Leben für den Liebesapfel: Tomaten-Heidi züchtet 113 Sorten

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Tomaten-Heidi Jung beim Knoten der Rankhilfen für ihre Tomatenpflanzen in ihrem Oberräder Gewächshaus.

Offenbach – Groß, rot und rund kann jeder. Aber faltig, braun und knubbelig, das kann nur die Tomaten-Heidi. Sie baut in Oberrad 113 verschiedene Tomatensorten aus aller Welt an. Ihr Stand auf demOffenbacher Wochenmarkt ist unter Gourmets ein Geheimtipp. Von Christian Reinartz

Heidi Jung an ihrem Stand auf dem Offenbacher Wochenmarkt.

Bücken, knoten, hochziehen, knoten, abschneiden – Heidi Jung legt australische Tigertomaten an die Leine. Tausende weitere Pflanzen warten noch. Eine Sisyphos-Arbeit, die einer Sträflingsarbeit gleichkommt. Der Oberräder Gärtnerin Heidi Jung macht sie Spaß. „Schließlich freue ich mich schon jetzt auf die Tomaten. Und weil ich nach jeder Reihe denke: Wieder eine geschafft“, sagt sie in breitestem Oberräder Dialekt und bückt sich schon wieder zum nächsten Tomatentrieb. Der gehört zu einer Berner Rose, einer ganz besonders zarten Sorte, die jeden sanften Fingerdruck mit einer matschigen Stelle an der rosa Frucht quittiert. „Dafür schmeckt sie so gut und aromatisch wie keine andere“, schwärmt Jung und hat schon wieder zwei weitere Pflänzchen aufgeknüpft. Sie macht das mit Liebe, Akribie und Begeisterung. „Ohne Begeisterung geht‘s gar nicht. Ich bin der größte Fan meiner eigenen Früchte“, feixt die Tomaten-Heidi: „In der Saison gibt‘s zu Hause jeden Tag was anderes aus Tomaten.“

Seit verkauft die besonderen Tomaten im September auf dem Offenbacher Wochenmarkt

Mittlerweile ist die kleine blonde Frau mit dem verschmitzten Lächeln bei den russischen Reisetomaten angekommen. Deren große Früchte werden im Sommer aussehen, wie kleine zusammengewachsene Cocktailtomaten. „Einfach abbrechen. Perfekt für die Reise“, sagt Jung und knotet flink weiter. Im Moment sind die Pflanzen noch klein. In zwei Monaten werden sie mannshoch sein und kiloweise Früchte Tragen. Die verkauft die Tomaten-Heidi schon seit vier Jahren auf dem Offenbacher Wochenmarkt am Wilhelmsplatz. „Das ist wenigstens noch ein echter Wochenmarkt. In Frankfurt gibt‘s sowas doch gar nicht mehr“, wettert sie und hat sich bis zur „Black Plum“ durchgeknotet. Die fast schwarzen Früchte dieser exotischen Sorte erinnern an Pflaumen. „Bei solchen Dingern muss ich am Stand schon mal Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Heidi Jung: „Aber wenn sich dann einer traut reinzubeißen, will er nichts anderes mehr.“

Wer die Früchte kosten will, muss sich allerdings noch gedulden. Denn die Pflanzen tragen frühstens im Juli. „Dann gibt‘s bis September alle Sorten in Hülle und Fülle“, verspricht Jung: „Aber anfassen darf meine Babys vor dem Kauf niemand.“ Vor allem nicht die Berner Rose.

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