Für den Dieburger Harald Fester ist der Frankfurter Hauptfriedhof nicht nur am Totensonntag interessant

Manchmal so spannend wie ein Kriminalroman

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Faszination Friedhof: Eines von zahlreichen Fotos auf der Internetseite von Harald Fester.

Dieburg/Frankfurt – Früher ging Harald Fester auf den Frankfurter Hauptfriedhof, um zu trauern und um die Gräber seiner Großeltern und seines Vaters zu pflegen. Aber dann merkte der Dieburger, dass der Friedhof mehr ist als ein Ort der Trauer. Er bietet auch viel fürs Auge, ist kultur-historisch wichtig. Fester begann zu fotografieren und zu recherchieren. Mittlerweile betreibt er die offizielle Internetseite des Hauptfriedhofs. Von Norman Körtge

Manchmal ist die Recherche auf dem Frankfurter Hauptfriedhof so spannend wie ein Kriminalroman. Harald Fester weiß wovon er spricht. Der 67-Jährige aus Dieburg füttert die von ihm betriebene Homepage des Frankfurter Hauptfriedhof beständig mit neuen Fotos und Informationen. Deshalb wendete sich eine Rodgauerin, die den historischen Kriminalroman „Die Farbe von Kristall“ von Nicola Hahn gelesen hatte, an ihn. Sie wollte wissen, wo der Frankfurter Klavierhändler Lichtenstein, dessen Mordfall aus dem Jahr 1904 in dem Roman beschrieben wird, beigesetzt ist. Damit war Festers Spürsinn und der seiner befreundeten Helfer geweckt. Alte Aufzeichnungen wurden gewälzt und schließlich die mittlerweile abgeräumte Grabstelle lokalisiert. Außerdem wurden Zeichnungen gefunden, wie das Grabdenkmal ausgesehen hat. Ob dies noch irgendwo auf dem Friedhof steht, ist noch eine ungeklärte Frage. Eine von vielen, auf die der Dieburger immer wieder trifft.

Es ist diese Neugier und der damit verbundene detektivische Spürsinn, der Harald Fester schon in seinem erlernten Beruf als Rundfunk- und Fernsehtechniker half: Fehler suchen und das Problem beheben.

Harald Fester fotografiert nicht nur. Er hat sich auch viel Wissen über den Frankfurter Hauptfriedhof angeeignet.

Ein Vorfall vor dem Alten Portal an der Eckenheimer Landstraße brachte ihn auf die Idee mit der Internetseite. Ein Autofahrer aus Hannover hatte eine Panne, doch der ADAC fand ihn nicht, da er irrtümlicherweise das Alte Portal für den Haupteingang gehalten hatte. Fester mit seinen Ortskenntnissen löste das Problem. Abends setzte sich der Dieburger an den Computer. Er suchte Informationen zum Frankfurter Hauptfriedhof. Er wollte wissen, wie viele Eingänge der Friedhof überhaupt hat. Im Internet fand er nichts. Das wollte Fester ändern.

Er begann zu recherchieren, sammelte Informationen machte Fotos und stellte sie ins Internet. Im April 2004 sicherte er sich die noch nicht vergebene Internet-Domain www.frankfurter-hauptfriedhof.de und zog mit seinem bis dahin gesammelten Material auf die neue Seite um.

Es ist mir einfach wichtig, diesen Ort mit seinem kultur-historischen Wert zu bewahren“, erzählt er. Ein wichtiger Schritt dafür sei, alles zu dokumentieren und hebt die Bedeutung hervor: „Es gibt wenige Stellen in Frankfurt, wo Besucher diese Ansammlung an historischen, künstlerischen und menschlichen Spuren finden.“

Auch der umfangreiche Eintrag vom Frankfurter Hauptfriedhof im Internet-Lexikon Wikipedia hat der Dieburger angefertigt.

Die Recherche zu Lichtensteins Grab, mehr Lesestoff und Bilder unter www.frankfurter-hauptfriedhof.de

Sein Anspruch ist deshalb mehr, als nur schöne Fotos ins Internet zu stellen. Durch die Bekanntschaft zu Fachleuten der Frankfurter Historie erfuhr er viele Geschichten, suchte die Gräber berühmter Menschen auf und legte Listen darüber an. All das und noch viel mehr, ist auf seiner Internetseite zu finden.

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