Langfinger und Luxuskarossen

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Begehrt: Der BMW X5 wird gern geklaut – auch im Taunus. In Eppstein-Vockenhausen wurde erst vergangene Woche ein 100.000-Euro-Modell gestohlen.

Taunus – Anderthalb Jahre war er alt, noch gut 100.000 Euro wert – und jetzt ist er weg. Vergangene Woche wurde in Eppstein-Vockenhausen ein BMW X5 gestohlen, in der Nacht auf Mittwoch ein rund 80.000 Euro teurer BMW X6 in Kelkheim. Keine Einzelfälle, trotzdem schließen viele Autobesitzer ihre Wagen nicht ab. Von Julia Renner

Der Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zählt jedes Jahr, wie viele Autos in Deutschland gestohlen wurden und welche Modelle die meisten Langfinger angelockt haben. Die Zahlen für 2011 werden erst Ende August veröffentlicht. Doch in den Top Fünf der meistgestohlenen Autos wird sich nicht viel geändert haben. Die BMW-Modelle X5 und X6 stehen seit Jahren auf den vorderen Plätzen.

Für Fahrzeuge, die hochwertig und teuer sind, gibt es immer Abnehmer“, sagt Stephan Schweda vom GDV. Die Luxuskarossen werden entweder auf Bestellung geklaut oder in riesigen Hallen komplett zerlegt, um die Einzelteile dann zu verkaufen.

Im Taunus gehen die Zahlen der Autodiebstähle zwar generell leicht zurück. Doch aufgrund der guten Verkehrsanbindung und der „überproportional vielen gut situierten Bürger“ – so steht es im Bericht der Main-Taunus-Polizei für 2011 – ist die Region für Kriminelle attraktiv. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 182 Autos im Main-Taunus-Kreis gestohlen und damit fünf mehr als 2010. Diese leichte Steigerung war auf eine Diebstahlserie von BMW-Limousinen zurückzuführen, heißt es im Polizeibericht.

Andreas Beese, Sprecher der Polizei im Main-Taunus-Kreis, hat einen Tipp für Autobesitzer, der vielen zunächst selbstverständlich erscheint: „Das Auto immer abschließen.“ Denn das mache längst nicht jeder.

Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht

Zu dem Fall des gerade gestohlenen BMW könne er aus ermittlungstechnischen Gründen nichts sagen. Doch er weiß: Die X5 gehen meist in den Ostblock, die X6 ebenso. Dass die Besitzer ihre Nobelwagen jemals wiedersehen, ist unwahrscheinlich.

Dass Langfinger überhaupt keine Chance mehr haben, Autos zu knacken, daran arbeiten Autobauer beständig. „Die Sicherungstechnik macht es immer schwerer. Aber mit den Entwicklungen der Hersteller entwickeln sich auch die Diebe weiter“, sagt GDV-Sprecher Schweda. „Einen hundertprozentigen Schutz gibt es nicht.“

Viele glauben, ihr Auto sei ein Safe“, sagt Polizeisprecher Beese. Deshalb würden immer noch Wertgegenstände im Wagen aufbewahrt. Um keine Langfinger anzulocken, sollte man das allerdings lassen.

Komplett verhindern lassen sich Autodiebstähle wohl nicht. Allein schon deshalb, weil in dicht besiedelten Gebieten nicht jeder eine Garage hat, so Beese. In der Nachbarschaft sollte man immer die Augen offen halten, rät er. Und man sollte sich sofort melden, wenn man etwas beobachtet. Passiert das zu spät, sind die Diebe samt Wagen längst im Ausland.

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