Landtagsmitglied Tipi: Kopftuch behindert Integration

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Ismail Tipi in seinem Wahlkreisbüro in Heusenstamm.

Region Rhein-Main –  Kopftuch in der Schule: Ja oder Nein? Lange ruhte diese Debatte. Vor kurzem hat die baden-württembergische Integrationsministerin Bilkay Öney gefordert, das Kopftuchverbot an Schulen zu lockern. Für den türkischstämmigen Landtagsabgeordneten Ismail Tipi ein Unding. Von Julia Renner

Vor einigen Wochen ist Tipi in Nordhessen unterwegs gewesen. „Da sah ich viele ältere Frauen, die die Straße kehren und dabei ein Kopftuch tragen“, erzählt der 52-Jährige. Kein Problem für ihn. Auch wenn Frauen sagen, es sei ihnen ein religiöses Bedürfnis, sei das Tragen eines Kopftuches in Ordnung. „Jede Frau ist frei. Und wenn eine das wirklich machen will, habe ich Achtung davor.“

Für Ismail Tipi beginnt das Problem jedoch, wenn „das Kopftuch zu einem politischen Symbol wird“. Wenn das Tuch, das die Haare versteckt, nichts mehr mit Religion zu tun hat, sondern sich die Trägerin damit zur Scharia bekennt, hat das nichts mehr mit Demokratie und Religionsfreiheit zu tun, sagt Tipi. Deshalb müsse das Kopftuchverbot auch weiterhin bestehen. In Schulen, Kindergärten und in allen anderen öffentlichen Einrichtungen.

Spaltung durch das Kopftuch-Tragen

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Gerade in Schulen sei die Situation jetzt schon schwierig. Junge Muslima, die mit Kopftuch in den Unterricht gehen, würden Mädchen, die westlich gekleidet sind, oft „als Ungläubige beschimpfen“. Tipi sieht bereits eine Spaltung. Die würde weiter vorangetrieben, sollten auch die Lehrerinnen Kopftücher tragen. Denn dann, so der Abgeordnete, würden die jungen Muslima von der Lehrerin bestärkt. „Der Integration wird damit ein Bärendienst erwiesen.“

Die Spaltung zwischen westlich geprägten und muslimischen Jugendlichen sei durch Aufklärung zu überwinden. „Die Schüler müssen sich gegenseitig verstehen.“ Deshalb müsse es auch den Islamkunde-Unterricht geben. Dies solle aber kein Religionsunterricht sein, betont Ismail Tipi. Im Koalitionsvertrag der hessischen Regierung sei das vereinbart und Tipi sieht die Regierung auf einem guten Weg zur Umsetzung. „Wahrscheinlich wird es noch in dieser Legislaturperiode passieren.“ Vorausgesetzt, es findet sich ein Partner für den Unterricht. Bisher ist das nicht der Fall.

Das besagt der Koalitionsvertrag

Im Koalitionsvertrag haben CDU und FDP festgelegt, dass an Schulen islamischer Religionsunterricht eingeführt wird oder eine „religionskundliche Unterweisung in islamischer Religion“, also Islamkunde. Am Dienstag, 4. Oktober, wird darüber im Landtag beraten, wie Schülern der Islam näher gebracht werden soll.

Islamischer Religionsunterricht:

Gemeinsam mit einem Ansprechpartner der religiösen Gemeinschaft werden Glaubensinhalte des Islam vermittelt.

Islamkunde:

Ein geschichtlicher, kultureller und historischer Überblick des Islam auf sachlicher Ebene steht im Mittelpunkt.

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