Fotos zum Reinbeißen

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Offenbach – In Katalogen, Kochbüchern und auf Verpackungen strahlen uns seine Fotos an: Aufnahmen von schönen Stühlen, schicken Kleidern und leckerem Essen. Michael Himpel setzt diese Produkte des Alltags in Szene und ist damit ein gefragter Fotograf. Von Andreas Einbock

Viel Platz für Kreativtät bietet sein Atelier in der Frankfurter Casellastraße. Zwei Arbeitsräume, ein Besprechungsraum und natürlich die klassische Dunkelkammer für analoge Aufnahmen auf Film bilden das Reich des zurückhaltenden Mannes: „Es stinkt ein bisschen, das Wasser blubbert, aber es ist ein viel echteres Gefühl als gleich das Ergebnis im Photoshop zu sehen“, beschreibt der 48-Jährige, den sein Opa mit einer Agfa Isolette für dieFotografie begeisterte.

Nach dem Fotodesign-Studium an der FH Darmstadt und zehn Jahren mit einem Kollegen in Offenbach, zog es ihn 2000 in seine eigenen vier Arbeitswände über den Main. Die Ochsentour mit Arbeitsmappen war langwierig. „Nur so Mitschwimmen wie früher, ging nicht. Du brauchst schon deine fotografischen Schwerpunkte und ein Netzwerk aus Designern.“ Himpels Qualität setzte sich schließlich durch. „Inzwischen liegen meine Schwerpunkt auf Essen, Möbeln, Kleidung, Schmuck und Parfumflaschen“, zählt er bescheiden auf und vergißt fast eine große Porträt-Plakatserie der Sportredaktion des Südwestdeutschen Rundfunks, der neben Modelabels, Versicherungen, Drogerieketten und dem Reformhaus-Magazin zu seinen Kunden zählt.

Produktfotos sind selten Schnappschüsse

Michael Himpel richtet mittels Farbpalette das Set.

Die meiste Zeit koste die Organisation der Termine. „Alles detailliert zu planen, funktioniert nicht immer und schränkt die Kreativtät ein. Durch Improvisation entstehen oft viele schönere Bilder.“ Zum Glück geben ihm die Firmen Spielraum, so dass er einige Ideen zufällig umsetzen kann. „Zum Beispiel habe ich einen Luxus-Stuhl vor der Theke einer Eckkneipe mit ihrer rustikalen Stimmung fotografiert“, so Himpel und ergänzt: „Im Prinzip ist das wie bei einem Bühnenbauer im Theater. Manchmal muss ich aufwändig Parkett verlegen und lange die Lichtstimmung testen, bevor ich Ausschnitt und Blende in der Kamera angehe.“

Diesen Aufwand unterschätzen vor allem seine Auszubildenden, von denen er momentan zwei hat. Bei vielen habe sich ein Bild des herumhüpfenden Modefotografen im Fernsehen festgesetzt.

Neben dem Setaufbau gehört die richtige Technik dazu: Vier Fachkameras auf Schienen (siehe kleines Foto), vier Mittelformat- sowie eine analoge und eine digitale Kleinbildkamera gehören genauso zur Ausrustung wie zwölf Lampen und zehn Lichtformer. „Doch ohne eine gutes Netzwerk aus Tierpräparatoren, Food-Desigern, Setbauern, Visagisten und Stylisten würde ich dem gestiegenen Rentabilitätsdruck nicht standhalten“, sagt Himpel und blickt auf seine nächste Produktion: „Da werde ich Kosmetikprodukte für DM in Szene setzen.“

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