Landwirt aus Leidenschaft

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Patrick Stappert mit Kuh Elsa auf seinem Bauernhof in Sindlingen.

Frankfurt – Zwölf Rinder und jede Menge Kartoffeln – das ist alles, was Patrick Stappert braucht, um glücklich zu sein. Fast alles. Der Sindlinger führt einen Bauernhof in Sindlingen. Mit 27 Jahren ist er Frankfurts jüngster Landwirt. Nur eine Frau an seiner Seite fehlt ihm noch. Von Christian Reinartz

Patrick Stappert lehnt an seinem Traktor, saugt zufrieden die eisige Morgenluft ein. Sie riecht nach nasser Erde und Kuhstall. Ein Duft wie auf einem Schweizer Bergbauernhof. Nur, dass der inmitten der Sindlinger Altstadt liegt.

Es ist noch gar nicht lange her, da arbeitete Stappert als Zimmermann bei einer großen Firma in Büttelborn. Bis er beschloss, die Landwirtschaft seines Vaters zu übernehmen. Als er das dem 70-Jährigen, der selbst sein ganzes Leben lang den Stappert-Hof geführt hat, eröffnete, war der nicht gerade begeistert. Er sieht die Entscheidung seines Sohnes mit gemischten Gefühlen. Stappert Senior weiß, wie schwer das Leben als Landwirt ist. Doch der Stolz in seinen Augen ist offensichtlich.

Umso sicherer ist Stappert Junior: „Mich hat es eben schon immer gereizt, mein eigener Chef zu sein!“ Man glaubt ihm, dass er seine Entscheidung keinen einzigen Moment bereut. Auch, wenn die Arbeit schwer und der Tag lang ist. Sein Geheimnis: „Mir macht dieser Beruf einfach Spaß. Und ich führe eine alte Familientradition fort.“ Einziger Wermutstropfen: Die viele Arbeit macht die Suche nach einer Partnerin schwierig. „Viele Frauen haben halt Sorge, dass sie hier von morgens bis abends anpacken müssen. Aber das ist gar nicht so“, sagt er: „Und früh aufstehen muss man hier auch nicht!“

Stappert setzt auf die braune Knolle

Hinter ihm öffnet sich das Tor zum Kartoffellager. In Spitzenzeiten lagert der Jungbauer dort bis zu 70 Tonnen ein. In Zukunft sollen es sogar 90 Tonnen sein. In der braunen Knolle sieht der 27-Jährige die Zukunft seines Hofes. „Der Kartoffelanbau lohnt sich wenigstens“, argumentiert er: „Ich muss unternehmerisch denken. Anders lässt sich ein Hof heute nicht mehr führen.“

Was Patrick Stappert sich mit seinen 27 Jahren traut, stößt beim Hessischen Bauernverband auf große Achtung. „Es ist absolut selten, dass so junge Menschen den Mut haben, Landwirt zu werden“, sagt Bernd Weber, Pressesprecher des Verbands. Und er glaubt, dass Stappert für diesen Mut belohnt werden wird. In Frankfurt fehle es nämlich nicht an Hofkunden, so Weber: „Im Gegenteil. Die Stadtbevölkerung will ja am liebsten direkt vom Bauern kaufen.“ Das Problem seien die Landwirte, so der Sprecher: „Die kann man an einer Hand abzählen.“

Eine Lücke, die Stappert erkannt hat. Mittlerweile beliefert er sogar zwei Edeka-Märkte in Hattersheim und Hofheim. Weitere sollen folgen.

Die Stappert-Kartoffeln gibt‘s direkt auf dem Hof in Frankfurt, Alt-Sindlingen 20. Kontakt zu Jungbauer Patrick Stappert per E-Mail an

redaktion@extratipp.com.

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