Er hat die Lizenz zum Brennen

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Alexander Werner füllt seinen Brennkessel mit Maische, dem vergorenen Obstsaft.

Egelsbach – Vor den ersten selbstgemachten Obstler hat das deutsche Branntweingesetz jede Menge amtlichen Papierkram gesetzt. Denn wer wie der Egelsbacher Alexander Werner eine Lizenz zum Schnapsbrennen hat, wird genau vom Zoll kontrolliert. Von Mareike Palmy

Das ganze Jahr brennt bei Obstbauer Werner die Hütte. Selbst im Sommer dampft der 150-Liter-Kessel mit der Hitze um die Wette, damit aus einheimischen Kirschen, Zwetschgen, Trauben, Mirabellen und Birnen edle, alkoholische Tropfen werden. In der kleinen Brennerei in der Egelsbacher Kleingartenanlage wird aus flüssigem Obst aromatischer Obstbrand und Geist. „Die Obstbauern bringen ihre Ernte zu mir und hier drin wird ihr Schnaps gebrannt“, sagt Werner und deutet auf die Maschine, die aussieht wie ein Raumschiff. Zwölf Fässer gefüllt mit dem gegorenen Obst stehen davor, und sollen durch die Destillierkolonne laufen und so einen schmackhaften Hausgebrannten ergeben.

Fünf Jahre warten auf Brenngenehmigung

In der Brennerei herrscht Trinkverbot. Aber probiert werden darf natürlich.

Das ist eine Menge Arbeit, die sich der 55-Jährige aber nicht frei einteilen kann. An welchem Tag er wieviel Liter Schnaps brennen darf, ist minutiös geregelt. Denn nicht jeder kann einfach Schnaps brennen. Damit man den edlen Tropfen überhaupt herstellen darf, braucht man eine Lizenz. „Die ist nicht einfach zu bekommen“, weiß Alexander Werner aus Erfahrung. Fünf Jahre musste er auf seine Brenngenehmigung vom zuständigen Zollamt warten.

In Südhessen gibt es nur wenige kleine Betriebe, die aus Obst Hochprozentiges destillieren dürfen. „Alles wird genau vom Zoll abgenommen und aufgelistet. Im Brennbuch ist alles exakt vermerkt“, sagt Obstbauer Werner über das Prozedere. Regelmäßig steht zudem der Zoll unangemeldet vor der Tür der Egelsbacher Brennerei. „Die haben sogar einen Schlüssel“, so Werner. Die Schnapsherstellung ist genehmigungs- und steuerpflichtig. Sie wird streng überwacht und muss lückenlos dokumentiert werden. Doch ob korrektes Volumen der Fässer, richtige Angabe des Inhalts oder verbotene Zusatzstoffe – beim Egelsbacher Obstbauer Werner gab es für den Zoll noch nichts zu beanstanden.

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