Londoner macht aus Offenbacher Toiletten-Geräuschen Musik

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Matthew Herbert: Er hat eine Nacht lang alles und jeden im Offenbacher Club Robert Johnson aufgenommen.

Offenbach – Toilettengeräusche, Türknallen, laute Küchengeräte: Alles, was Matthew Herbert im Offenbacher Robert Johnson Ende September zu hören bekam, will er zu Musik machen. Mit Mikros und Ton-Ingenieuren bewaffnet hat er eine ganze Nacht vertont. Was dahinter steckt, verrät er im Interview. Von Jennifer Dreher

Was ist die Grundidee, die hinter dem Projekt steht?

Ich wollte als DJ etwas Einzigartiges schaffen und Töne verwenden, die kein anderer hat. Eine Umgebung in Musik verwandeln – in diesem Fall eine feiernde Menge. Beim nächsten Mal könnte es auch ein Krankenhaus, ein Supermarkt oder ein Parlament sein. Aus den Aufnahmen entstehen drei Alben. Davon wird One Club nur aus den Aufnahmen in Offenbach bestehen.

Warum hast du ausgerechnet das Robert Johnson ausgesucht?

Ich kenne das Robert schon sehr lange, war oft dort. Deutschland ist bekannt dafür, experimentelle Dance-Musik zu unterstützen.

Was hast du dort alles zu hören bekommen?

Ich war in dieser Nacht eine Art Dirigent. Ich habe die Leute aufgefordert, Geräusche zu machen. Ich hatte drei Ton-Ingenieure aus England dabei. Ich warte noch darauf, dass sie mir die Aufnahmen schicken. Aber ich kann schon sagen, dass wir alles und jeden aufgenommen haben: Die Toiletten, die Küche, den Sicherheitsdienst, die Garderobe, ein Taxi.

Du warst stundenlang vor Ort, wie hast du dich wach gehalten?

Ein paar Wodka haben mir durch den ganzen Aufnahme-Prozess geholfen.

Wirst du nur Geräusche aus dem Robert Johnson für dein Album verwenden?

Das wird die Herausforderung, nur das Ton-Material von dieser Nacht zu benutzen. Da werde ich nicht tricksen, sonst mache ich mein Projekt unglaubwürdig.

Hast du im Robert Johnson nach bestimmtem Ton-Material gesucht?

Ich suche nach nichts. Ich versuche noch klarer zu hören. Die Töne einfach so aufzunehmen, wie sie sind, ist ein neues Phänomen. Es gibt wenige, die wissen, wie man die Töne auswertet. Mein Projekt ist eine Art der Archivierung. Eine Momentaufnahme eines bestimmten Tages, an einem bestimmten Ort, zu einer bestimmten Zeit. Es bedeutet für mich, den Gegebenheiten dieses Moments zu unterliegen.

Wann und wo wird One Club erscheinen?

Ich schätze, dass das Album im März/April 2010 im Fachhandel erhältlich ist.

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