Ansturm auf Betreuungsplätze

Taunus-Kitas voll: Kommunen in Not

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Nichts geht mehr: Die Kitas im Main-Taunus-Kreis sind gerappelt voll. Die Kommunen können die Versorgunglücken nur dürftig stopfen.

Main-Taunus-Kreis  – Bangen um den Kita-Platz: Im Main-Taunus-Kreis ist das bittere Realität. Die Kommunen kommen mit der Nachfrage nach Betreuungsplätzen nicht hinterher. Von Dirk Beutel 

Notstand bei in den Kindertagesstätten im Main-Taunus-Kreis. Trotz intensiver Bemühungen werden einige Kommunen dem Ansturm nicht Herr. Und das wird nun zum Problem für die dort lebenden Familien.

Beispiel Schwalbach. Nach Angaben der Stadt sind derzeit zwar alle Kinder, die einen Platz benötigen untergebracht. Genauer: 520 Kinder verteilen sich auf zwei städtische, vier konfessionelle und zwei private Einrichtungen. Doch die nächste Kinder-Welle rollt schon an. Spätestens wenn die Sommerferien beginnen, gibt es für mindestens 45 Kinder keinen Platz in Schwalbach.

Doch wie konnte es überhaupt zu der Unterversorgung kommen? „Gründe hierfür sind für viele Eltern die Notwendigkeit oder der Wunsch nach beiderseitiger Berufstätigkeit sowie der generelle Zuzug junger Doppelverdiener-Familien“, sagt Gabriele Straka, Amtsleiterin des Schwalbacher Sozial- und Jugendamtes. Doch nicht nur der Zuzug sorgt für mehr Kinderlachen in den Kitas, sondern auch der Standort als attraktiver Arbeitgeber. Tatsächlich sind dort mit Procter und Gamble, Samsung, Continental oder Dow Chemical, eine der größten Chemiefirmen der Welt, einige Großunternehmen beheimatet.

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Nur leben deren Arbeitnehmer nicht zwangsläufig alle in Schwalbach, doch nicht wenige geben ihre Kinder in der Taunus-Stadt zur Betreuung. Gabriele Straka bestätigt: „Das ist eine Konsequenz daraus, dass wir ein florierendes Gebiet sind. Doch auch die Nachbarkommunen stoßen mittlerweile an ihre Grenzen.“

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In der Tat: Auch die direkten Nachbarn Bad Soden und Eschborn, das sogar mehr Arbeitsplätze als Einwohner zählt, können die Nachfrage an Kinderbetreuungsplätzen nicht bedienen. In der Kurstadt fehlen für Kinder unter drei Jahren 30 Plätze, für Kinder zwischen drei und sechs Jahren sogar 50. Hauptgrund dafür sind die starken und „nicht vorhersehbaren“ Zuzüge. „Außerdem gab es im U3-Bereich bei den Tagesmüttern rückläufige Zahlen“, sagt Stadt-Sprecher Wolfgang Heidecke: „Meistens konnte aber zum Schuljahresanfang jeder Bedarf erfüllt werden.“ Trotzdem will die Stadt nachrüsten und plant 60 zusätzliche Plätze für Kinder unter drei Jahren. Nicht viel besser stellt sich die Situation in Eschborn dar. Während dort für Drei- bis Sechsjährige 17 Plätze fehlen, sind es im U3-Bereich ganze 50 Plätze.

Zumindest Schwalbach will auch die Nachbarkommunen in die Pflicht nehmen. Straka: „Wir verweisen auf das Umland wie etwa Frankfurt, wenn Eltern dort ihrem Beruf nachgehen und es möglich ist, das Kind dort hinzubringen.“

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