„Schluss mit Bürgertäuschung“

Bad Homburg – Ein Amt, zwei Bewerber: Am nächsten Sonntag, 22. Januar, wird der Landrat des Hochtaunuskreises gewählt. Der EXTRA TIPP hat Amtsinhaber Ulrich Krebs (CDU) und Herausforderer Norman Dießner (Grüne) auf den Zahn gefühlt. Von Julia Renner und Norman Körtge

Der Schuldenberg des Kreises wird bis Ende 2012 auf etwa 642 Millionen Euro wachsen. Wie wollen Sie diesen Schuldenstand verringern?

Norman Dießner: Das geht nur, wenn das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben verändert wird. Sowohl im laufenden Haushalt als auch bei Investitionen in Großprojekte wie Krankenhaus- und Schulneubauten müssen die Finanzmittel optimal eingesetzt werden. Dies gilt auch für Folgekosten. Das Notwendige muss so gut wie möglich sein, aber nicht jeder Wunsch kann erfüllt werden.

Ulrich Krebs: Zum einen überprüft der Hochtaunuskreis regelmäßig seine laufenden Ausgaben, zum anderen sollen Neuinvestitionen ohne neue Schulden getätigt werden. So haben wir die Ausgaben im Blick und können dennoch unsere wichtigen Projekte umsetzen. Ein dauerhafter Schuldenabbau kann jedoch nur gelingen, wenn die Landkreise künftig wieder mit einer angemessenen finanziellen Ausstattung durch das Land bedacht werden.

Seit Jahrzehnten wird über einen möglichen PPR-Tunnel in Bad Homburg diskutiert. Wie soll sich das Thema in Ihrer Amtszeit entwickeln?

Dießner: Schluss mit Bürgertäuschung. Für den Tunnel ist aktuell kein Geld vorhanden. Also müssen wir Alternativen zur Verbesserung der Verkehrsproblematik nutzen. Das hören viele nicht gern. Aber es ist die Wahrheit. Abgestimmte Verkehrskonzepte setzen dabei auf die Taunusbahn und kostengünstige Straßenverkehrsmaßnahmen.

Landrat Ulrich Krebs (CDU). 

Krebs: Durch die geplante Gründung einer Verkehrsinfrastrukturgesellschaft wollen wir die Planungen vorantreiben und die Mittel für die Finanzierung bereitstellen, so dass sich in den kommenden Jahren Lösungen für die Problematik an der PPR-Kreuzung finden lassen.

Stichwort „Schulen im 21. Jahrhundert“: Kann sich der Kreis ein so teures Programm überhaupt noch leisten?

Dießner: Es hätte nicht so teuer sein müssen, wenn klüger und maßvoller gewirtschaftet worden wäre. Das Geld anderer Leute ist zu verschwenderisch ausgegeben worden. Wir werden also das Geld in der Zukunft bedarfsgerecht und angemessen einsetzen müssen. Ich investiere es zum Beispiel lieber in Schule als in die Planung eines Tunnels.

Krebs: Investitionen in Bildung sind Investitionen in die Zukunft. Richtig ist, dass wir das Programm durch die wirtschaftliche Entwicklung der letzten Jahre zeitlich strecken müssen. Mit dem eingangs angesprochenen Verzicht auf eine Neuverschuldung ist die Genehmigungsfähigkeit des Haushalts gegeben. Dies wiederum bringt den noch nicht sanierten oder neu gebauten Schulen eine verlässliche Perspektive für die Umsetzung der Projekte.

Warum sollten die Bürger zur Wahl des Landrats gehen?

Dießner: Weil ein Landrat verpflichtet ist, im Sinne der Bürger zu arbeiten. Diesen „Angestellten“ sollten sich die Bürger aussuchen, also wählen. Sie haben direkten Einfluss, ob der Landkreis passiv verwaltet oder aktiv gestaltet wird.

Krebs: Das Recht wählen zu dürfen, ist eine der wichtigsten Errungenschaften unserer Demokratie. Zudem hat jede Bürgerin, jeder Bürger, dadurch die direkte Möglichkeit, Einfluss auf politische Entscheidungen zu nehmen. Im Landkreis werden viele wichtige Themen entschieden, wie beispielweise der Neubau von Schulen, Kliniken, die Verkehrsinfrastruktur und die Unterstützung bei der Rückkehr in den Arbeitsmarkt. Daher sollte es das Anliegen aller sein, wählen zu gehen.

Welchen Film haben Sie zuletzt gesehen?

Dießner: Mit meinem ältesten Sohn war ich in Sherlock Holmes „Spiel im Schatten“. Sehr spannend, sehr unterhaltsam.

Krebs: „Der seltsame Fall des Benjamin Button“ von Regisseur David Fincher.

Was ist Ihr Lebensmotto?

Dießner: Immer einmal mehr aufstehen als hinfallen. Es geht immer weiter.

Krebs: Bedenke, dass die menschlichen Verhältnisse insgesamt unbeständig sind. Dann wirst Du im Glück nicht zu fröhlich und im Unglück nicht zu traurig sein. (Sokrates)

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