmittag hinein Filme, Trailer, Serien und Werbeclips begutachtet. Von der ersten Blende bis der Abspann zu Ende ist. Gleich im Anschluss kommt es zum Gespräch unter den Prüfern. Etwa 250 gibt es davon.

Gab es Gewaltszenen? Wie brutal waren sie? Wie wurde in schlüpfrigen Abschnitten mit Sex umgegangen? Wie wurde das Frauenbild dargestellt? Wurden Drogen verharmlost oder sogar verherrlicht? Orientiert sich der Stoff zu nah an der Realität, könnte dies für Jugendliche belastend wirken? „Gewisse Darstellungen dürfen nicht verrohend wirken. Oder zynisch und dadurch verniedlicht werden“, sagt Buss.

Zeigt Filme auch Konfirmanden

Natürlich haben die Produktionsfirmen Interesse daran, dass ihre Filme so niedrig wie möglich eingestuft werden, um sie einem größeren Publikum vorführen zu können. Das betrifft vor allem die Kategorie FSK 16 und zwölf. „Genauso groß ist die Herausforderung bei der Alterbeschränkung zwischen FSK null und sechs“, sagt Buss. „Es ist viel schwieriger einzuschätzen, was ein Film in einem so jungen Menschen an Ängsten auslösen könnte.“

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Seine Arbeit als Pfarrer und Filmprüfer stehen nicht im Kontrast. Im Gegenteil. Buss kombiniert sein Ehrenamt mit der Gemeindearbeit. Wenn sich ein Film gut eignet, führt er ihn seinen Konfirmanden vor. Dann wird wieder diskutiert. Über Werte, Identität. Themen, die für Jugendliche interessant sind. „Und Filme sind ein gutes Medium, um ins Gespräch zu kommen“, sagt Buss.

Auch Erotikfilme müssen geprüft werden

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Auch Erotikfilme müssen geprüft werden. „Ich bin immer froh, wenn ich das nicht unbedingt machen muss“, sagt Buss: „Aber da muss man durch.“ Schließlich dürfe sich ein Pfarrer nicht der Realität verschließen. Das gilt im Übrigen ebenso für Eltern. „Viele verwechseln die Bewertungen der FSK. Es handelt sich hierbei nur um Empfehlungen, die sich nach den Kriterien des Jugendschutzes richten“, sagt Buss. Was ihre Kinder sehen, dafür sollten die Eltern selbst die Verantwortung übernehmen. Buss: „Sie müssen die Zeit investieren und sich dafür interessieren, was ihre Kinder sehen.“

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