Quote soll reduziert werden

Main-Taunus-Kreis will weniger Flüchtlinge aufnehmen

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Region Rhein-Main – Mehr Unterstützung, mehr Geld, geringere Zuweisungsquote: Der Main-Taunus-Kreis weiß nicht mehr wohin mit den Flüchtlingen. In Schwalbach muss jetzt in der Not sogar ein Zeltdorf aufgebaut werden. Von Dirk Beutel

Der Main-Taunus-Kreis ist am Limit. Der Druck auf die Verwaltung bei der Aufnahme von Flüchtlingen wächst kontinuierlich. Es wird immer enger. Der Immobilienmarkt ist ohnehin angespannt und die Kommunen im Kreis kommen nicht nach, Platz für Flüchtlinge zu finden. Jetzt hat Landrat Michael Cyriax und Kreisbeigeordnete Johannes Baron sich in einem dringenden Appell an das Land Hessen gewendet und um Hilfe gebeten. Diesen Brief haben politische Vertreter sämtlicher Städte und Gemeinden unterzeichnet. Bislang sei eine überwältigende Zahl von Menschen bereit, Flüchtlinge aufzunehmen und ihnen zu helfen. Jetzt käme es aber darauf an, „das Richtige zu tun, damit diese gute Stimmung nicht kippt“.

1234 Flüchtlinge aufgenommen

Aktuell seien im Main-Taunus-Kreis 1234 Flüchtlinge aufgenommen, zum Jahresende schätzt man die Zahl auf mehr als 1800 Personen. Zuviel für den am dichtesten besiedelten Kreis in Hessen. Wie groß die Not sei, zeige das Beispiel Schwalbach. Trotz intensiver Suche habe man keine neuen festen Quartiere ausmachen können. Stattdessen sollen auf dem Parkplatz des Schwimmbades Zelte, die eigentlich für den Katastrophenfall zur Verfügung stehen, für 40 Personen aufgebaut und Ende Juni bezogen werden. „Ein Zeltquartier ist nur eine Notlösung, aber wir haben keine Wahl“, sagt Baron. Schwalbach habe 16 Asylbewerber aufgenommen und noch einen Rückstand von 85 Personen, die untergebracht werden müssten, und aus der Stadt seien dem Kreis bislang keine ausreichenden Immobilien gemeldet worden.

Quote soll reduziert werden

Konkret fordert der Kreis, dass die Zuweisungsquote von 3,81 Prozent reduziert werde. Nirgendwo sonst in Hessen leben „mehr als 1000 Menschen auf einem Quadratkilometer. Dies bringt besondere Schwierigkeiten bei der Unterbringung“, heißt es in dem Schreiben. Und: „Den Kommunen wäre geholfen, wenn Personen aus sicheren Ländern, etwa des Balkans, nicht an die Kreise und kreisfreien Städte weitergeleitet würden.“ Zudem müsse die pauschale Kostenerstattung pro Asylbewerber von 652,20 Euro für den Kreis deutlich erhöht werden. Sie sei bei Weitem nicht kostendeckend. Der Kreis erhofft sich eine Erhöhung des Betrags auf 725,40 Euro, wie er etwa an Frankfurt gezahlt werde. Der Nachbarstadt werden hingegen sieben Prozent der Asylbewerber, die Hessen aufnimmt, vom Regierungspräsidium Darmstadt zugewiesen. Auch im benachbarten Hochtaunuskreis ist die Wohnungssituation angespannt, bisher sei es aber den Kommunen gelungen, die Flüchtlinge gut unterzubringen, sagt Kreissprecherin Andrea Nagell. Insgesamt wurden dort etwa 1500 Menschen aufgenommen.

Dirk Beutel

Dirk Beutel

E-Mail:dirk.beutel@extratipp.com

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