1,5 Millionen Quadratmeter Gewerbeflächen stehen leer

Leere Büros, trotz Wohnungsnot

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Etliche Gebäude in der Bürostadt in Frankfurt-Niederrad stehen leer. Die Nachfrage dort ist gesunken. 

Frankfurt –  Über 100. 000 Quadratmeter Bürofläche entstand durch neue Hochhäuser in Frankfurt seit 2011. Gleichzeitig stehen etliche Gebäude in der Bürostadt-Niederrad seit Jahren leer. In Offenbach und im Taunus wird weitergebaut.  Von Angelika Pöppel 

Frankfurt ist nicht nur Finanzmetropole, sondern auch Leerstand-Hauptstadt. Laut Birgit Kasper  vom Online-Portal www.leerstandsmelder.de gibt es in keiner anderen Stadt in Deutschland mehr leerstehende Gebäude. Laut Frankfurter Stadtplanungsamt stehen tatsächlich 1,5 Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. „Wenn man die Schrottimmobilien mitzählt, sind es weit mehr“, glaubt Kasper. Bei der Wohnungsknappheit in der Mainmetropole kaum vorstellbar. „Die vorhandenen Leerstände müssen erst abgebaut werden, bevor neue Flächen in Bebauungsplänen ausgewiesen werden. Da Grund und Boden nicht in beliebigem Umfang zur Verfügung stehen und stattdessen dringend Flächen für Wohnungsbau gebraucht werden, gibt es keine Alternative“, sagt Kasper.

Neubau von Bürogebäuden soll reduziert werden

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Immerhin: „Wir haben die Anweisung die Bearbeitungen für Genehmigungen für Bürogebäude herunterzufahren“, sagt Marc Gellert  vom Frankfurter Stadtplanungsamt. Der Wohnungsbau habe Vorrang. Doch da die meisten Büro-Immobilien in privatem Besitz sind, „hat die Stadt da nur wenig zu melden“, so Gellert.

Aber auch die Stadt hat ihre Sorgenkinder. Insgesamt stehen 3.360 Quadratmeter städtische Gewerbeflächen leer. „Die Hälfte nimmt schon das Goethehaus ein“, sagt Gellert. Dort soll das Romantik-Museum entstehen. Vor drei Jahren kaufte die Stadt den Paradieshof in Sachsenhausen für 1,2 Millionen Euro. Bis zu fünf Millionen Euro sollten in den Umbau investiert werden, damit die Fliegende Volksbühne dort ein neues Zuhause findet Doch: „Der Umbau war nicht realisierbar“, sagt Gellert. Bisher gibt es keine neuen Pläne und das Gebäude steht leer. Auch die ehemalige Villa des Oberbürgermeisters in Sachsenhausen stand jahrelang leer, bis sie endlich verkauft werden konnte. Im ehemaligen Sozialrathaus im Gallus wird derzeit geprüft, ob die Fläche für eine gymnasiale Oberstufe geeignet ist. Immerhin ist dort für die Dauer der Prüfung ein Verein untergekommen, der unbegleitet einreisende Jugendliche versorgt.

Auch Hochhäuser stehen leer

Doch auch zentrale Bürogebäude in Frankfurt sind nicht immer belegt. „Viele Gebäude haben Anfangsschwierigkeiten, wie der Westhafen-Tower, der jetzt voll vermietet ist“, erklärt Gellert. Noch im Jahr 2004 herrschte in 23.000 von über 30.000 Quadratmetern des Turms, der an ein Apfelwein-Glas erinnert, gähnende Leere. Auch rund um das barocke Stadtschloss direkt an der Zeil, macht der Next Tower im Palais Quartier Probleme. Die Büros auf 32.000 Quadratmetern sind auch nach vier Jahren nicht vollständig vermietet. „Auch der so beliebte Messeturm ist selten komplett belegt“, sagt Gellert. Dennoch entstanden allein in den vergangenen drei Jahren fünf Bürotürme: Die Europäische Zentralbank (EZB), der Taunus Turm, der Tower 185 und die Türme des Skyline Plaza. Allein der Taunus Turm und der Next Tower bieten zusammen über 90.000 Quadratmeter zusätzliche Bürofläche.

Dennoch: In drei Jahren rund 90.000 Quardatmeter mehr Fläche gebaut

Gleichzeitig sind in der Bürostadt in Niederrad zahlreiche Gebäude wie ausgestorben. „Die Lage ist nicht mehr gefragt“, sagt Gellert. Teilweise seien die Gebäude extrem veraltet und erfüllen die technischen Anforderungen nicht mehr. Deshalb versucht das Stadtplanungsamt das Planungsrecht für einige Lagen zu ändern, damit dort Wohnraum entstehen darf. Im Bahnhofsviertel wird die Umwandlung von Gewerbeflächen in Wohnungen sogar finanziell von der Stadt unterstützt.

Positive Beispiele gibt es einige: Im Hochhaus in der Lyonerstraße 19 in Niederrad sind so 100 Wohnungen entstanden. Auch auf dem ehemaligen Henniger-Areal in Sachsenhausen wird in Zukunft nicht mehr gebraut, sondern gewohnt. Das Europaviertel ist eine Mischung aus Wohnen und Arbeiten. „Im Jahr 2013 entstanden die meisten Wohnungen durch Umwandlung von Flächen und nicht durch Abriss oder Neubau“, sagt Gellert. 2013 konnten mit der Umwandlung 370 Wohneinheiten genehmigt werden, das ist weit mehr als das Doppelte des Vorjahres. Gellert: „Jede Wohnung nimmt etwas Druck vom Markt.“

Offenbach baut trotz Leerstand weiter

Im September 2013 standen im Stadtgebiet Offenbach Büroflächen von rund 142.550 Quadratmetern leer. Im Vergleich zu 2012 ist ein leichter Rückgang zu verzeichnen. Das liegt hauptsächlich an der Vermietung von etwa 11.000 Quadratmetern Fläche im City Tower. Da die Büroräume zu einem Hotel umgebaut werden, sind von den rund 12.800 Quadratmetern, nur noch zwei Etagen mit insgesamt 1500 Quadratmetern ungenutzt. Allerdings verursachte die Firma Honda an der Sprendlinger Landstraße Anfang 2013 die größte Lücke. Hier stehen nun 7500 Quadratmeter leer. Das Gebäude soll verkauft werden. Die größten leerstehenden Bürogebäude mit jeweils zirca 13.000 Quadratmeter sind die ehemalige Firma Honeywell und das Haus der Wirtschaft. Dennoch: „Der Neubau von Büroflächen wird mit Hochdruck gefördert“, heißt es im Flächenreport 2013. Denn speziell am beliebter gewordenen Kaiserleigebiet – aufgrund des Neubaus der EZB – sei die Nachfrage gestiegen und damit auch die Durchschnittsmiete um 50 Cent.

200.000 Quadratmeter Leerstand in Eschborn

Eschborn dagegen versucht den 200.000 Quadratmetern Leerstand mit neuen Konzepten entgegen zu wirken. „Es gibt Überlegungen, teilweise Flächen für ein Boarding House zu nutzen“, sagt Dörte Fischer  , stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Eschborn. Das Gebäude soll Handwerkern oder Studenten für einen längeren Aufenthalt dienen. „Aber es ist noch nichts spruchreif.“ Bei der notwendigen Sanierung vieler Gebäude, sind der Stadt allerdings die Hände gebunden. Denn: „Teilweise können wir die Besitzer nur schwer ermitteln.“ Doch auch der Neubau wird nicht gestoppt. „Wir hoffen dass neue Gebäude weitere Unternehmen anziehen“, sagt Fischer. Denn Eschborn als Wirtschaftsstandort sei weiterhin begehrt.

In Sulzbach haben Unternehmen bei der Stadt knapp 9500 Quadratmeter freie Immobilienflächen gemeldet. Grund für den Leerstand sei es, dass die Bürogebäude nicht immer zu den Ansprüchen der suchenden Unternehmen passen. „Grundsätzlich gilt die Regel, dass zur Gewinnung möglicher Unternehmen ein langer Atem erforderlich ist“, sagt Holger Klink  von der Sulzbacher Wirtschaftsförderung. Insbesondere Anfragen aus Asien steigen zwar, aber der Wettbewerb unter den Kommunen sei stark. Dennoch: „Frischer Wind könnte das Gewerbeflächen-Angebot beleben“, glaubt Klink von der Wirtschaftsförderung. Deshalb hofft die Stadt auf die Realisierung des Teilgebiets „Südlich der Bahnstraße“. Dort sollen neue Wohn- und Gewerbeimmobilien entstehen.

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