Er macht Bürgel zum Ausflugsziel

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Mit Eis und kühlen Getränke versorgt Roland Lösel von seinem Mainturm aus Radler, Jogger und Erholungsuchende am Bürgeler Mainufer.

Offenbach – Noch fehlt er im offiziellen Serviceheft zum Main-Radweg. Doch der Mainturm-Kiosk entwickelt sich zu einem richtigen Ausflugsziel. Nicht nur Radfahrer nutzen die Mini-Attraktion an der Bürgeler Schiffsanlegestelle. Von Andreas Einbock

Manfred Albert aus Frankfurt: „Seit die Wege gut gemacht sind, fahre ich sehr gern am Main entlang. Das Türmchen ist eine willkommene Abwechslung.“

Zwei Ruderboote fahren an die Kaimauer heran. „Ich hätte gern ein Eis am Stiel“, bestellt einer der Nachwuchsruderer vom Wasser aus. Vom Kiosk aus wirft Roland Lösel die Erfrischung direkt in die Hände seines ersten Kunden an diesem Tag. „Ja, inzwischen ist das auch ein Drive-In für Boote geworden“, sagt der 29-Jährige, der den auffälligen, rot-weißen Kiosk mit selbst gebauten Leuchtturm-Aufsatz seit anderthalb Jahren mit einem Freund betreibt. „Das ist wie ein bisschen Kino, wenn ich rausgucke. Links fahren die Ruder- und Sportboote und rechts sind die Radfahrer, Jogger und Spaziergänger“, sagt Lösel.

Auf die Idee mit dem Mainturm ist er mit Freuden gekommen: „Ich bin selbst Ruderer im WSV Bürgel und fand es immer so schade, dass man an diesem schönen Ort einfach nur vorbeifährt. Dann haben wir lange überlegt, wie wir Main, Ufer und Gastronomie verbinden können. Schließlich wollten wir nicht irgendeinen beliebigen Stand aufmachen.“

Kundenzahl wächst trotz miesem Augustwetter

Heidi und Bert Meininger aus Hanau: „Der Turm passt wunderbar hier an den Main, genauso wie die Liegestühle dahinter zum Entspannen.“

Trotz des eher durchwachsenen Wetters in diesem Sommer habe er mehr Kunden als im vergangenen Jahr gehabt. Und die kommen manchmal von weit her. „Vor ein paar Wochen machte ein Belgier bei mir Halt. Der war schon zwei Wochen unterwegs und wollte noch nach Prag radeln. Mein Turm erinnerte ihn an seine Heimat an der Küste“, berichtet Lösel von einem Radfahrer. Doch auch immer mehr Bürgeler würden bei ihm vorbeikommen. „Es gibt sogar Jogger, die ihre Strecke so planen, dass sie hier ganz gezielt wieder auftanken, oder die Omas, die mit ihrem Enkel beim Spaziergang einen Abstecher am Kiosk mache“, berichtet der Kioskbetreiber.
An guten Tagen kommen bis zu 1000 Kunden und schlemmen Eis oder trinken Limo. Um den Ansturm zu bewältigen, hat er inzwischen vier Aushilfen angestellt. „Außerdem stellen wir bei Sonnenschein noch 15 kostenlose Liegestühle auf und schon herrscht richtige Strandatmosphäre“, beschreibt der Diplom-Verwaltungswirt sein Konzept.

Löser plant Expansion nach Frankfurt

Das setzt er als Angestellter bei der Stadt nebenberuflich um. „Bei den ganzen Vorschriften war mein Ausbildungsfachwissen sehr hilfreich“, sagt Lösel und ergänzt: „Schließlich betreibe ich eine Schankwirtschaft mit eingeschränkter Speisegaststätte, bei der ich Getränke mit 19 und Eis mit sieben Prozent Mehrwertsteuer berechnen muss.“
Trotz der bürokratischen Hürden plant er bereits, sein Angebot auf Frankfurt auszuweiten und einen weiteren Kiosk zu eröffnen. „Doch da ist es schwieriger eine Konzession zu bekommen und die Ämter vom Konzept der Mainuferbelebung zu überzeugen“, sagt Lösel. Ab Oktober nimmt er sich aber erst mal eine Auszeit und reist ein halbes Jahr mit dem Rucksack durch Südamerika. Noch bis 30. September kann sich jeder bei schönem Wetter von der Attraktion am Bürgeler Mainufer überzeugen.

Weitere Informationen unter: www.mainturm.de

 

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