Warum auch Männer anfeuern

Männer beim Cheerleading: Schwere Arbeit ohne Pom-Poms! 

Frankfurt – Von wegen nur Pom-Poms-Schwingen: Cheerleading ist eine Mischung aus Kunstturnen und Akrobatik und ein echter Leistungssport. Männer müssen dabei ihre weiblichen Partner sicher und dynamisch stemmen, werfen und fangen können. Von Dirk Beutel

Florian Taut mit Partnerin Anika.

Dieser Sport ist definitiv nichts für Weicheier und hat nur wenig mit kreischenden Highschool-Mädchen zu tun. Ganz im Gegenteil: Cheerleading ist ein echter Wettkampfsport und war in seinen Anfängen sogar eine reine Männerdomäne. Erst ab den 1920er Jahren begeisterten sich immer mehr Frauen für das tänzerische Anfeuern der eigenen Sportmannschaft. Doch das hat wenig mit dem zu tun, was Florian Taut und Andreas Frieb bei der Cheerleading-Abteilung von Eintracht Frankfurt so treiben. Sie packen zu, stemmen und werfen ihre Cheerleader-Kolleginnen in die Luft und fangen sie wieder auf. „Da werden die körperlichen Vorteile der Männer voll ausgenutzt“, sagt Taut, der bereits Titel als deutscher Vizemeister und Vize-Europameister erreicht hat. Ringer, Karatekämpfer, Bodenturner: Viele Männer sind über Umwege zum Cheerleading gekommen. Doch dass es sich hierbei um einen ernstzunehmenden Sport handele, habe sich noch nicht überall herumgesprochen. Jedesmal müssen die beiden jungen Männer vorhandene Vorurteile und den einen oder anderen doofen Spruch aus dem Weg räumen: „Man erntet schon ungläubige Blicke, wenn man erzählt, was man für einen Sport betreibt. Aber ich nehme das locker und erkläre, was wir da genau machen“, sagt Andreas Frieb.

Akrobatischer Leistungssport

Der wesentliche Unterschied besteht in der Ausführung. Während die Cheerleader beim Football oder Basketball ihre Mannschaften vor allem mit ihrem Gesang und ihren Tanzeinlagen anfeuern und das Publikum begeistern, geht es bei der Leistungssport-Variante um akrobatische Turnelemente und andere aufwendige Stunts. Taut: „Das entscheidende dabei ist, dass die Gruppe eine homogene Leistung abliefert.“ Je nach Darbietung braucht die Gruppe, die meist aus bis zu 25 Mitgliedern besteht, ihre Spezialisten. Dabei sind die Männer meist die sogenannten Bases. Sie werfen die Damen, die Flyers, in die Luft und fangen sie wieder spektakulär auf. „Dafür braucht es jede Menge Vertrauen, Kraft und Technik. Man muss sich einfach blind verstehen“, sagt Taut: „Kein Mann schwingt irgendwelche Pom-Poms“, sagt er lachend. Er und Frieb sind ebenfalls im Kader der deutschen Nationalmannschaft. International stehe das Team immerhin unter den Top Ten. Klare Favoriten sind die USA, Kanada und China. Bei der Weltmeisterschaft im April in Orlando im amerikanischen Bundesstaat Florida möchte die deutsche Mannschaft wieder unter die besten zehn Mannschaften kommen.

Rubriklistenbild: © nh

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