Lockt Langfinger an: Post parkt Briefe am Straßenrand

+
Direkt neben dem Briefkasten am Rathaus Oberursel steht ein graues Zwischenlager. Dort werden Briefe und Pakete eingeschlossen, bis sie ausgetragen werden.

Taunus – Seit die Deutsche Post ihre Zustellbezirke vergrößert hat, müssen Kunden nicht nur länger auf Briefe warten. Weil die Austräger auch mehr Post zustellen müssen, wurden Sammelstellen eingerichtet, an denen Post zwischengelagert wird. Kriminelle haben die Sammelstellen in Berlin schon für sich entdeckt. Der Verbraucherverband DVPT fürchtet auch im Rhein-Main-Gebiet Diebstähle. Von Julia Renner

In Oberursel stehen sie an der Straße, in Hofheim und Bad Homburg ebenso: Unauffällige graue Kästen, die wie Stromkästen aussehen. Doch darin verbirgt sich mitunter Wertvolles: Pakete mit DVDs vom Onlineshop, Geldgeschenke von der Oma oder Kreditkarten vom Bankinstitut.

Elmar Müller vom Verbraucherverband.F.: nh

Das haben mittlerweile auch schon kriminelle Banden gemerkt. In Berlin ist die Zahl der Postdiebstähle aus den öffentlichen Zwischenlagern in letzter Zeit stark angestiegen. Bei den Polizeidirektionen in Bad Homburg und Hofheim sind bisher zwar keine Fälle bekannt. Doch Elmar Müller befürchtet, dass sich das bald ändern könnte. Der Vorstand des Bereichs Post beim Deutschen Verband für Post, Informationstechnologie und Telekommunikation (DVPT) sieht die Zwischenlagerstellen kritisch. „Die Container lassen sich mit einem Einheitsschlüssel öffnen und die Post weiß nicht immer genau, wer einen Schlüssel besitzt. Das ist eine Lücke, die geschlossen werden muss“, fordert Müller. Alexander Böhm, Sprecher der Deutschen Post in Frankfurt, betont, dass nicht alle Schlüssel gleich seien. Die einzelnen Schlüssel würden nur auf bestimmten Routen passen.

Container sind nicht sicher

Dass es eine Möglichkeit zur Zwischenlagerung gibt, findet Elmar Müller sinnvoll. Da die Zustellbezirke stets größer werden, müssten die Austräger nicht so viel Gewicht tragen. „Die Container sind aber keine sichere Methode“, warnt Müller. Besser sei es, wie vor Jahren schon praktiziert, die Post in Garagen von Privatleuten zwischenzulagern. Dort könne das Briefgeheimnis besser gewahrt werden als im öffentlichen Straßenraum.

Auch in Offenbach sei es schon vorgekommen, dass Ablagekästen aufgebrochen wurden, sagt Alexander Böhm. „Eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.“ Dennoch sei die Deutsche Post um „höchstmögliche Sicherheit zu einem bezahlbaren Preis“ bemüht.

Wessen Päckchen oder Brief aus einem Ablagekasten gestohlen wird, hat Pech gehabt. Ersetzt wird der Verlust nämlich nicht. Nur, was als Paket geschickt wird, ist bis zu 500 Euro versichert.

Kommentare