Frankfurterin, erklärt warum

Großstädter vermieten Wohnungen an Touristen

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Franca Cevalles mit ihrem Sohn: Die Familie vermieten ihre Wohnung direkt an der Konstablerwache an Urlauber.

Frankfurt -  Wildfremde in den eigenen vier Wänden: Immer mehr Großstädter vermieten ihre Wohnung an Touristen. Auch Franca Cevalles aus Frankfurt bietet ihren Gästen eine stadtnahe und günstige Übernachtungsmöglichkeit und macht damit ein gutes Geschäft. Von Angelika Pöppel

„Zu uns kommen Touristen aus Australien oder Amerika, Fußballfans und auch Geschäftsleute“, sagt Franca Cevalles aus Frankfurt. Doch die gebürtige Italienerin betreibt nicht etwa ein kleines Hotel, sondern vermietet ihre eigene Wohnung an die Fremden.

„Wir machen das seit einem Jahr und haben noch keine schlechten Erfahrungen gemacht“, sagt sie. Im Gegenteil: „Unsere Gäste benehmen sich immer sehr gut und viele kommen wieder. Uns macht das Spaß. “ Auch ihr Sohn hilft gerne beim Aufräumen.

Apartments von Privatanbietern gibt es seit Jahren. Doch im vergangenen Jahr wurde daraus laut des Hotelverbandes Deutschland ein Massentrend. Hauptsächlich in touristisch attraktiven Städten wachse mit steigenden Übernachtungszahlen auch der Markt der Privatapartments.

Bei Mietportalen wie Airbnb, Wimdu oder 9flats können die Wohnungen kostenlos im Internet eingestellt werden. Auf Airbnb bieten derzeit in Frankfurt mehr als 400 Gastgeber private Unterkünfte an – wenige vermieten auch in Offenbach.

Günstiger als die meisten Hostels in Frankfurt

Für die Wohnung mit 100 Quadratmetern direkt an der Konstablerwache verlangt Cevalles bei sechs Personen 120 Euro und bei zwei Personen 55 Euro am Tag. Damit liegt ihr Preis unter dem der meisten Hostels in Frankfurt. Einen besseren Preis bietet nur eine Jugendherberge mit bis zu zehn Betten in einem Zimmer. „Für Familien sind zwei Hotelzimmer doch kaum zu bezahlen, da ist unser Angebot unschlagbar“, sagt Cevalles. Und auch für ihre Familie ist die Vermietung ein lukrativer Nebenverdienst. „Die Gäste kommen am laufenden Band.“ Nur fünf Tage im Monat seien im Schnitt nicht vermietet. Denn die Cevalles leben mittlerweile im Ostend und nutzen die Eigentumswohnung ausschließlich für Kurzzeit-Vermietungen.

In Zukunft Konkurrenz für preiswerte Hotelketten

Auch die Tourismus GmbH in Frankfurt ist auf den Trend aufmerksam geworden: „Die Hotelnachfrage ist in Frankfurt sehr hoch, doch wir sehen die Privatvermietung nicht als Konkurrenz für herkömmliche Hotels“, sagt Jördis Hille. Tourismus-Berater Tim Schüttrumpf glaubt dagegen an Auswirkungen: „Die Privatzimmervermietung ist eine attraktive Alternative zum Hotel. Sie kann in Zukunft eine Konkurrenz für Billig-Herbergen und preiswerte Hotelketten darstellen.“ Denn Urlauber, die Privatwohnungen bevorzugen, wollen den sozialen Kontakt und die Gemütlichkeit. Außerdem ist eine Wohnung auch kurzfristig buchbar. Doch Hotels können ihr Angebot nicht an diesen Markt anpassen. Noch sei von der Konkurrenz aber nichts zu spüren.

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