Wo Leichen über den Zaun hüpfen

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Eine plastinierte Leiche springt über den Gartenzaun.

Offenbach – Manuela Nixdorf will nach ihrem Tod weder in der Erde verrotten noch zu einem Häufchen Asche verbrennen. Die 53-Jährige aus Frankfurt möchte nach ihrem Ableben als Ganzkörper-Plastinat in der Körperwelten-Ausstellung von Gunther von Hagens zu sehen sein. Die umstrittene Schau ist seit Freitag in Offenbach zu sehen. Von Norman Körtge

Es ist eine faszinierende Technik, die Gunther von Hagens 1977 an der Uni Heidelberg erfunden hat: Die Plastination. Damit kann der Verfall des toten Körpers gestoppt und dauerhaft haltbare anatomische Präparate hergestellt werden.

Der Zyklus des Lebens wird gezeigt

Manuela Nixdorf ist eine Körperspenderin.

Neben zahlreichen plastinierten Organen wie Herzen, Gehirne und Därme sind nun auch 28 Ganzkörper-Plastinate in der Körperwelten-Ausstellung in Offenbach zu sehen. Sie trägt den Untertitel „Der Zyklus des Lebens“. Dementsprechend hat Angelina Whalley, Ausstellungsleiterin und Ehefrau von Gunther von Hagens, die Schau konzipiert. Zwei plastinierte Leichenpaare sind beim Sex – im Sitzen und im Stehen – zu sehen. Muskeln, Sehnen und Knochen treten je nach Position deutlich hervor. Föten in unterschiedlichen Entwicklungsstadien zeigen den Beginn des Lebens. Es folgt der Mensch in seiner körperlichen Hochleistungsphase. Ein Mann ist beim Überqueren einer Hochsprunglatte zu sehen, eine Frau balanciert auf einem Balken. Eine männliche Leiche spielt Saxophon, und ein Paar tanzt Flamenco.

Dazwischen ein Verdauungstrakt, Herzkranzgefäße und das feingliedrige Nervensystem des menschlichen Körpers. Aber auch die Schattenseite sind da. Ein Raucherbein, eine vergrößerte Prostata und eine Fettleber

„Die Ausstellung soll zeigen, wie wunderschön, aber auch zerbrechlich der Körper ist“, erzählt Whalley von ihrer Intention. Viele Besucher der Ausstellung würden erst dann verstehen, dass sie auf ihren Körper viel mehr achten müssen.

"Ein Leichnahm ruht nicht, er verwest in der Erde"

Dass Whalley und ihr Mann dazu echte Leichen und nicht etwa Nachbildungen aus Kunststoff verwenden, begründet sie mit der Authentizität. Wenn im Museum nur Nachdrucke von Kunstwerken hängen würden, würde keiner hingehen, so Whalley. Um die von Kritikern der Ausstellung immer wieder vorgebrachten Argumente der Störung der Totenruhe zu entkräften, hatte die Ausstellungsleiterin den Philosophie-Professor Franz Josef Wetz mit zur Eröffnung gebracht. Es würden weder Gräber geschändet, noch Leichen illegal entwendet. Alles seien freiwillige Körperspenden. Außerdem sei Totenruhe ein falscher Begriff: „Ein Leichnam ruht nicht, er verwest in der Erde“, sagt Wetz.

Nixdorf will nicht verwesen

Genau das möchte Manuela Nixdorf nicht. Das ist ihr in der Körperwelten-Ausstellung in Mannheim (1997) bewusst geworden. Sie will, dass ihr Körper nach dem Tod der Wissenschaft zur Verfügung steht und nicht einfach verrottet. Seit 2001 ist sie deshalb Körperspenderin und trägt einen entsprechenden Ausweis bei sich. „Den Wunsch nach einer bestimmten Pose habe ich nicht“, erzählt die 53-Jährige. Aber sie würde sich wünschen, dass sie ein Ganzkörper-Plastinat wird.

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