Männer stehen ihre Frau

Eine blonde Frau mit auftoupierten Haaren, die offensichtlich kein Mann ist, gesellt sich zu Tina. "Vergessen sie alle Vorurteile", sagt Manuela Mock: "Nur dann können sie begreifen, was Transvestiten wirklich sind."Erst jetzt öffnet sie die Tür komplett.

Die Tür zu einer anderen Welt, zu einem Reich, in dem Männer ganz selbstverständlich in Frauenkleidern herumlaufen und Silikon-Polster in ihre Spitzen-BHs schieben. Diese Welt liegt am Baseler Platz in Frankfurt, nähe Hauptbahnhof, und heißt "Transnormal".

In ihrem Laden hilft Mock seit acht Jahren Männern, zur perfekten Frauen zu werden, schminkt sie, kleidet sie an, trainiert mit ihnen weibliche Bewegungen. Mit dabei: Zig Kunden aus dem Kreis Offenbach und dem Altkreis Darmstadt-Dieburg, wie die Ex-Filmschauspielerin verrät.Ihr Handwerkszeug: Über 50 verschiedene Perücken, jede Menge Pumps bis Größe 46 und ein begehbarer Kleiderschrank mit schicken Fummeln, der aus allen Nähten platzt.

"Schwul ist hier aber niemand", stellt sie klar: "Meine Kunden wollen sich einfach nur wie eine Frau fühlen. Das hat überhaupt nichts mit Sexualität zu tun." Vielmehr sei die Umwandlung wie Urlaub vom stressigen Berufsalltag zu verstehen. "Als Frauen müssen sie sich um nichts mehr kümmern, nur darum, ob die Fingernägel richtig lackiert sind."Während Transvestiten ihre Neigung im normalen Leben verstecken müssen, um nicht zum Gespött der Nachbarn zu werden, können sie sich bei "Transnormal" gefahrlos ausleben. Mal nur für wenige Stunden, mal den ganzen Tag. Da wird gekichert, geblödelt und sich über Mode unterhalten. "Frauenkram eben", sagt Mock lachend.Wer genug Mut gefasst hat, bummelt im Damen-Kostüm dann durch die Innenstadt. "Das ist das schönste Gefühl überhaupt", gesteht Tina und ergänzt: "Neulich hat mir einer sogar eine Rose geschenkt." Für sie der Beweis, dass die Täuschung perfekt gelungen ist. Sie selbst lebt mit ihrer nichts ahnenden Mutter zusammen â?? als Mustersohn.Anders Monika, die zwischenzeitlich in Zivil den Laden betreten hat. "Meine Ehefrau weiß davon schon seit vielen Jahren. Mit vielen Höhen und Tiefen. In letzter Zeit akzeptiert sie es, und es läuft gut", erzählt der 48-Jährige. Das ist nicht immer so. Oft kommt nach einem Geständnis die Scheidung.

Tragisch, denn auch wenn dicke Schichten Make-up die Bartstoppeln verhüllen mögen, aus ihrer Haut können die Transvestiten nie. Tina: "Es ist wie ein unendlicher Durst, den ich stillen muss."

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