Er macht Frankfurt schwarz-weiß

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Fotograf Wolfgang Mothes aus Langen mit seiner Panoramakamera.

Frankfurt/Langen – Das komplette Fachwissen der klassischen Schwarz-Weiß-Fotografie ist gleich neben der Langener Stadthalle archiviert. Genauer gesagt im Kopf von Wolfgang Mothes. Seine neuste Arbeit: Ein riesiger Bildband mit Panoramaaufnahmen von deutschen Burgen. Von Christian Reinartz

"Leuchtturm in stürmischer See“ lautet der Titel dieser Fotografie des Messeturms samt Halle drei.

Architektur! Sie treibt Wolfgang Mothes seit über 30 Jahren zu jeder Tages und Nachtzeit aus dem Haus. Immer auf der Jagd nach dem richtigen Licht, dem richtigen Wetter, dem richtigen Augenblick. Der 59-Jährige gilt als einer der führenden deutschen Schwarz-Weiß-Fotografen.

Und wie das bei erfahrenen Jägern eben ist: Jeder Schuss ist ein Treffer. Denn anders als bei modernen Digitalkameras erfordert seine bevorzugte Waffe, eine Mittelformat-Panoramakamera der Firma Linhof, genauste Justierung mittels Stativ und Wasserwaage. Ein Dauerfeuer, wie bei so manchen Digitalfotografen üblich, ist Mothes ein Graus. „Für mich ist der Weg zum Foto das Ziel“, sagt er begeistert: „Ich genieße diese Arbeit vor dem Abdrücken sehr.“

Ist die Kamera ausgerichtet, ermittelt er nach dem so genannten Zonensystem die korrekte Belichtung. Erst dann drückt er auf den massiven Auslöser der Linhof. Ein flüsterleises Klicken ist zu hören. Das war‘s.

Mothes liebt die ungewöhnliche Perspektive

Einige Chemiebäder später hat Mothes dann das entwickelte Negativ im Format von sechs mal 17 Zentimetern vor sich liegen. Diesmal ist es eine Ansicht des Frankfurter Hauptbahnhofs samt Zubringergleisen bei Nacht. Ausbelichtet wird das Bild später knapp zwei Meter breit sein. Eine weitere Trophäe in einer riesigen Sammlung phänomenaler Kunstwerke.

Vor allem die ungewöhnliche Perspektive hat es Mothes angetan. Mit Vorliebe fotografiert er historische Gebäude vor den modernen Glaspalästen des Frankfurter Bankenviertels. Aber auch Nachtaufnahmen finden sich in seinem Portfolio immer wieder. Aktuellstes Projekt: Ein großformatiger Bildband mit dem Titel „Deutsche Burgen“, der seit kurzem im Buchhandel erhältlich ist.

„Diese Art der Fotografie packt mich bis heute immer wieder aufs Neue“, sagt Mothes. Er selbst nennt sich bescheiden Hobby-Fotograf. Dabei gilt der Langener deutschlandweit als die absolute Kapazität ins Sachen Belichtungs- und Entwicklungstechnik. Keiner kennt sich in der Dunkelkammer besser aus, darüber ist man sich in der Fotografen-Szene einig. Selbst ausgebuffte Profis holen sich bei Mothes Tipps. Manche schnappen sich sogar seinen Frankfurt-Bildband, den er vor Jahren veröffentlicht hat, und fotografieren die Motive nach. „Am Anfang habe ich mich geärgert. Aber jetzt empfinde ich es als Ehre“, sagt er.

Schönheit der Motive steht im Fokus

Überhaupt hat der zurückhaltende Mann so gar nichts von einem zeternden Künstler mit Star-Allüren. Mothes: „Weder möchte ich mit meinen Bildern die Welt verbessern, noch verfolge ich andere hochtrabende Ziele. Es geht mir bei meinen Fotografien schlicht und einfach nur um Schönheit, wie ich sie sehe. Wenn meine Bilder berühren, und wenn sie nicht von der einen auf die nächste Stunde wieder vergessen sind, so habe ich mein Ziel erreicht.“

Der Hauptbahnhof bei Nacht.

Mehr Fotografien gibt‘s im Internet zu sehen unter:

http://www.wolfgangmothes.de.

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