Profitiert Offenbach von dem Modell?

Flughafen Frankfurt: Mit den Lärmpausen kommt Kritik

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Der Lärm von Passagierflugzeugen ist direkt über den Dächern mancher Häuser – wie hier in Flörsheim – zu hören. Jetzt kommt die Lärmpause und mit ihr die Kritik.

Region Rhein-Main – Die Lärmpausen sollen kommen. Doch an ihrer Wirkung gibt es massive Kritik. Während Al-Wazir jubelt, bleibt die Fluglärmkommission skeptisch. Von Axel Grysczyk

Der Weg für die Einführung siebenstündiger Lärmpausen am Frankfurter Flughafen ist frei. Die Fluglärmkommission hat in dieser Woche einen entsprechenden Beschluss gefasst, der einen Probebetrieb in der Hauptbetriebsrichtung des Flughafens ermöglicht. „Die Zahlen der Fluglärmkommission zeigen eindeutig: Durch eine intelligente Nutzung der Bahnen am Frankfurter Flughafen ist es möglich, die Anwohner spürbar zu entlasten“, sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Die Bündelung von Anflügen führt zu einer nachweisbaren Lärmentlastung in der Region. Die Lärmpausen sind kein Nullsummenspiel, unter dem Strich zeigt sich: Es werden sowohl morgens als auch abends mehr Menschen entlastet als belastet.“ Die Fluglärmkommission und das Forum Flughafen und Region hatten in den vergangenen Monaten umfangreiche Lärmberechnungen vorgenommen. Die Kriterien zur Errechnung des Mehrwerts siebenstündiger Lärmpausen sind dabei von den beiden Gremien eigenständig erarbeitet und festgelegt worden.

Lärmpause für 40.000 Menschen

Das unter Lärmgesichtspunkten günstigste Modell bei Westbetrieb (Modell vier) schafft unterm Strich für über 40.000 Menschen eine zusätzliche Lärmpause – und zwar über das bestehende Nachtflugverbot hinaus. „Vor allem im Nahbereich des Flughafens entfaltet das Modell seine größte Wirkung“, so Al-Wazir. „Wir entlasten damit zehntausende Menschen insbesondere in Frankfurt und Offenbach.“ Natürlich gebe es durch die Bündelung von Anflügen temporär auch zusätzliche Belastungen. „Neu-Isenburg wird in dem Modell zwar abends zusätzlich belastet. Dafür erhalten dort tausende Anwohner eine zusätzliche Lärmpause zwischen fünf und sechs Uhr morgens.“ Ein Ostwind-Modell gäbe es noch nicht.

Der Fluglärmkommissions-Vorsitzende und Raunheimer Bürgermeister, Thomas Jühe. sieht den Kompromiss skeptisch. Er wies darauf hin, dass es auch beim Modell vier zu starken Verschiebungen mit Nachteilen für andere Kommunen wie etwa Hanau komme. In Betriebsrichtung Ost – diese gilt bei Ostwind in etwa 25 Prozent der Flüge – lehnte die Kommission alle Modelle ab. Entlastungen für Mainz und Flörsheim stünden zusätzliche Belastungen für Hochbetroffene anderer Regionen gegenüber, hieß es.

Keines der Modelle trifft auf Begeisterung

Auch bei der rheinland-pfälzischen Landesregierung stieß die neue Regelung, die erstmal erprobt werden soll, auf wenig Begeisterung. Sie verbesserte die Situation im Land nicht nachhaltig, sagte Verkehrsminister Roger Lewentz (SPD) nach einer Mitteilung am Mittwoch in Mainz. „Die Prüfung der einzelnen Varianten zeigt, dass keines der fünf Modelle in der Lage ist, bei Ostwind-Wetterlagen die Region Mainz und Rheinhessen durchgreifend zu entlasten.“

Nur mit Sarkasmus könne man die Feststellung der Landesregierung kommentieren, Offenbach sei Gewinner des von der Fluglärmkommission nicht gänzlich verworfenen Lärmpausenmodells vier, stellt hingegen die Offenbacher SPD-Landtagsabgeordnete Heike Habermann fest.

„Mit einem so genannten ‚Neutralvotum’ für das Modell vier hat die Fluglärmkommission deutlich gemacht, dass letztlich keines der vorgeschlagenen Modelle das Ziel einer spürbaren Entlastung der Region erreicht. Modell vier war die einzige Variante, in der die Zahl der rechnerisch zusätzlich Betroffenen unter der der rechnerisch entlasteten Bürger liegt, so Habermann.

In Offenbach führe dies dazu, dass der Offenbacher Norden zwischen 22 und 23 Uhr wieder in die Lärmsituation vor dem Bau der Nordwestbahn komme. Für die daraus folgende zusätzliche Lärmbelastung durch stärkere Nutzung der beiden Parallelbahnen am Abend gebe es für die Bevölkerung im Süden Offenbachs als Trostpflaster morgens eine Pause zwischen fünf und sechs.

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