Drogenkonsum

Legalisierung von Cannabis rückt näher

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Solch einen Zug aus einem Joint in der Öffentlichkeit zu nehmen, könnte in Zukunft legal sein. Darauf deutet vieles hin.

Frankfurt/Flörsheim  - Die Legalisierung von Cannabis rückt immer näher. Vorreiter könnte das Rhein-Main-Gebiet sein. Denn schon einmal ist Frankfurt mit seiner innovativen Drogenpolitik erfolgreich vorgeprescht. Von Christian Reinartz 

Jan Rautenberg  aus Flörsheim forderte schon vor Monaten im EXTRA TIPP die Einführung von Cannabis-Social-Clubs in der Region. Seine Petition ist noch in Bearbeitung bei der zuständigen Verwaltung des Main-Taunus-Kreises. Währendessen tritt der Kampf um die Legalisierung von Cannabis an anderer Front in die nächste Phase. Über 100 liberale Strafrechtsprofessoren und Wissenschaftler fordern, dass sich der Bundestag erneut mit dem Drogenverbot auseinandersetzt und haben eine entsprechende Petition unterzeichnet.

Und auch Frankfurts Schutzpolizeichef will sich einer solchen Entwicklung nicht verschließen. Das sagte er auf der Internationalen Drogenkonferenz Mitte November in Frankfurt vor Fachpublikum. Dabei gehe es um weiche Drogen für den Eigenverbrauch. Aktuell sei der Besitz zwar strafbar, „das Verfahren wird aber so gut wie immer eingestellt“, sagte Michael Hallstein damals. Mittlerweile hat er deutlich gemacht, dass er diesbezüglich eine sehr zurückhaltende Meinung habe.

Es scheint sich insgesamt etwas zu bewegen, an der Cannabis-Front. „Die einzigen, die das noch nicht begriffen haben, sind die Politiker“, sagt Jan Rautenberg, der sich durch die aktuelle Entwicklung in seinem Kurs bestätigt fühlt. „Das Problem ist die Strafverfolgung und die damit verbundene Kriminalisierung der Konsumenten.“

Entkriminalisierung von weichen Drogen

Um dem Drogenproblem Herr zu werden setzt etwa der „Frankfurter Weg“ auf Zusammenarbeit von Drogensozialarbeit, Polizei, Gesundheits- und Ordnungsbehörden. Dazu wird Drogenabhängigen die Möglichkeit geboten, in Druckräumen Drogen unter hygienischen Bedingungen zu konsumieren. Der Erfolg und die Reduzierung der Drogentoten von 147 im Jahr 1991 auf 21 im vergangenen Jahr gibt den Frankfurtern Recht. In den USA nimmt man sich dieses Beispiel jetzt bei der Legalisierung von Cannabis zum Vorbild. In Seattle wird die Droge zum 1. Januar legalisiert.

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Bernd Werse vom Centre for Drug Research der Uni Frankfurt ist deshalb überzeugt: „Wir sehen hier eine eindeutige Tendenz. Immer mehr fordern eine Entkriminalisierung von weichen Drogen.“

Diese Entwicklung vollziehe sich schon seit einigen Jahren auf internationaler Ebene, etwa in den USA und Südamerika. Eine Prognose, wann Cannabis in Deutschland legalisiert wird, will er nicht abgeben. „Als erster Schritt dazu ist aber, wie etwa in Kalifornien auch, die Legalisierung für medizinische Zwecke zu sehen.“ Das höhle den Widerstand der Drogengegner aus. „Die Leute merken einfach, das nichts Schlimmes passiert und nicht reihenweise Menschen bekifft auf der Straße herumfallen“, erklärt Werse.

Im Moment sei die Situation noch so, dass sich nur wenige Politiker trauen, das Thema offensiv anzugehen. „Da herrscht die Angst, sich unbeliebt zu machen und in eine Drogenecke gestellt zu werden.“

Dass jetzt immer mehr renommierte Experten sich für eine Legalisierung aussprächen, zeige, dass alles auf eine Änderung der Drogenpolitik hinsteuere.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema von EXTRA TIPP-Redakteur Christian Reinartz

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