Leben zwischen Zuckung und Starre

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Ronald Böhm erkrankte vor zehn Jahren an Parkinson. Seitdem versucht er, mit solchen blau-grünen Pillen Zuckung und Starre in Schach zu halten.

Offenbach – Ronald Böhms Körper ist ständig in Bewegung. Die Arme rudern, die Beine wippen hin und her. Für ihn ist das befreiend. Nichts ist schlimmer, als wenn ihn die Starre überfällt. Der Offenbacher leidet an Parkinson, genau wie 1000 unheilbar Kranke in Stadt und Kreis Offenbach. Von Christian Reinartz

Ronald Böhms Leben dreht sich um Hellblau und Dunkelgrün. Das sind die Farben der Kapsel, die die Parkinson-Krankheit in Schach hält. Alle drei Stunden muss er sich eine Dosis verpassen. Sonst verfällt er in Starre. Bewegungslos sitzt er dann da, gefangen in einem einzigen großen Muskelkrampf. Der Grund: Die Produktion des Botenstoffs Dopamin in seinem Gehirns ist gestört. „Entweder ich zapple rum oder kann mich nicht bewegen“, sagt Böhm. Dazwischen gebe es nur ein paar Minuten, in denen alles gut sei. Das Zappeln könne er zwar mit Gewalt unterdrücken. „Aber das fühlt sich so an, als ob man dringend auf Toilette muss“, erklärt er. Die Starre sei das Schlimmste an der Krankheit, so Böhm. Mit seinen Pillen kann er diese zwar bekämpfen. Aber nicht für immer. Denn alle Parkinson-Patienten reagieren irgendwann nicht mehr auf das Medikament. „Erst werden die Abstände kürzer, dann ist die Höchstdosis erreicht“, sagt Böhm: „Das haben wir alle vor uns.“

Kranke werden oft für Betrunkene gehalten und angepöbelt

Oft werden Parkinson-Kranke wegen ihren unkontrollierten Bewegungen für Betrunkene gehalten. Klaus Goerges, der auch die Selbsthilfegruppe besucht, berichtet von einem einschneidenden Erlebnis: Vor einiger Zeit wollte der 71-Jährige im Supermarkt eine Flasche Rotwein kaufen. Wegen der Muskelzuckungen hatte er Probleme, seine Geldbörse herauszuholen. „Da hat mich der Mann hinter mir angepöbelt, dass ich nicht so viel trinken soll“, sagt Goerges: „Und als ich ihn aufklären wollte, wusste er nicht mal, was Parkinson ist.

Wegen solcher Begegnungen ist Böhm die Aufklärung wichtig. Deshalb hat er die Parkinson-Selbsthilfegruppe vor etwa zehn Jahren gegründet. „Ich wollte, dass Betroffene eine Anlaufstelle haben, wo sie sich austauschen können. Damit sie wissen, was auf sie im Alltag zukommt und sich nicht vor Scham einigeln.“ Mittlerweile zählt die Gruppe 80 Mitglieder, trifft sich jeden zweiten und vierten Dienstag im Monat im Offenbacher Emil-Renk-Heim, Gersprenzweg 24. Auch in Rodgau und Frankfurt gibt es eine Dependance.

Böhm: „Da draußen sind noch viel mehr, die unsere Hilfe brauchen. Meldet euch bei uns!“ Infos gibt‘s unter Telefon (069) 27 29 98 95 oder unter www.parkinson-offenbach.de.

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