Verein will Kulturgut retten: Erster Frankfurter Wasserhäuschentag am 19. August

Es lebe das Büdchen!

Klassisches Wasserhäuschen: Im „Fein“ von Elke Löscher in der Frankfurter Petersstraße gibt es am Wasserhäuschentag Live-Musik und eine Fotoaktion. Foto: Borm

Am 19. August steigt der erste Frankfurter Wasserhäuschentag. Initiatoren sind die Mitglieder des Vereins „Linie 11“ und die Jungs von allesgude. de. Und die haben ein großes Ziel: Sie wollen das Büdchen vor dem Aussterben retten. Von Kristina Bräutigam

Frankfurt – Seit mehr als 150 Jahren gehören die Wasserhäuschen zum Frankfurter Stadtbild. 800 der sogenannten „Jöst-Hüttchen“ gab es zeitweise – heute sind es noch 93. Nicht nur Tankstellen mit Vollsortiment und bis 24 Uhr geöffnete Supermärkte machen dem Büdchen das Leben schwer. Das Schmuddel-Image sorgte dafür, dass vor allem jüngere Generationen lange einen Bogen um die Wasserhäuschen machten.

Der Verein Linie 11 will das ändern: Seit zehn Jahren kämpfen die Mitglieder dafür, das Frankfurter Kulturgut am Leben zu erhalten. Die bislang größte Aktion startet am 19. August: Dann steigt der erste Frankfurter Wasserhäuschentag. Mit an Bord sind Oliver Kirst, Boris Borm und Hubert M. Gloss von allesgude.de, Erfinder des Wasserhäuschen-Quartetts und ebenfalls Unterstützer der Frankfurter Trinkkultur. „Die Idee ist, an den unterschiedlichen Wasserhäuschen kleine, voneinander unabhängige Veranstaltungen stattfinden zu lassen, um dieses Kulturgut und seine Geschichte zu feiern“, sagt Peter Horst, Gründungsmitglied von Linie 11. Der Verein übernimmt an dem Tag die Rolle des Initiators, für die Genehmigungen der jeweiligen Veranstaltungen ist die Stadt Frankfurt zuständig. Dass die sogar die Schirmherrschaft für den Wasserhäuschen-Tag übernommen hat, freut die neun Vereinsmitglieder riesig. „Es zeigt, dass die Büdchen ihr Penner-Image langsam hinter sich lassen“, sagt Peter Horst, und verrät: Auch OB Peter Feldmann wird am Aktionstag vorbeischauen. Insgesamt elf Büdchen haben sich bislang angemeldet und werden am Samstag verschiedene Aktionen anbieten: Im „Fein“ an der Eschenheimer Anlage gibt es Live-Musik und eine Fotoaktion, am Wasserhäuschen auf der Insel direkt am Niddaradweg finden unter anderem Lesungen statt, an Frankfurts ältestem Jöst-Häuschen im Osthafen gibt es ein Bikerfrühstück. Sogar das Einkaufszentrum MyZeil steht am Samstag ganz im Zeichen des Büdchens: Vor dem Rewe-Markt im Untergeschoss lädt ein Wasserhäuschen die Besucher ein, ihr Bierchen in EXTRA TIPP-Liegestühlen zu genießen. Etwas ganz Besonderes hat sich auch die Binding-Brauerei einfallen lassen: Sie verlost zwei Plätze für eine Stadtrundfahrt im Binding-Bulli mit Stadtführer und Halt an den teilnehmenden Locations. Aktionen, mit denen die Initiatoren die Frankfurter animieren wollen, ihr Büdchen um die Ecke kennenzulernen. „Wer hier sein Bier oder eine Naschtüte kauft, stärkt auch die Stadtkultur“, sagt Peter Horst. Dass die Büdchen – auch dank der Bemühungen der Initiatoren – seit ein paar Jahren wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen und besonders bei Studenten angesagt sind, freut die Vereinsmitglieder. Eins ist ihnen trotzdem wichtig: Das Stammpublikum an den Wasserhäuschen, Kiosken und Trinkhallen soll nicht verdrängt werden. „Unser Wunsch ist es, dass Menschen aller Schichten und jeden Alters zusammenkommen. Gerade in einer anonymen Großstadt wie Frankfurt sind die Büdchen perfekt, auch um Anschluss zu finden“, sagt der 31-Jährige. Sollte der erste Frankfurter Wasserhäuschentag ein Erfolg sein, soll es im nächsten Jahr eine Neuauflage geben. Im Idealfall sollen die Aktionen dann an anderen Häuschen stattfinden. „In dieser Stadt gibt es genug Modernisierung und Hochglanz. Das Wasserhäuschen ist ein Kulturgut, das unbedingt erhalten bleiben muss“, sagt Horst. In Berlin sei der sogenannte Späti seit vielen Jahren Kult. „Warum sollten wir unsere Büdchen nicht auch feiern.“

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