Cyriax: „Wir dürfen nicht jammern“

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Michael Cyriax

Hofheim – Michael Cyriax, Landrat des Main-Taunus-Kreises, wurde jetzt zum stellvertretenden Aufsichtsratsvorsitzenden der FrankfurtRheinMain GmbH (FRM) gewählt, die die Region international vermarkten möchte. Was er sich für die Amtszeit vornimmt, erzählt er im EXTRA-TIPP-Interview.

Seit vergangener Woche sind Sie stellvertretender Vorsitzender im Aufsichtsrat der FrankfurtRheinMain GmbH. Was möchten Sie ganz persönlich in diesem Amt bewirken?

Einen Beitrag leisten, Kräfte zusammenzuführen und das Bild der Region weiter zu verbessern – sowohl nach innen als auch nach außen. Vor allem müssen wir darauf achten, unsere Kräfte und Gelder effizient einzusetzen. Die FRM und ihre engagierten Mitarbeiter leisten eine sehr gute Arbeit, aber in der Feinsteuerung können wir im Standortmarketing bei der Kooperation mit den Kommunen und der Wirtschaft sicher noch das eine oder andere optimieren.

Frankfurts Oberbürgermeister hat angekündigt, ein „Konzept zur nachhaltigen Entwicklung von Prosperität“ zu entwickeln: Ist das nicht sehr schwierig in wirtschaftlich schlechten Zeiten, in denen aktuell zahllose Arbeitnehmer von Großkonzernen in der Region um ihre Arbeitsplätze fürchten wie bei Neckermann, Vodafone oder Opel?

Nur weil etwas schwierig ist, ist es nicht sinnlos. Wir dürfen nicht jammern, sondern müssen uns Gedanken machen, wie die Region attraktiv bleibt. Denn das sichert hier auch Arbeitsplätze. Die Lage in der Region ist im Vergleich zu vielen anderen Orten in Deutschland hervorragend, unsere Arbeitslosenquote deutlich niedriger. Trotz mancher Nachrichten aus einzelnen Branchen oder Unternehmen: Die Region Frankfurt/Rhein-Main boomt.

Eben diese Unternehmen hatten stets Anteil daran, dass auch andere internationale Firmen ihren Sitz in die Region verlegt haben. Geht durch Pleiten und Krisen dieser Global Player nicht auch ein Stück Internationalität verloren?

Frankfurt/Rhein-Main ist zum Glück nicht von einer einzigen Firma und von einer einzigen Branche abhängig. Finanzwesen, Logistik, Informationstechnologie, Automotive, Wissenschaft und auch der Tourismus: Wir haben mehrere Standbeine mit entsprechenden internationalen Vernetzungen. Und der Standort hat Qualitäten, die ausländische Unternehmen überzeugen und die Krisen in einzelnen Bereichen überdauern. Allein schon unsere zentrale Lage in Deutschland und Europa oder die Bekanntheit Frankfurts in aller Welt: Das kann uns keiner nehmen.

Wie gut ist die Zusammenarbeit zwischen der Großstadt Frankfurt und den kleineren Gesellschaftern der FrankfurtRheinMain GmbH?

Die Region braucht Frankfurt, und Frankfurt braucht die Region. Das wissen alle. Bei 22 Gesellschaftern ist es natürlich, dass über Strategien oder einzelne Sachfragen diskutiert wird. Aber mit der Ernennung von Stadtrat Uwe Becker zum Regionaldezernenten hat die Stadt Frankfurt ein klares Zeichen für die Zusammenarbeit in der Region gesetzt. Zu Veranstaltungen der FRM wird auch in die Region eingeladen; 2012 beispielsweise wurden Bewohner der Region, die aus Taiwan und Singapur stammen, nach Hochheim eingeladen, um sie von den Vorzügen unseres erstklassigen Rieslings zu überzeugen.

Das Rhein-Main-Gebiet ist für viele Konzerne auch deshalb ein attraktiver Standort, weil der größte Flughafen Deutschlands gut erreichbar ist. Die Menschen, die hier leben, sind allerdings sehr unzufrieden mit dem massiven Fluglärm. Wie schwierig ist es für Sie zum einen als Landrat und zum anderen als stellv. Aufsichtsratsvorsitzender der FrankfurtRheinMain GmbH, den Interessen beider Gruppen gerecht zu werden?

Das ist in der Tat eine Herausforderung. Aber keine Rose ohne Dornen: Ein internationaler Großflughafen, von dem unstrittig die ganze Region profitiert, bringt auch massive Belastungen. Es ist kein Widerspruch, wenn wir den Flughafen als einen zentralen Wirtschaftsfaktor der Region hervorheben und gleichzeitig darauf pochen, dass er die Menschen möglichst wenig belastet. Wir sind Fluglärmgegner – aber keine Flughafengegner. Das müssen wir deutlich machen. Letztlich bleiben wir als Region nur dann attraktiv, wenn es sich hier gut leben lässt.

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