Zimmerservice, Minibar und Technik:

Kliniken der Region locken Privatpatienten mit Luxus

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Nicht nur die Patientenzimmer auf der psychosomatischen Station der Main-Taunus-Privatklinik bieten Luxus pur, auch herkömmliche Kliniken bieten Komfortstationen an.

Offenbach/ Frankfurt/ Taunus – Ein Aufenthalt im Krankenhaus ist nie erfreulich, doch Privatpatienten könnten das anders sehen. Denn die Klinken der Region haben aufgestockt – mit Luxus-Angeboten, wie im Wellnesshotel. Damit sich zahlende Kunden wohl fühlen.

Echtholzparkett in edlen Brauntönen, Edelholzschränke, DVD-Player, Plasma-TV und sogar eine eigene Minibar: Nein, das ist nicht die Beschreibung eines Luxushotel-Zimmers, sondern eines Patientenzimmers in der Main-Taunus-Privatklinik. Wer hier „wohnt“, ist privat versichert. Die Verpflegung in dem privaten Haus der Main-Taunus-Kliniken ist exklusiv und wechselt wöchentlich, abends kann auch à la Carte gegessen werden. Annehmlichkeiten wie Housekeeping, Wäscheservice, die tägliche Zeitung ans elektrisch verstellbare Bett sowie Kaffee und Kuchen am Nachmittag sollen vergessen lassen, dass der Patient in einer Klinik ist. Das haben sich die Main-Taunus-Kliniken 2009 ganze 18,5 Millionen Euro kosten lassen. Und aus eigener Tasche bezahlt: „Für private Einrichtungen bekommen wir keine Fördermittel vom Land“, sagt Klinik-Sprecherin Claudia Planz.

Knapp 90 Betten auf Komfortstation in Offenbach

Die immensen Ausgaben scheinen sich generell zu lohnen. Aber nicht in Offenbach: „Mit Wahlleistungsstationen können keine Krankenhäuser gefüllt werden“, sagt Hans-Jürgen Heck, Pressesprecher des Sana Klinikums in Offenbach. Jede Operation kostet eine Pauschale – der Blinddarm exakt 2554 Euro. „Da ist es völlig egal, ob Patienten drei oder fünf Tage bleiben.“ Auf der Komfortstation im Sana Klinikum zahlen Privatpatienten für ein Einzelzimmer allerdings am Tag 118,15 Euro zusätzlich. „Insgesamt gibt es auf den drei Wahlleistungsstationen knapp 90 Betten, die allerdings nicht immer alle belegt sind, da Offenbach nicht so viele Privatpatienten hat wie Kliniken in anderen Regionen“, sagt Heck. Obwohl das Offenbacher Klinikum mit einer der größten Notaufnahmen in der Region jährlich rund 60.000 Patienten verarztet, lägen die Komfortleistungen im Promillebereich, so Heck.

In Frankfurt sind auch ausländische Gäste gerne gesehen

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"Wenn Luxus, dann für alle"

In Frankfurt dagegen sind die Luxus-Zimmer beliebt. Deshalb hat auch das Krankenhaus Nordwest im Zuge der Sanierung Ende 2013 eine Komfortstation im zehnten Stock eröffnet – inklusive Skyline-Blick. Hier wird zusätzlich auf ausländischen Besuch gesetzt. Vor allem gutbetuchte Patienten aus den arabischen Ländern oder Russland schätzen die 23 Quadratmeter großen Einzelzimmer oder die Doppelzimmer, in denen die Angehörigen gleich mit übernachten können. Das Fernsehangebot ist deshalb international, genauso wie die geschulten Servicekräfte aus der Hotelbranche. „Die Auslastung der Privatstation ist sehr gut“, bestätigt Pressesprecherin Doreen Stubenrauch.

Bilder der Komfortstationen der Region

Kliniken der Region: Das bieten die privaten Komfortstationen

Auch das Klinikum Höchst bringt ihre Privatpatienten in speziellen Stationen unter, die teilweise 2008 renoviert wurden. Neben allen Vorzügen wird hier das Essen sogar auf original Höchster Porzellan serviert. Das Einzelzimmer kostet täglich bis zu 108, 83 Euro.

Ansprüche der Patienten generell gestiegen

Das Frankfurter Bürgerhospital verfügt nicht über eine reine Privatstation, bietet aber auch Zimmer mit Hotel-Charakter. Man wolle bewusst Kassen- und Privatpatienten nicht trennen. „Die Zimmer entsprechen den Vorgaben der Krankenkassen“, sagt Pressesprecherin Christiane Grundmann. Im Agaplesion Markus und Bethanien Krankenhaus gibt es ebenfalls spezielle Komfortzimmer für 110 bis 150 Euro Aufpreis.

Nicht nur reiche Ausländer, auch Kassenversicherte sind bereit, für medizinische Versorgung im Hotelambiente draufzulegen. „Die Ansprüche sind gestiegen. Professoren werden genau ausgewählt und Häuser vorher genau angeschaut“, sagt Hans-Jürgen Heck, Pressesprecher des Sana Klinikums. Er stellt aber klar: „Auch Privatpatienten werden nicht mit goldenem OP-Besteck operiert und bekommen kein besseres Narkosemittel.“

pöp

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