Mehr als 4000 Bewerbungen jährlich

Verantwortung für Menschenleben: Der Beruf des Fluglotsen 

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Den Radar fest im Blick: Fluglotsen überwachen alle Flugbewegungen im deutschen Luftraum. 

Region Rhein-Main – Mehr als 4000 Bewerbungen gehen jährlich bei der Akademie der Deutschen Flugsicherung in Langen ein, doch nur fünf Prozent schaffen die Tests und können Fluglotse werden. Der Azubi Marco Platzke gibt Einblick in den Beruf, in dem man Verantwortung für hunderte Menschenleben trägt. Von Julia Renner

Zweimal hat der 19-Jährige bisher selbst in einem Flugzeug gesessen. Dass er nun trotzdem auf dem Weg zum Fluglotsen ist, hat er einem Freund zu verdanken, der ihn auf den Beruf aufmerksam machte. Der Stuttgarter bewarb sich, machte Tests Zuhause und fuhr für eine Reihe weiterer Tests ins Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt nach Hamburg – und bekam schließlich einen Ausbildungsvertrag.

Marco Platzke

Wer den unterzeichnen will, muss allerdings eine Reihe von Fähigkeiten mitbringen: räumliches Vorstellungsvermögen, Merk- und Konzentrationsfähigkeit, Stressresistenz, Team- und Entscheidungsfähigkeit und mathematisches Verständnis. „Abstriche können wir nicht machen, die Bewerber müssen alles können“, sagt Heike Lenort, bei der Akademie zuständig für Personalmarketing. Auch Abitur und Englischkenntnisse sind Voraussetzung.

Marco Platzke hat alle diese Fähigkeiten. Im August 2011 ging es für ihn los, zunächst mit 19 Wochen Grundausbildung. „Das war fast nur Theorie“, sagt er. Neben Flugzeugkunde auch Meteorologie, Navigation und Gesetzgebung. Dann geht es los mit praktischen Übungen. Im Simulator werden alle erdenklichen Situationen durchgespielt – in unterschiedlichen Lufträumen und mit unterschiedlich starkem Verkehrsaufkommen. Platzke sitzt fast nur noch am Simulator, in einem halben Jahr steht seine Abschlussprüfung an. Bis dahin heißt es für den 19-Jährigen: Lernen. „Das ist nichts für faule Leute“, sagt er. Etliche englische Standard-Sätze im Umgang mit den Piloten und 156 verschiedene Flugzeugtypen inklusive deren Eigenschaften und Besonderheiten sind nur zwei der Dinge, die er wissen muss, wenn er später als Center-Lotse zum Einsatz kommt.

Dass er damit auch einen Job mit sehr großer Verantwortung hat, weiß Marco Platzke. „Darauf werden wir auch vorbereitet.“ Man mache seine Sache so gut wie möglich, sagt er. Und das immer voll konzentriert.

Dafür ist die Bezahlung auch entsprechend hoch. In einem halben Jahr, wenn Platzke nach der Prüfung „Training on the Job“ an seinem späteren Einsatzort macht, wird er bereits zwischen 3300 und 4800 Euro brutto verdienen. Sobald er voll ausgebildet ist, werden es zwischen 5800 und 8100 Euro sein. „Nacht- und Feiertagszuschläge kommen dann noch hinzu“, sagt Heike Lenort.

Damit sie trotz Ansehen, großem Verdienst und viel Verantwortung nicht abheben, sagt Platzke, lernen sie auch etwas anderes in der Akademie: Die Nase nicht zu hoch zu tragen.

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