Sie kämpft um die Europameisterschaft im Counter Strike

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Zierliche Finger am virtuellen Abzug: Mit Mouse und Tastatur kämpft Melanie Gutsche am Monitor. Per Kopfhörer stimmt sie die Spieltaktik mit den Mitspielerinnen ab.

Frankfurt – Kein anderes Computerspiel erhitzt die Gemüter so sehr wie Counter Strike. Als Killerspiel verschrien, verbinden viele damit nur hemmungsloses Töten und Amokläufe. Melanie Gutsche weiß, worauf es bei dem Strategiespiel wirklich ankommt. Als Nationalspielerin kämpft sie um den EM-Titel. Von Andreas Einbock

Sie ist schlank, höflich und gebildet. Die Wände in ihrem Zimmer sind hell, das Bett akkurat gemacht, der Schreibtisch aufgeräumt. Melanie Gutsche studiert Wirtschaftswissenschaften an der Goethe-Universität. Niemand könnte ahnen, dass ihr Hobby virtuelle Militäreinsätze sind.

Vor acht Jahren sah die 22-Jährige Counter Strike zum ersten Mal. „Ich wunderte mich, dass mein älterer Bruder so viel Zeit damit am Computer verbrachte“, sagt Gutsche und ergänzt: „Dann wollte ich wissen, was wirklich hinter dem Spiel steckt.“

Nach einem Jahr schafft es Gutsche ins Profi-Team

Wie schnell die ausgebildete Industriekauffrau die Strategie des Bombenlegens verstand, beweist die Anfrage eines Profiteams, das Gutsche schon nach einem Jahr unter Vertrag nahm. Inzwischen spielt „beyoNd*“, wie Gutsche in der virtuellen Welt heißt, für das Frauenteam von Alternate Attax, einem der besten Teams Deutschlands. „Leben kann ich davon nicht, aber ich bekomme ein nettes Taschengeld“, sagt Melanie Gutsche, die Deutschland nun auch in der neu geschaffenen Frauen-Nationalmannschaft vertritt.

Um dieses Niveau zu halten, trainiert sie drei bis vier Mal in der Woche je drei Stunden allein oder im Team. „Das ist wie bei einem Fußballer. Ich übe mit meinen Mitspielerinnen oder verbessere meine Treffsicherheit“, sagt Gutsche, die während eines Online-Spiels per Kopfhörer und Mikrofon mit ihren Mitstreiterinnen kommuniziert.

Es geht um den Kampf zwischen Terroristen und der Antiterroreinheit

Inhalt des Spieles ist ein taktischer Kampf zwischen zwei Gruppen, den Terroristen und der Antiterroreinheit. Immer abwechselnd muss ein Team eine Bombe legen und zur Explosion bringen, während die fünf gegnerischen Spieler versuchen, das zu verhindern. „In der ersten Runde wird ums Startrecht gekämpft. Dann folgt die Pistolenrunde. Wer die gewinnt, kann sich bessere Waffen kaufen“, erklärt Gutsche, die als Kapitänin für die Taktik zuständig ist.

Rumballern allein hilft nicht

„Ich schaue nach den Gegnern und sage, wo wir angreifen können. Wer einfach drauf losrennt und rumballern, verliert nur“, sagt die Counter-Strikerin, während sie eine Spieldemo auf ihrem veraltet wirkenden grauen Kasten abspielt. „Der Röhrenmonitor ist nicht der neueste, aber er hat einhundert Hertz und eine flüssigere Spielwiedergabe. An so eine Frequenz von Bildwiederholungen kommen auch die neusten TFT-Monitore nicht ran“, erklärt Gutsche ihre Ausrüstung. Die bekommt sie genauso gesponsert wie die Reisen zu Turnieren. Erst im Mai erkämpfte sie mit ihren Mitspielerinnen bei einem Weltcup in Kiew 2000 US-Dollar. Um Preisgeld spielt Gutsche mit ihrem Nationalteam auch bei der EM-Finalrunde ab 19. August auf der Gamescom in Köln. 3500 Euro gibt‘s für den Titel. Bereits in zwei Wochen steht das Viertelfinale gegen die Belgierinnen an.

Bei allem Spielstress hat das Privatleben aber immer Vorrang, betont Gutsche: „Parallel läuft jetzt die Klausurenphase an der Uni, und danach fliege ich mit meinem Freund in den Urlaub.“

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