Rettungsdienste im Rhein-Main-Gebiet klagen über weniger Nachwuchs

Leben retten ist nicht mehr sexy genug

Kampf um Leben und Tod: Während eines Rettungstransportes zählt jede Sekunde, in der Rettungssanitäter viele Entscheidungen treffen müssen. Doch für viele Jobsuchende ist der verantwortungsvolle und zeitintensive Job nicht mehr attraktiv genug. Foto: Kzenon/fotolia.com

Die Personalsorgen bei den Rettungsdiensten werden immer größer. Immer weniger Schulabgänger lockt der Beruf, durch den rund um die Uhr Leben gerettet wird. Ein neues Ausbildungsgesetz hat die bereits angespannte Situation weiter verschärft. Von Dirk Beutel

Region Rhein-Main – Sie sind die ersten an einem Unfallort. Sie stillen Blutungen, beatmen die Opfer, leisten Erste Hilfe. Doch die Rettungsdienste sind jetzt selbst in Not. Die Personaldecke ist knapp. Der Nachwuchs fehlt. Blaulicht und Martinshorn sind bei jungen Menschen offenbar nicht mehr so beliebt. „Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist sehr angespannt. Das spüren wir deutlich“, sagt Oliver Pitsch, Regionalvorstand der Johanniter Unfall Hilfe in Frankfurt.

Die Situation ist bei anderen Rettungsdiensten ähnlich dramatisch, denn: „Die Bewerberlage hat sich maßgeblich verändert, mit ein Grund ist der demografische Wandel“, sagt Thorsten Bloß vom hessischen Landesverband des Deutschen Roten Kreuzes: „Warum sollte heute ein junger Mensch zum Rettungssdienst gehen? Die Palette an Berufen und zugänglichen Studiengängen ist so groß, da können wir kaum mithalten, außer die Bewerber haben eine entsprechende soziale Ader.“ Die hohe Arbeitsbelastung, der Schichtdienst und Einsatzzeiten rund um die Uhr seien bei Schulabgängern ohnehin nicht gerade beliebt.

„Durch den Wegfall des Zivildienstes kommen viele auch gar nicht mehr in Kontakt mit dem Rettungsdienst wie früher“, saqt Pitsch. Bundesfreiwilligendienstler und Mitarbeiter, die ein freiwilliges soziales Jahr ableisten, würden dieses Defizit nur begrenzt abdecken. Dazu kommt die deutlich verschärfte Konkurrenzsituation. Denn auch die Kliniken in der Region buhlen um bereits gut ausgebildete Rettungsdienstmitarbeiter für ihre Ambulanzen und Notaufnahmen.

Das große Plus: Die Arbeitszeiten sind dort geregelt. Die ohnehin schon angespannte Personallage hat sich wesentlich durch den Wegfall des Rettungsassistentengesetzes zugespitzt, das durch das Notfallsanitätergesetz ersetzt wurde und seit dem 1. Januar 2014 in Kraft ist. Wesentliche Änderung: Der Rettungsassistent war ein Anlernberuf, der Notfallsanitäter ist ein dreijähriger Lehrberuf.

„Und bis diese neue Generation zum Einsatz kommen kann, müssen wir eine erhebliche Durststrecke durchstehen“, sagt Pitsch. „Schaut man über die Stadtgrenzen hinaus, vor allem in ländlichere Gebiete, ist es durchaus eine Herausforderung, qualifizierte Mitarbeiter zu finden“, sagt Gudrun Preßler, Sprecher des Malteser Hilfsdienstes. Das gilt auch für den städtischen Raum, wie Oliver Pitsch berichtet: „Seit diesem Oktober stehen drei Mitarbeiter nicht mehr voll zur Verfügung. Sie beginnen jeweils ein Studium. Und so schnell wie wir sie brauchen, kann man diese Mitarbeiter nicht ersetzen.“

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